Eintracht Spandau: Jetzt sind auch Nerds Ultras

Das League of Legends-Team des deutschen Youtubers Maximilian „HandOfBlood“ Knabe ist ein Phänomen. Bereits im zweiten Split haben sie eine einmalige Fankultur geschaffen.

Klar, die grossen eSports-Teams der Welt wie G2, Fnatic oder Liquid haben Fans. Aber treffen sich diese Fans auch wöchentlich in einer Stammkneipe, um die Spiele des Teams zu verfolgen? Gibt es da eine echte Fankultur?

Als das eSports-Projekt „Eintracht Spandau“ der Agenturen Instinct3 und Jung von Matt Nerd startete, war die Mission klar: Man will sportlichen Erfolg, aber vor allem auch eine starke Community.

Nach einem ersten Split, der sowohl sportlich, wie auch medial fantastisch vonstatten ging, ist Eintracht Spandau ein einzigartiges Phänomen in der eSports-Welt.

Innert kürzester Zeit entstanden verschiedene Fangruppierungen, welche die Eintracht voller Elan anfeuern und begleiten. Zentrum der Geschichte: Die Stammkneipe, der Spandauer Bock.

Offline statt Twitch-Stream

Auch klar ist, dass eSports vor allem eine digitale Geschichte ist. Entsprechend verfolgt ein Grossteil der Fans die Spiele von Eintracht Spandau über das Internet, in den eigenen vier Wänden. Eine wachsende Fangemeinde, die in Berlin oder Spandau selbst wohnt, trifft sich inzwischen jedoch regelmässig in der Traditionskneipe „Spandauer Bock“.

Diese wurde schon von Beginn an als Herzstück der Eintracht Spandau-Geschichte definiert. Hier treffen sich die „jahrelangen Fans des Traditionsklubs“, um die Spiele ihres Lieblingsvereins zu verfolgen.

Spielt Spandau dann gegen den Stadtrivalen Berlin International Gaming (BIG) im Derby, ist der Bock besonders gut gefüllt:

Auch wenn die Fangemeinde von Beginn an Teil des Konzepts der beiden Agenturen hinter Eintracht Spandau war, etablierte sich eine Eigendynamik, die so wohl nicht vorhersehbar war. Es ist nicht mehr überschaubar, wie viele Eintracht-Fanclubs tatsächlich existieren.

Das zeigt: eSports-Fans wollen auch einfach nur Fans sein. Ihre Spieler anfeuern, sich mit ihrem Club identifizieren, Erfolge feiern und Niederlagen ertragen.

Dies wird vor allem dadurch vereinfacht, dass Eintracht Spandau sich klar auf ein Game und eine Region fokussiert, und Anhänger nicht jegliche Resultate aus unzähligen Regionen verfolgen müssen, wie das bei den meisten eSports-Organisationen der Fall ist. Die Eintracht verlangt von Fans dieselbe Aufmerksamkeit, wie traditionelle Sportvereine, von denen schon ihre Eltern Fan waren.

In der Einfachheit liegt die Genialität

Diese einzigartige Dynamik in der eSports-Welt kann auch nicht vom Stadtrivalen BIG kopiert werden, der schon viel länger im eSports-Business dabei ist. Obwohl Maximilian „Präsident Hänno“ Knabe die BIG-Akteure regelmässig in Storytelling-Stränge einbaut, ist die Wirkung eine ganz andere.

BIG als grosse Organisation mit verschiedensten Teams und Games muss entsprechend viele Schauplätze abdecken und begleiten, so dass das League of Legends-Team nie den gleichen Support erhalten wird, wie die Spandauer Jungs.

Spandau-Fans konnten ihre Spieler im Verlauf des letzten Splits kennenlernen und bauten so eine Beziehung zu ihnen auf. Dass das komplette Roster auch im Summer-Split wieder mit dabei ist, ist essentiell für den Erfolg in der Community. Dass es bei der guten sportlichen Leistung auch regelmässig was zu feiern gibt, macht das Fansein noch einfacher.

Momentan gehört Spandau zu den Spitzenteams der Prime League, das Derby gegen BIG hat man leider verloren. Der Summer Split dauert noch bis Ende Juli.

Das macht Bock

Während sich eSports-Organisationen darum sorgen möglichst jedes aktuelle Spiel mit einem Team abdecken zu können, bleibt Eintracht Spandau bei dem, was man kennt. Mit Erfolg.

Nach knapp sieben Monaten Bestehen hat die Eintracht bereits fünf Sponsoren aus unterschiedlichsten Sektoren, eine grosse, treue und laute Fangemeinde, einzigartige Unterhaltung, die über das Summoners Rift hinausgeht und eine sehr rosige Zukunft vor sich.

Von diesem Konzept kann sich so manch ein Schweizer eSports-Verein eine Scheibe abschneiden. Eintracht Spandau macht etwas und das richtig: Sie sind ein moderner Sportverein, mit allem was dazugehört.

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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