Edelweiss und SIR nehmen den Hut – Schweizer eSport am Scheideweg

Team SIR gehörte lange zu den gern gesehenen Teilnehmern im Schweizer eSports-Zirkus. Nun verabschieden sie sich aus der Manege, genauso wie Edelweiss Esports.

Einmal mehr schrumpft die Schweizer Szene um zwei Namen, die oft und gerne an Schweizer Events und Turnieren gesehen wurden. Die Swiss Incredible Rebels waren in verschiedensten Spielen aktiv. Von Rocket League bis Rainbow Six, Overwatch bis Super Smash Bros. – Team SIR war mit dabei. Nun kündigten sie Anfang Juni an, dass sie sie sich nicht mehr kompetitiv betätigen werden.

Nur wenige Tage zuvor gab es ähnliches aus dem Lager von Edelweiss Esports zu vermelden. Sie waren vor allem in Rocket League ziemlich erfolgreich unterwegs, gehörten zeitweise zu den besten Teams der Schweiz. In einer Nachricht an die Community teilen sie mit, dass die Gründer sich anderen Projekten zuwenden würden und man die Arbeit ohne sie nicht mehr stemmen könne.

Bei den Swiss Incredible Rebels sind die Gründe ein wenig diverser. Wenn auch nicht unbekannt.

Das liebe Geld.

Auf Anfrage gibt SIR-Präsidentin Julie „Nousagi“ Dao Antworten, wieso SIR jetzt keine Teams mehr stellen wird. Daraus lässt sich herausspüren, dass vor allem monetäre Probleme ausschlaggebend waren. Nicht, weil für den Betrieb an und für sich zu viel Geld nötig gewesen wäre, sondern die Ansprüche der Spieler und Teams waren unter anderem zu hoch.

„Sie haben aufgehört nur aus Spass zu spielen und wollten, dass wir Geld investieren, weil das einige andere Orgas machen, die einen Sponsor haben können.“ Man habe sich auch regelmässig daran gemacht, Sponsoren zu akquirieren, jedoch blieben diese Unterfangen leider meist beim Versuch. „Der Druck stieg somit, dass wenn wir keinen Sponsor finden, entweder Spieler uns verlassen oder gar keine Teams uns beitreten möchten.“

Dazu kam, dass Spieler und Teams dann bessere Angebote von anderen, grösseren Organisationen erhielten. Für eine kleinere Organisation, wie sie SIR es ist, war es entsprechend schwierig, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Freie Marktwirtschaft eben.

Dieser Druck ist in der ganzen Schweizer eSports-Community spürbar. Junge Spieler betätigen sich oft nicht mehr nur aufgrund der kompetitiven Herausforderung und Spass an der Sache… aber haben wir das nicht schonmal geschrieben?

Ja, und was nun?

Nennen wir das Kind beim Namen: Junge eSport-Athleten sind verwöhnt.

Wer vor gut einem Jahrzehnt damit begann, sich kompetitiv zu engagieren, tat das ohne vielen Hintergedanken. Man wollte zu den besten Spielern gehören, unabhängig davon, was finanziell dabei rausspringt.

Nun versuchen sich Publisher und eSports-Organisatoren mit immer höheren Preisgeldern, Riesen Brandings und bombastischeren Events zu übertrumpfen. Die Schweiz kann da nicht immer mithalten.

Die Swiss Esports League hat schon länger kein grosses Offline-Event mehr durchführen können und selbst die Swisscom Hero League musste in den letzten Jahren immer wieder mal einen Gang zurückschalten. Klar, da war ja noch diese Pandemie, die viele Events unmöglich machten. Trotzdem schien nur die Produktion der TCS Esports League weiter voran zu schreiten. Und diese bietet bei weitem nicht ein grosses Preisgeld, kann jedoch in anderen Bereichen überzeugen.

Die Wurzeln!

Für viele Schausteller des Schweizer eSports geht es in den nächsten Monaten jetzt zuerst Mal zurück ans Zeichenbrett. Wer ist man? Wer möchte man sein? Was will man erreichen? Und wie soll man dahin kommen? Das gilt für Spieler, Teams, Organisationen und Events gleichermassen.

Die Swiss Incredible Rebels haben sich dafür entschieden, als Community-Organisation weiterzumachen. Sie werden nicht aktiv neue Teams und Spieler anwerben, sondern offene Türen haben für alle, die gerne dabei sein wollen. Teil einer Gemeinschaft sein, ohne Verpflichtungen von beiden Seiten. So, wie viele Organisationen ihren Ursprung haben.

Empfehlenswert wäre dieser Approach dann wohl auch vielen anderen Organisationen, die sich zurzeit durch irgendwelche Finanzpläne kämpfen, ohne Spass daran zu haben. Denn dieser sollte für einen Grossteil der Athleten und Teams des Schweizer eSports an erster Stelle stehen.

Die meisten von ihnen werden wohl nie eine grosse Bühne sehen und trotzdem eine Menge gute Erinnerungen an ihre kompetitive Zeit haben. So soll es auch sein.

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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