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eSports in China wird von der Regierung behindert

China verabschiedet sich vom eSports-Nachwuchs

In China dürfen Jugendliche nur noch drei Stunden pro Woche online spielen. Damit behindern sie die eSports-Nation China.

Gerade jetzt, als das Image von „China-Spielen“ sich derart drastisch ins Gute verbessern, gerade jetzt, wo Tencent bei den wichtigsten Gaming- und eSports-Titeln die Finger im Spiel hat und gerade jetzt, wo China zu den besten eSports-Nationen der Welt gehört.

Ja, gerade jetzt schiebt die chinesische Regierung der künftigen Entwicklung der Gaming- und eSports-Nation einen derart grossen Riegel vor: Künftig ist es in China Jugendlichen unter 18 Jahren nicht mehr gestattet, mehr als drei Stunden pro Woche zu gamen.

Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, müssen sich Anbieter von Online-Games dazu verpflichten, ihre Dienste für Jugendliche nur noch Freitags bis Sonntags jeweils von 20.00 Uhr bis 21.00 Uhr freizuschalten. An chinesischen Feiertagen gibt es eine Stunde Spielzeit extra. As a treat.

Mit diesen neuen Auflagen will China Suchtprävention betreiben, so dass junge Chines:innen nicht abhängig werden von Online-Spielen. Um sich ausserhalb der festgelegten Zeiten einzuloggen, muss via Gesichtserkennung bestätigt werden, dass man bereits volljährig ist.

eSports-Training unmöglich

Mit diesen Einschränkungen wird es für angehende eSports-Profis schwierig, sich in ihren Games zurechtzufinden. Drei Stunden pro Woche reichen nicht, sich intensiv mit den Games auseinanderzusetzen, Taktiken zu finden und als Team zu trainieren. Damit sorgt die chinesische Regierung also für ein grosses Handicap bei den eigenen Athlet:innen.

Chinesische Teams spielten bis anhin zum Beispiel in League of Legends immer weit oben mit. Spieler wie Jian „Uzi“ Zi-Hao haben Legendenstatus erreicht und prägten das Spiel wie nur wenige andere.

Uzi begann seine Profikarriere 2012 beim chinesischen Team „Royal Club“, im Alter von 15 Jahren. Danach blieb er bis vor kurzem aktiv und gehört international zu den einflussreichsten LoL-Spielern. Dafür hat Zi-Hao jahrelang trainiert und sich stetig verbessert. Meist mehr als drei Stunden pro Woche.

Ja, selbst die Teilnahme an Turnieren selbst wird damit unmöglich gemacht. Aufwärmen? Fällt weg. Trainingsmatches? Unmöglich.

Das Turnier selbst? Bleibt zu hoffen, dass die jungen Spieler die Matches so schnell wie möglich beenden, nicht dass sie mitten im Finale von der Sperre aus dem Spiel gekickt werden.

Unter der neuen Regelung hätte es Uzi wahrscheinlich nie gegeben.

Grosse Wünsche, strenge Auflagen

In Sachen eSports wird es nun ziemlich paradox, denn China bemüht sich sehr, einen starken Stand im eSports-Kosmos zu haben.

Bleiben wir bei League of Legends: Dieses Jahr hätten bereits die dritten Weltmeisterschaften auf chinesischem Boden ausgetragen werden sollen. Aufgrund von Visa-Probleme europäischer und amerikanischer Spieler und Produktionsmitarbeitenden, wurden diese nun jedoch nach Europa verschoben – Berichten zufolge nach Island.

Auf der anderen Seite sehen wir nun einschneidende Massnahmen, welche die Nachwuchsentwicklung der eSports-Nation China behindert.

Die neue Regelung ist auch nicht der erste Schritt. Schon 2019 haben Tencent-Games eine neue Sperre für junge Spieler eingeführt, die ihnen das Gamen zwischen 22.00 und 8.00 Uhr unmöglich macht. Das, nachdem die Regierung mit einem neuen Jugendschutzgesetz Druck auf die Tech-Konzerne machte.

Solche Massnahmen funktionieren in China übrigens nur, da man sich mit Realnamen registrieren muss, um auf die Online-Angebote überhaupt zugreifen zu können.

In der Schweiz unmöglich?

Zurzeit wird im Schweizer Nationalrat über ein neues Jugendschutzgesetz diskutiert, welches Kinder und Jugendliche vor Darstellungen von Gewalt, Sexualität und bedrohlichen Szenen zu schützen. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist der Umstand, dass die Jugendschutzregulierung zurzeit noch auf kantonaler Ebene erfolgt. Dafür soll es nun eine Grundlage auf Bundesebene geben.

Künftig soll beim Verkauf und Verleih von Games und Filmen ab 16 Jahren schweizweit stärker kontrolliert werden. Wer sich als Händler nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen. Auch internationale Anbieter wie Steam, Youtube und Twitch sollen in die Pflicht genommen werden.

Heisst das also, dass bei uns ein ähnlich strenges Jugendschutzgesetz kommen könnte, wie wir das nun in China sehen? Nein, das ist doch sehr unwahrscheinlich. Zudem bleibt die pädagogische Verantwortung, welche Inhalte zu welcher Zeit und in welchem Ausmass von den Minderjährigen konsumiert werden weiterhin bei den Eltern/dem gesetzlichen Vormund.

Diese Verantwortung überlässt der Staat China künftig nicht mehr den Eltern, sondern nimmt die Zügel ein weiteres Mal stärker in die Hand. Damit verbauen sie nicht nur unzähligen potentiellen eSports-Athlet:innen die Zukunft, sondern könnten auch der eigenen Gaming- und eSports-Industrie insgesamt schaden.

Nathan Leuenberger

Projektleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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