Carlos „ocelote“ Rodríguez tritt als G2-CEO zurück

Nach einer turbulenten Woche, gab G2-CEO Carlos Rodríguez am Freitagabend bekannt, dass er als CEO zurücktreten werde. Eine Einordnung.

Carlos „ocelote“ Rodríguez ist seit über 10 Jahren aktiv im globalen eSports unterwegs. Zuerst als League of Legends-Spieler, ab 2014 als Gründer und CEO von G2 Esports. In dieser Zeit konnte er sich als ambitionierte, energische und schillernde Persönlichkeit in der eSports-Szene positionieren, die immer wieder für Schlagzeilen sorgte – nicht nur für gute.

Mit G2 Esports erreichte viel: Rainbow Six war lange in fester Hand des besten Teams aller Zeiten, das League of Legends-Team gehört zur Weltspitze und auch in Valorant sind sie vor allem mit dem Frauenteam „G2 Gozen“ äusserst erfolgreich mit dabei.

Apropos Frauenteam: Erst gerade Anfangs September wurde „G2 HEL“ vorgestellt, ein rein weibliches LoL-Profiteam. Nach der Ankündigung wurde G2 mehrfach für Inklusion und Diversität gelobt. Entsprechend überraschend kam dann die Art und Weise, mit welcher CEO ocelote die Teilnahme an den LoL Worlds feierte.

Die Tate-Tat

Der ehemalige Kickboxer Andrew Tate gehört aktuell zu den meistdiskutierten Personen im breiten Internet. Durch seine TikTok-Videos verbreitete er frauenfeindliche Botschaften, die von seiner kultähnlichen Gefolgschaft aufgesogen und weiterverbreitet wurden. In seinen Videos versucht Tate einen „Alpha-Mann“ zu verkörpern, spricht damit auch ein entsprechendes Publikum an, das sich grösstenteils aus jungen, unsicheren und beeinflussbaren Männern zusammensetzt.

Inzwischen wurde Andrew Tate von allen grossen Social Media-Plattformen verbannt. Allem Anschein nach aber nicht aus Carlos Rodríguez Bekanntenkreis.

Am 17. September veröffentlichte Rodríguez ein Video auf Twitter, in dem zu sehen ist, wie er in einem rumänischen Club gemeinsam mit Andrew Tate feiert. Kurz nach der Veröffentlichung häuften sich negative Meldungen aus der Community auf sein Video, und die Tatsache, dass Rodríguez mit Tate verkehrt. Ocelote hielt es als Reaktion für angemessen, seiner besorgten Gefolgschaft mitzuteilen, dass niemand ihm vorschreiben könne, mit wem er befreundet zu sein hat und mit wem er Party macht.

Dass der G2-CEO mit einem offenen Frauenfeind feiert, widerspricht den Grundwerten, die G2 zu verkörpern versucht. Das jedenfalls teilte G2 am Folgetag in einer Nachricht an die Community mit:

Carlos wurde daraufhin für acht Wochen freigestellt, ohne Gehalt.

Imageschaden

Carlos Rodríguez an diesem Punkt zu unterstellen, die Ansichten von Tate zu teilen, wäre falsch. Das berichten auch mehrere Frauen aus seinem Umfeld, unter anderem seine Ex-Frau Rose „PricesS“ Sarite und Maya „Caltys“ Henckel, Spielerin bei G2 HEL.

Richtig ist jedoch, dass Rodríguez am 17. September so gehandelt hat, wie es für seine Position als G2-CEO nicht angemessen war. Er repräsentierte in dieser Zeit eine komplett gegensätzliche Position zu G2s Image und setzte mit seinen Aussagen nochmals nach, ohne sich selbst zu hinterfragen.

ocelote war in diesem Moment wieder sein cholerisches Spieler-Ich, nicht der erfolgreiche und inklusive Geschäftsmann.

Nach der Ankündigung von G2, dass Carlos freigestellt wird, machten sich in der Anhängerschaft Stimmen laut, dass es sich bei diesem Vorgehen um „Cancel Culture“ handle. Das einzige, was durch Rodríguez Taten jedoch gecancelled wurde, ist ein grosser Geschäftsteil von G2: Valorant.

