BF2042: Das Auf und Ab einer legendären Serie

Die Battlefield-Serie hat eine illustre Geschichte hinter sich. Im Oktober soll mit Battlefield 2042 nun nach einer längeren Durststrecke ein «richtiges BF» herauskommen — doch was ist das überhaupt? In diesem Teil betrachten wir erst einmal die Geschichte der beliebten Reihe.

Es war 2002. Das neue Millennium hatte gerade erst begonnen und erfüllte Gamer weltweit mit Hoffnung, waren seit der Jahrtausendwende doch absolute und teils auch bahnbrechende Banger wie «Halo», «Grand Theft Auto III», «Metal Gear Solid 2», «Max Payne», «Super Smash Bros. Melee» und viele mehr herausgekommen — alles Titel, welche in ihrem Bereich starke Neuerungen brachten. Mit einer jeweils fetten Menge an technischer und spielerischer Innovation setzten sie in der Game-Szene neue Impulse, die zum Teil die folgenden Jahrzehnte überdauern würden. Der Beginn des Jahrtausends war gametechnisch also eine Zeit der Aufbruchsstimmung, begleitet vom Release mittlerweile legendärer Konsolen wie der Playstation 2 (2000) — welche zur meistverkauften Konsole aller Zeiten avancierte — der Xbox (2000) sowie der GameCube (2001).

Aber auch die PC-Gamer waren zu Beginn der 2000er im virtuellen Schlaraffenland. Die Industrie hatte erkannt, dass Personal Computer immer öfter dediziert zu Gaming-Zwecken angeschafft wurden und pumpten entsprechend optimierte Hardware raus. Dies ermöglichte komplett neue (oder mindestens erstmalig komplett flüssige) Spieleerfahrungen wie «Counter-Strike» oder «World of Warcraft». Im Februar 2002 wurde die nVidia GeForce 4 Ti herausgebracht, welche dank ihres hardwarebasierten Anti-Aliasing und der überwältigenden 64 bis 128 Megabytes Grafikspeicher einen bislang unerreichten Level von Immersion ermöglichte. Damals sassen wir da, schauten uns die Spiele an und dachten: «Krasser, grösser, intensiver kann es nicht mehr werden.»

Und dann kam Battlefield.

All-Out War

Quelle: rockpapershotgun.com

Klar, 2002 hatten Shooter-Fans (und ihre Gaming-Mühlen) mit Blockbustern wie «Counter-Strike», «Unreal Tournament» oder «Quake III Arena» schon viel zu tun. Aber trotzdem hatten «FPSler», denen das erstere Spiel zu kleinformatig und die letzten beiden zu arcadelastig und hektisch waren, kein ideales Zuhause gefunden. Die Battlefield-Reihe, ins Leben gerufen mit der Veröffentlichung von «Battlefield 1942», schickte sich an, das Shooter-Genre aufzuwühlen: Bislang hatte es der individuellen Leistung Einzelner oder kleiner Teams zentrale Wichtigkeit zugemessen, bei «BF» allerdings wurde Teamwork im grossen Stil eingeführt.

Ehrlicherweise muss man zugestehen, dass das Kernszenario des Spiels — der zweite Weltkrieg — auch damals überhaupt nichts Neues war. Was 1942 aber auszeichnete, war nicht die (mittlerweile für Shooter ziemlich ausgelutschte) Hintergrundstory, sondern seine schiere Skala gepaart mit seinen frei wählbaren Kriegsvehikeln sowie seiner Klassenmechanik. Diese drei Punkte machten die Innovation von BF1942 aus: Einerseits waren die Karten, auf denen gespielt wurde, vergleichsweise riesig.

Dies ermöglichte Punkt zwei: Spieler konnten recht frei wählen, ob sie zu Fuss kämpfen oder lieber einen Panzer oder ein Kampfflugzeug besteigen wollten. Was sie damit anstellten, war ihnen komplett selbst überlassen — gute Spieler allerdings achteten darauf, als Team die Kontrollpunkte auf der Map einzunehmen und zu halten. Der dritte Punkt bestand aus den Spielerklassen: Vor jedem Match und zwischen Toden konnte aus fünf unterschiedlich ausgerüsteten Kämpfertypen gewählt werden, was einem ermöglichte, dem Gegner auf verschiedene Arten auf die Pelle zu rücken. Heimliche Killer gingen als «Scout» mit Scharfschützengewehr aufs Feld, wer lieber den Panzerschreck spielen wollte, wählte den «Anti-Tank» mit Raketenwerfer. Battlefield 1942 kam bei der Shooter-Gemeinde überaus gut an und startete eine lange, erfolgreiche Serie.

