eSport Events während der Pandemie – Fluch oder Segen?

Im Frühling 2020 unternehmen die meisten Länder erste Schritte, um die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen. Die Entertainment-Industrie in der ganzen Welt muss umdenken, grosse Events sind plötzlich nicht mehr erlaubt. Auch die eSport-Welt wird mit diesem Problem konfrontiert.

Die Zuschauerzahlen in 2020 haben gezeigt, dass die meisten eSport-Titel kein grosses Problem mit der Umschaltung zu Online-only haben. Nur die Dota 2 eSport-Szene verliert in diesem Jahr der Veränderung Zuschauer, CS:GO und League of Legends wachsen – trotz widrigen Bedingungen.

Und was ist in 2021 passiert?

Nachdem das erste Jahr mit kurzfristigen Lösungen mehr oder weniger schmerzfrei überstanden wurde, folgt nun die nächste Challenge: Ein weiteres Jahr ohne Offline-Events. Die Eventorganisatoren befanden sich in einer ähnlichen aber nicht ganz gleichen Situation.

Denn nun konnten sie schon von Beginn an mit Online-only oder Hybrid-Events planen, ohne alles über den Haufen zu werfen. Für den Direktvergleich bedienen wir uns denselben drei Spielen wie in der oben gezeigten Statistik und wollen herausfinden, wie sich das zweite Jahr Pandemie auf die grössten Events in League of Legends, CS:GO und Dota 2 ausgewirkt hat. 

League of Legends Worlds 2021, der Gigant

Die elfte League of Legends-Weltmeisterschaft fand in Island statt – für die Spieler zumindest. Die Zuschauer mussten zuhause bleiben. Der Event wurde kurzfristig aus China umverlegt. Grund dafür war, dass man zu Beginn noch mit einem grösseren Offline-Event rechnete, was die Pandemie allerdings nicht erlaubte. Die Unterschiede in der Corona-Taktik verschiedener Nationen sorgte dafür, dass es sowohl bei Spielern, wie auch bei Mitarbeitern des Events zu Visa-Schwierigkeiten kam. 

Kurzfristig änderte man den Schauplatz der Worlds 2021 von China nach Island, wo schon ein paar Monate zuvor ein Valorant Major durchgeführt wurde.

Trotz diesen Umständen liefert der Event neue Zuschauerrekorde und bringt League of Legends auf Platz 1 in der Kategorie “Most Popular Game by Peak Viewers” auf Twitch. 

Wichtig: Die unten eingeblendete Statistik setzt sich nur aus Youtube- und Twitch-Zuschauer zusammen. Die League of Legends Worlds wurden aber auch auf anderen Plattformen gestreamt, die zum Beispiel in China und Südkorea viel stärker zum Einsatz kommen.

Die Worlds 2021 knacken eine magische Zahl, die kein Konsolen/PC eSport bisher jemals knacken konnte: Über vier Millionen Zuschauer gleichzeitig. Nur ein eSport-Event hatte mehr Viewer: Das Mobile Game Free Fire hatte bei den Free Fire World Series 2021 5.4 Millionen Zuschauer gleichzeitig.

Auch die durchschnittliche Zuschauerzahl, eine sehr wichtige Kennzahl, hat sich gegenüber 2020 um 16.5% (180’000 Zuschauer) verbessert.

Von Seiten Riot Games wurden sogar noch grössere Zahlen kommuniziert, die China mit einberechnen sollen. Laut dem Entwickler schauten über 73 Millionen (!) Zuschauer gleichzeitig das Finale zwischen Damwong KIA und EDward Gaming. Dabei wird auch die massive Anzahl chinesischer Zuschauer miteinberechnet. Das wiederum ist eine Steigerung von satten 60% gegenüber letztem Jahr. 