Valorant Gone

Vergangenen Dienstag berichteten mehrere eSports-Reporter darüber, dass G2 kein Teil der neuen Valorant-Liga 2023 sein wird.

Diese wird mit einem Franchising-System funktionieren, Organisationen hatten in den letzten Monaten die Chance, sich dafür zu bewerben. Als eine der grössten Organisationen der Welt war G2 schon fast gesetzt. Dieser Ansicht waren auch viele G2-Angestellte, wie eSports-Journalist Jacob Wolf in seinem Newsletter schreibt. „Das Team war bereits dabei Land in Los Angeles für einen Sitz zu kaufen, führte Gespräche mit dem amerikanischen Team XSET, um dieses zu übernehmen, und stellte ein Support-Team zusammen“, berichtet Wolf.

Man habe sogar schon ein Interview mit ocelote an die Washington Post geschickt, damit dieses veröffentlicht werden kann, sobald G2 als Teil der Liga bestätigt wird.

Carlos Handlungen führten allerdings dazu, dass sich noch während der Valorant Champions Tour in Istanbul die führenden Valorant-Köpfe von Riot Games zusammensetzten, um über die Bewerbung von G2 zu sprechen.

Nach der Ankündigung der Valorant-Teams der Liga von Seiten Riot ist nun klar, wie man sich in diesem Gespräch entschieden hat: G2 Esports ist ein zu grosses Risiko für das Image der neuen Liga. Somit bricht ein grosser Geschäftsteil für G2 ein. Denn ausserhalb der offiziellen Liga, wird man mit Valorant nicht mehr viel Geld machen können.

Das Ende von G2 ocelote

Laut dem Finanzmagazin Forbes, hatte G2 Esports im Mai 2022 einen Wert von 340 Millionen Dollar. Zum Vergleich: 2020 schätzte Forbes G2 auf 175 Millionen Dollar. Dieser Wert muss nach den aktuellsten Geschehnissen nochmals überprüft werden.

Ziel von G2 als Firma ist es natürlich nicht nur Erfolge zu feiern und Trophäen abzustauben, sondern auch entsprechend Umsatz zu machen. Spieler und Staff wollen ihren Lohn, Sponsoren wollen ihre Marke gut vertreten sehen und Investoren wollen ebenfalls ihren Anteil.

Die Aktionen des CEO sorgten nun dafür, dass G2 nicht ins Partnerprogramm der wichtigsten Valorant-Liga aufgenommen wird. Da Riot Games ebenfalls für League of Legends verantwortlich ist, besteht zudem die Möglichkeit, dass Konsequenzen für die League of Legends-Abteilung gezogen werden, eines der wichtigsten Geschäftsfelder von G2.

Schlimmste Konsequenz wäre der Verlust des Ligaplatzes in der europäischen LoL-Liga. Diese Plätze werden auf etwa 30 Millionen Dollar Wert geschätzt.

Am Freitagnachmittag, 23. September, meldete sich ocelote wieder zu Wort. Dieses Mal jedoch als G2-CEO. In einem Twittervideo kündigte er an, dass er als CEO zurücktreten werde.

Vier Minuten später kam dann auch die offizielle Meldung von Firmenseite, dass man seine Kündigung erhalten und akzeptiert habe.

Mit Carlos „ocelote“ Rodríguez verliert G2 Esports ihren Gründer und langjährigen CEO. Mittlerweile ist die Organisation jedoch viel mehr als eine „ocelote“-One-Man-Show. Was Rodríguez hatte, war die Verantwortung für alle Angestellten und Spieler seiner Firma. Am 17. September war er sich dieser Verantwortung nicht bewusst und entschied sich dafür, ein Video mit einer sehr kontroversen Figur zu veröffentlichen.

Dies ist hier wichtig zu unterstreichen: Rodríguez entschied sich aktiv dazu, dieses Video zu teilen, wohlwissentlich, welche Konsequenzen das haben kann.

Die Zeit von G2 ocelote ist nun vorbei, seine Legende bleibt erhalten. Das Ende von G2 ocelote hätte Carlos Rodríguez aber besser schreiben können.

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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