Die Ups and Downs der Copenhagen Games

Seit kurzem kämpft die Schweiz in internationalen CS:GO Female Ligen mit. Die fünf Frauen der eParadise Angels sind in der Szene zwar bekannte Gesichter, an den Copenhagen Games treten sie aber das erste Mal mit dem neuen Line-Up unter der Schweizer Flagge an. Ich habe sie auf ihrem Weg bis ins Halbfinale begleitet.

Tag zwei der Copenhagen Games ist angebrochen. Den jungen Frauen des Schweizer CS:GO Teams eParadise Angels kribbelt es in den Fingerspitzen. Gerne würden sie die Zeit mit Gamen überbrücken. Aber sie dürfen nicht. Obwohl im Athletenbereich gut und gerne  20 PCs ungenutzt rumstehen. Der Grund liegt in den strikten Regeln: Nur an den Gamedays dürfen die Teams üben und auch nur an den dafür vorgesehenen Rechnern.

Kein Problem; sie kommen aus einem fünftägigen Bootcamp und fühlen sich gut vorbereitet. Trotzdem: Nichtstun kommt nicht in Frage. Die Angels sind ehrgeizig und haben ein klares Ziel: Habfinale oder mehr. Marion, der Teamcaptain, ist sich sicher, dass das möglich ist. Sie kennt nicht nur die Schwächen und Stärken ihres eigenen Teams, sondern weiss auch viel über ihre Gegner. Team Dignitas, Singularity und die chinesische Organisation TyLoo sind mit female Teams vertreten. Team RES gilt als Favorit.

Dies ist keine Übung!

Ihr erstes Spiel der Gruppenphase startet am Freitagmorgen  um zehn Uhr. Sie schlagen Ihre Gegner Unknown Aces mit einem vernichtenden 16-0, 16-1. Ähnlich deutlich setzt sich die Truppe gegen Ambush Female eSports (16-2, 16-8) durch. Als Gruppenerste ziehen die Angels in das Achtelfinale ein.

Kurz vor acht Uhr schrecken die Frauen auf. Sie müssen den Platz wechseln. Ein Admin erklärt mir, dass es für sie einfacher ist, wenn sich die Teams, die jeweils gegeneinander antreten, gegenüber sitzen. Ob das auch spielerfreundlich ist, sei dahingestellt. Second Fragger Julie muss ihr Übungsmatch abbrechen und ist für drei Stunden gesperrt. Das Spiel gegen MASY aus Österreich startet erst um 21 Uhr. Trotz harzigem Verlauf setzen sich die eParadise Angels durch und ziehen ins Viertelfinale ein.

Die Taktiken fürs Weitere

Nach einer kurzen Nacht sitzen die fünf Frauen um halb neun wieder an ihren Plätzen. Seit dem Frühstück gibt es nur ein Thema: Taktiken. Marion hat die ganze Nacht überlegt, welche Maps sie picken und bannen soll. Sie will Cache – sie kriegt Cache. Und obwohl sie zuerst 0-8 hinten liegen, bleiben sie ruhig. Cristina, eine Spielerin des Teams WASDWASDwtfcantmove, das am Abend zuvor gegen ARES mit 1:2 verloren hat, kennt Marion und Co seit Jahren. Sie ist positiv gestimmt, dass sie das Ruder noch herumreissen können, sieht aber auch, dass sie für diesen Gegner, der immer die gleichen Züge macht, zu ausgeklügelte und komplizierte Taktiken einschlagen. Die Angels schlagen ARES mit einem ultraknappen 16-14. Auch die zweite Map, Cobblestone, können sie mit 16-14 für sich entscheiden.

Währenddessen macht sich ein weiteres Team bemerkbar: CLG Red schlägt Team Dignitas vernichtend und mausert sich zum heimlichen Favoriten des Turniers. Auch Singularity FE zieht mit einer überzeugenden Leistung in das Halbfinale ein. Die Favoriten RES schlagen TyLoo und treffen im ersten Halbfinale gegen die eParadise Angels.

David vs Goliath

Während des Games wird schnell klar: RES Gaming hat das Newcomer Team eParadise Angels deutlich unterschätzt. Die Angels gewinnen das erste Game auf Train mit 16-10 und schicken das Favoritenteam zerknirscht in die Pause. Trotz fehlenden Trainingsstunden läuft auch die zweite Map Inferno gut für die Angels. Dennoch verlieren sie mit 12-16.

Die Stimmung in der Halle hat sich mittlerweile geändert. Jeder hat mit zwei schnellen Runden zu Gunsten von RES Gaming gerechnet. . Umso überraschter sind die Kommentatoren über die starke Performance des neuen Teams.

Unglücklicherweise passieren den eParadise Angels im dritten Game auf Cache einige Fehler. Sie versuchen, das Spiel noch herumzureissen, scheitern aber doch an ihrer Nervosität und der Anspannung. Sie verlieren deutlich mit 4-16 und scheiden im Halbfinale aus dem Turnier aus.

Doch  Team RES Gaming ist angeschlagen. Es verliert die erste Finalrunde gegen  Singularity FE auf Inferno gleich mit 3-16, auch die zweite Runde läuft trotz taktischer Pause nicht gut. Team RES Gaming  gewinnt auf seiner Map Mirage nur knapp mit 16-14. Nach über zwei Stunden Gamingzeit endet das spannende Finale dank einem soliden Spiel von Singularity FE mit einem 16-10 auf Cache. Singularity FE gewinnt das CS:GO Ladies Turnier 2018 und 15’000$ Preisgeld.

Und, wie wars?

Marion ist zwar verärgert, dass nicht sie es waren, die RES Gaming schlagen konnten, ist aber zufrieden mit ihrer Leistung. In nur wenigen Tagen haben sie sich an einem der weltweit grössten CS:GO Ladies Turnieren einen Namen gemacht. Alen, ihr Manager, hat bereits Pläne. Er möchte auch ein Schweizer Female Line-Up aufbauen, das in der ersten Liga mitmischen kann. Das Line-Up mit Marion, Meyssa, Julie, Ana und Terri soll sich derweil international einen Namen machen.

Doch wer sind die päzise schiessenden Frauen? Ich habe mit dem ganzen Team und ihrem Manager gesprochen:

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Stefanie Holenweg

Moderatorin & Social Media Managerin

Als Stefanie Holenweg zu ihrem 10. Geburtstag eine N64 mit dem Spiel Zelda – Ocarina of Time geschenkt bekam, besiegelte dies ihr Schicksal in der Welt des Gaming. Ihre beiden Leidenschaften, Bloggen und Zocken vereint sie nun seit Anfang 2017 in ihrem Job als Moderatorin bei esports.ch.

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