Eine neue Shooterserie: Aufstieg …

Quelle: Reddit.com

Zunächst kamen Zusatzpakete für das Basisspiel, dann erschien 2005 «Battlefield 2». Während sein Vorgänger noch sowohl auf Windows als auch Apple-Geräten lief, konnte «BF2» nur auf dem Microsoft-Betriebssystem gespielt werden. Diesmal durfte der Spieler zwar aus ganzen sieben Klassen aussuchen. Wirklich innovativ waren aber die Commander- und Squad-Features: Bei ersterem konnte ein Spieler das Kommando über sein Team übernehmen und die Map von oben betrachten.

Dies ermöglichte ihm, die Squads — sozusagen kleine Feuertrupps, denen man sich als Spieler anschliessen konnte — taktisch zu führen und ihnen Befehle zu erteilen, um seine Gewinnstrategie zu realisieren. Natürlich musste man diesen Befehlen nicht zwangsweise Folge leisten, allerdings konnten talentierte Commander und eng zusammenarbeitende Squads so manches Match entscheidend prägen. Wie auch die Nachfolger «Battlefield 3» und «Battlefield 4» spielte «BF2» in einem zum Teil fiktiven Gegenwartsszenario mit modernen Waffen und Vehikeln — einem Stil, der den Fans der Serie schnell ans Herz wuchs und unter vielen Fans zur Definition des «richtigen BF» wurde, auch wenn die Serie ihren Ursprung in um 1940 angesiedelten Kämpfen hatte.

… und Niedergang?

Und so häuften die sich von EA publizierten neuen Titel und Spinoffs der Serie. Mit «Battlefield: Bad Company» kam sogar ein Spiel, das einen klar humoristischen Ton anschlug, welcher vom Nachfolger «Bad Company 2» nach einiger Fan-Kritik abgeschwächt wurde. «Battlefield 2142» versuchte sich an einem fantastisch-futuristischen Szenario, das generell zwar für seine Machart und Balance gelobt wurde, allerdings enttäuschende Verkaufszahlen erreichte. Es zeichnete sich ab, dass die «BF»-Fangemeinde im Grossen und Ganzen an allzu weit zurückliegenden oder vorausschauenden Szenarien nicht mehr viel Interesse hatte.

Dennoch wagten Hersteller DICE und Publisher EA nach dem enttäuschenden «BF: Hardline» einen Schritt, der so manche Augenbraue hochzog: Mit «Battlefield 1», das 2016 erschien, wollten sie «zu den Wurzeln der Serie» zurückkehren; allerdings musste diesmal der erste Weltkrieg als Schauplatz herhalten. Die Rückmeldungen waren grundsätzlich positiv. Auch der neue Operations-Modus verhalf dem Spiel zu hohen Wertungen. Von diesen angespornt, veröffentlichte EA 2018 «Battlefield V» und verwirrte mit der chaotischen Namenswahl wohl auch den letzten Marketing-Angestellten.

Auch gingen die Hersteller mit ihrer gut gemeinten Idee, dem wieder auf WW2 getrimmten Spiel ein paar fantastische Anstriche zu verleihen, wie bionische Körperprothesen, vielen Spielern zu weit. Wie es fürs Internet leider typisch ist, sorgte die Inklusion weiblicher Soldatinnen für einen riesigen Dudebro-Backlash unter dem Vorwand, dass sich DICE an die echte Geschichte hätte halten sollten (dass Frauen im zweiten Weltkrieg durchaus an Kampfhandlungen beteiligt waren, wurde halt aussen vor gelassen). Das Spiel verkaufte sich okay, dennoch waren EA nicht zufrieden.

Und so entschieden sie sich, beim nächsten BF-Titel den Leuten das zu geben, was sie zum Jubeln bringen soll. Wenn man den Trailern von «Battlefield 2042» Glauben schenken darf, haben sie verstanden, wie sie dies schaffen.

Und darüber sprechen wir im zweiten Teil dieses Artikels.

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Thomas "Strike"

Freelancer / Streamer

Thomas oder «Strike» streamt seit 2016 leidenschaftlich gern auf Twitch und schreibt ebenso gerne, nur schon viel länger. Als erfahrungsmässig und biologisch alter Hase im Gamingbusiness hat er einige Trends — ob langlebig oder nicht — miterlebt und plaudert hier in Form von Hintergrundberichten und Meinungsartikeln aus dem Nähkästchen. Zu finden ist er meistens in Multiplayer-Lobbies von irgendwelchen Online-Shootern. Ansonsten zockt er auch mal das eine oder andere Adventure- oder Storygame. Oder «Die Sims».

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