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Tekken World Tour 2020

Die Fighting Games Community und Corona

Während andere Spiele sich online arrangieren können, wird das bei Fighting Games schwieriger. Wieso Online-Turniere bei Games wie Tekken nicht funktionieren, erfährst du hier.

Ein Virus der Corona-Familie, der von China aus die Welt lahmgelegt hat. Um die extrem hohe Infektionsrate einzudämmen stehen viele Länder unter Quarantäne und Konzerte, Conventions und Sport-Events wurden weltweit abgesagt. eSport war bis vor kurzem keine Ausnahme. Jedoch wurden mittlerweile Vorkehrungen getroffen, um mit den regionalen Ligen in Spielen wie League of Legends und Rainbow Six Siege online fortzufahren.

Die Fighting Games Community, und somit die Tekken World Tour, hat jedoch keine solche Option. FGC Events sind alle ohne Ausnahme offline.

Warum ist das so? Die kurze Antwort ist Lag.

Wenn man sich in irgendeinem Spiel mit einer Online-Lobby verbindet, wird die Geschwindigkeit dieser Verbindung getestet und als Ping (ein Ping zeigt an, wie lange ein Datenpaket braucht, um vom PC zum Server und wieder zurück zu kommen. Die Zahl, die dann da steht, sind die Anzahl Millisekunden die der Trip dauert) angezeigt. Dieser Wert gibt uns dann an, wie lange es geht bis die Server in z.B League unsere Blitzcrank-Hook registriert und ausführt. Mit einem Ping von 300 müsste man dann die Q-Taste 0,3 Sekunden im Voraus drücken (Als Referrenz: ein normaler Ping, beträgt 20-30). Dieser Wert kann von vielen Sachen beeinflusst werden. Wie zum Beispiel: Distanz zum Server, Internet-Anschluss, Hintergrundprozesse und vieles mehr. Mit einer W-Lan Verbindung wird der Ping sogar noch heikler.

Die vorhin gestellte Frage habe ich damit aber immer noch nicht beantwortet, darum kommt hier jetzt der Abschnitt über Frames. Keine Angst am Schluss wird es Sinn machen.

Eine gute Faustregel für den FPS (Frames Per Second) Wert ist: je mehr desto besser. Der Grund dafür ist simpel: mehr Frames bedeuten mehr Info und mehr Zeit zu reagieren, da man schlicht mehr sieht. Wenn man z.B Profispieler Shroud’s Videos auf Youtube schaut, sieht man oft gar nicht auf was er eigentlich schiesst. Das liegt daran, dass Youtube-Videos auf 60FPS laufen, Shroud aber mit 240FPS spielt und er in diesen zusätzlichen Frames die Gegner sieht.

Fighting Games sind da jedoch ein wenig anders und fast alle Spiele in diesem Genre laufen mit 60FPS.

Das liegt daran, dass in Fighting Games die Dauer von Moves nicht in Sekunden gemessen wird, sondern in Frames. In der FGC hört man immer wieder das Wort “Framedata”. Damit meint man Dauer von Moves in Frames. Dieses Wissen ist wichtig, damit man weiss, wann ein guter Zeitpunkt für einen Gegenangriff ist oder welche Moves den Gegner für einen Moment wehrlos lassen. Das führt dazu, dass Spiele wie Tekken auf hohem Niveau fast schon rundenbasiert sind. Ein weiterer Nebeneffekt von diesem System ist, dass eine unglaubliche Reaktionsgeschwindigkeit gefragt ist, um korrekt auf den Gegner reagieren zu können. Ein Frame sind ca. 16.67ms, das heisst dass man für einen Move der 14 Frames braucht bis er ankommt, nur 0,23 Sekunden Zeit hat, um den Move zu erkennen und korrekt zu reagieren. Zum Vergleich die durschnittliche menschliche Reaktionszeit sind 0,25 Sekunden (jedoch nur pure Reaktion, nicht komplexe Aktionen wie erkennen und korrekt reagieren).

Diese 2 Faktoren, Ping und die extrem knappen Timings in Fighting Games, bedeuten dass Online Play für die FGC nicht wirklich eine Option ist.

Jeder Versuch führt zu Input-Lag wegen dem Ping und Input-Lag bedeutet, dass viele Spieler nicht performen können, da all ihre jahrelang trainierten Reflexe und Muskel-Gedächtnis nicht mehr brauchbar sind, da das Timing nicht stimmt. Die sehr internationale Natur der FGC hilft auch nicht wirklich, da viele Matches aufgrund der Distanz locker mehr als 300 Ping hätten.
Hinzu kämen dann noch weitere logistische Probleme wie Matchüberwachung. In der LEC ist das kein Problem, da alle Teams in Europa sind und pro Team nur ein Official benötigt wird. Für ein FGC Event würden jedoch hunderte solche Officials benötigt, weltweit verteilt, um sicherzustellen dass keine illegalen Controller oder ähnliches verwendet werden.

Was kann man jetzt also tun als Fighting Game Spieler? Nun, die meisten Spiele heutzutage haben einen Online Mode, meistens sogar einen Turnier Modus. Die Schweizer Smash Community zum Beispiel nutzt diesen und Spieler wie DangerNoodle von ArcticGaming und Crash von BabosGaming organisieren Online Turniere für die Community. Alternativ kann man auch mal was Neues ausprobieren z.B ein MOBA oder FPS. Oder wie ich endlich meinen Backlog an ungespielten Games aufarbeiten.

Vorallem braucht die FGC aber Geduld im Moment. Wenn das Ganze dann vorbei ist, wird der Hype jedoch umso besser sein.

 

mm

Jeremy "CinderellaMan" Ruffier des Aimes

Kolumnist

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