CS:GO Dreamhack 2020

CS:GO und die Zukunft – Ordnung oder Turnier-Chaos?

Im CS:GO-Dschungel verlieren die Zuschauer schnell den Überblick, welche Turniere wichtig sind. Braucht es endlich ein System, das Ordnung ins Ganze bringt? Sponsoren würde es freuen.

«Terrorists win!» So ziemlich Jeder hat diesen Soundbite schon mal gehört. Sei es in Youtube Videos oder Twitch Streams, Übertragungen von Major Tournaments oder wenn man selbst eine Runde auf T-Side gewinnt. Das in 2012 veröffentlichte Counter Strike: Global Offensive ist in 2019 immer noch eines der erfolgreichsten Spiele im eSport. Das IEM Event in Katowice zum Beispiel hatte eine Peak Viewership von 1’205’103 und ein Viewer Average von  393’545. Zum Vergleich die Overwatch League Playoffs in 2019 hatten einen Peak von 318’019.

CS:GO unterscheidet sich von anderen Major eSports vor allem durch die Abwesenheit einer Regular Season. Wer an ein Major Event will, muss sich dafür qualifizieren und sich durch Qualifier Tournaments kämpfen. Teilnehmen kann oftmals jeder, was hin und wieder zu unglaublichen Storylines führt. Es kann argumentiert werden, dass das schiere Volumen an Tournaments ein Nachteil ist und Teams zwingt, sich zwischen Events zu entscheiden und gewisse Majors auszulasen um ihre Spieler auszuruhen.

Die Sponsorenfrage

Ein Argument, dass Tournament Organizer ESL offenbar sehr beschäftigt, denn sie haben im September die ESL Pro Tour angekündigt. In Zusammenarbeit mit Dreamhack werden sie einen Tournament Circuit halten, der auf 3 Tiers basiert, wobei jedes Tier als Qualifier für das nächsthöhere agiert. Das höchste Tier besteht aus 2 Events, das IEM in Katowice und ESL One Cologne, ähnlich wie die MSI und Worlds in League of Legends.

Teams sammeln in Challenger Events Punkte, um sich für Master Events zu qualifizieren. In diesen Master Events sammeln sie Punkte um in Katowice oder Köln um den Champion Titel zu spielen. Simpel. Oder vielleicht nicht ganz so simpel.

Exklusivitätschaos

Da Turnierorganisator «Blast» bereits ein ähnliches System am Laufen hat und auf indirekte Weise Teams davon abhält an anderen Events teilzunehmen, gibt es Gerüchte, dass die ESL Pro Tour «Exclusivity Restrictions» haben wird. Das hat dann wiederum zu einem Statement von Valve geführt, in welchem sie ankündigen, dass Turniere die Teams davon abhalten an anderen Wettbewerben teilzunehmen, keine Lizenz von Ihnen bekommen. Ihre Begründung ist, dass ein solches System das momentane Ökosystem in CS:GO gefährdet. Falls ein solches Event nicht erfolgreich wäre, gäbe es keine Optionen mehr für andere Teams und es würde kleinere Turnierorganisatoren komplett ausschliessen.

Die Frage stellt sich nun, ist das noch sinnvoll, in einer Zeit in der die meisten Major eSports, wie League und Overwatch in Ligen spielen, die mehr der NBA ähneln? Wenn man sich Zuschauerzahlen anschaut, scheint das momentane System absolut in Ordnung. Jedoch sind Viewership Zahlen nicht das Einzige, das zählt, vor allem wenn es darum geht Sponsoren zu finden – und Sponsoren bedeuten wiederum, dass man seine Spieler und Mitarbeiter zahlen kann. In der CS:GO-Szene sind Sponsoren um einiges schwieriger zu finden, da im momentanen System keine Sicherheit besteht, dass das Team welches man sponsert nicht einfach im nächsten Turnier untergeht. Darum sind Sponsoren viel vorsichtiger in ihrem Selektionsprozess und schliessen kurzfristigere und kleinere Deals. Das wiederum macht CS:GO als eSport weniger attraktiv für Spieler, da nicht wirklich eine finanzielle Sicherheit besteht auf höchstem Niveau.

Was heisst all das nun für CS:GO in der Zukunft?

Es ist sehr schwer zu sagen. Fürs erste werden wahrscheinlich die ESL Pro Tour und die Blast Pro Series ohne Exclusivity Deals stattfinden. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass Valve in der Zukunft ihr Statement zurückziehen oder zumindest anpassen wird. Es ist schlicht und einfach attraktiver für Sponsoren in einem System, wie es ESL und Blast es gerne hätten. Und nur mit Sponsoren wird der eSport wachsen können. Denn wie so oft gilt: C.R.E.A.M (Cash Rules Everything Around Me).

Ist das schlecht? Nein, überhaupt nicht, man muss sich nur den Erfolg anderer Spiele anschauen, die bereits ein ähnliches System verfolgen. League of Legends und Overwatch füllen Stadien, brechen Rekorde auf Twitch und bieten den Spielern, die es bis ganz nach oben geschafft haben, ein gewisses Mass an Sicherheit. Ein solches System, oder zumindest etwas ähnliches, könnte der korrekte Weg in die Zukunft sein. Denn die besten Plays passieren, wenn sich die Spieler voll aufs Spiel konzentrieren können, ohne sich Sorgen um Rechnungen machen zu müssen. Und das wollen wir ja sehen.

 

mm

Jeremy "CinderellaMan" Ruffier des Aimes

Kolumnist

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