CS:GO: PGL Major Stockholm, die Leute haben Hunger

Zwei lange Jahre musste die CS:GO Szene auf einen Major warten. Die Leute waren hungrig, das zeigen die Zuschauerzahlen. Der PGL Major in Stockholm egalisiert einen vier Jahre alten Zuschauerrekord. Im Finale schauen über 2.74 Millionen Menschen zu. Das übertrifft den alten Rekord von 1.33 Millionen um mehr als 50%.

Um euch klar zu machen, wie unglaublich gut diese Zahlen sind, hier folgender Fakt: In der ganzen Geschichte von CS:GO konnten nur sechs Turniere jemals mehr als eine Million Zuschauer verzeichnen. Solche Zahlen für den ersten Major seit langem versprechen eine erfolgreiche Zukunft.

Vor dem PGL Major Stockholm 2021 konnte man in den Top 20 der meistgeschauten eSport-Events kein einziges CS:GO Turnier finden. Der Major sichert sich nun aber den siebten Platz auf der Liste. Und zum ersten mal schlägt ein CS:GO Event zahlenmässig einen Dota 2 Event, bleibt jedoch weiterhin hinter League of Legends.

Dota 2 The International 10, big in Russland

Auch die diesjährige Edition der Dota 2-Weltmeisterschaft setzt neue Rekorde, vor allem im russisch-sprachigen Bereich. Trotz der unglücklichen Gegebenheiten rund um den kurzfristigen Locationwechsel.

Interessant: Fast so viele Zuschauer schauen den Stream auf Russisch wie auf Englisch (41.6% vs 38.6%), am Tag der Grand Finals schauen mehr Zuschauer den Stream auf Russisch als Englisch (45.2% vs 38.3%). Die höchste Zuschauerzahl auf Russisch übertrifft auch die höchste Zuschauerzahl auf Englisch: 1.2 Millionen Zuschauer vs 945’000 Zuschauer.

Während dem Grand Final erreicht das TI10 2.7 Millionen Zuschauer. Bessere Zahlen liefern nur die League of Legends Worlds, (knapp) der PGL Major und Mobile-Titel wie Free Fire oder PUBG Mobile.

Im Durchschnitt schauen 857’000 Menschen zu, auch da reichen nur die Events der Extraklasse dem International das Wasser.

Die Zuschauerzahlen verbessern sich jährlich. Die Hours Watched Kennzahl hat sich seit 2017 von 44.3 Millionen Stunden mehr als verdoppelt auf 107.2 Millionen Stunden. Trotz der Probleme ist das TI 10 das meistgeschaute Dota 2-Turnier in der Geschichte von Dota 2. Vielleicht funktioniert das mit dem Offline-Event mit Publikum ja nächstes Jahr.

Sky is the Limit?

Es überrascht nicht weiter, dass die Adaption zu Online-only Events den meisten Akteuren in der eSports-Industrie nicht schwerfällt. Es macht auch Sinn, dass die Zuschauerzahlen besser werden, da Menschen aufgrund der Pandemie eher an ihr Zuhause gebunden sind und somit öfters Zeit haben, Events zu schauen. 

Diverse Verbesserungen in der Produktionsqualität machen diese Online-Events zu Erlebnissen der Extraklasse, die teilweise sogar durchdachter erscheinen als vergleichbare Versuche der “klassischen” Sportarten wie Fussball. 

Die Eröffnungsfeier der League of Legends Worlds löst in mir beispielsweise seit bald zwei Jahren um einiges mehr aus, als die Eröffnungsfeier der Fussball-EM – vor allem wenn ich Zuhause vor dem Bildschirm sitze und nicht im Stadion.

 

mm

Severin Stillhard

Online-Redaktor

Angefangen hat die Gamer-Karriere mit Pokémon Rubin. Mittlerweile hat er wohl jeden relevanten kompetitiven Titel ausprobiert aber leider nur mässig Erfolg gehabt. Ist jetzt auch nicht mehr so wichtig, da er nun auf eSports.ch seine Begeisterung für Games mit Menschen teilen kann und man dabei nur gewinnen kann.

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