eSports Schweiz: Wird Lostik das neue SILENTGAMING?

Über ein Jahr nach dem Ausscheiden von SILENTGAMING sucht die Schweiz immer noch einen Nachfolger. Interessenten gibt es viele. Wie wäre es mit Lostik?

Versucht man die Geschichte von SILENTGAMING und mYinsanity zu erzählen geht es für die meisten am einfachsten, wenn man sich beim erfolgreichsten Breitensport bedient: Fussball. Exgüse.

In diesem Fall würden wir mYinsanity die Rolle des FC Basels zuschreiben und SILENTGAMING die des FC Zürichs. Und schon weiss jeder Schweizer: Das bedeutet Rivalität. Ähnlich unserem Vergleich war das Aufeinandertreffen der beiden Organisationen immer ein besonderer Event, denn das Pendel konnte in beide Richtungen schwingen. Einen definitiven Sieger dieser Rivalität gab es nie – aus sportlicher Sicht jedenfalls.

Während mYinsanity ihren Standpunkt innerhalb der Schweizer eSports- und Gaminglandschaft innert der letzten Jahre auch als Eventorganisator MYI Entertainment stärken konnten, mussten SILENTGAMING letztes Jahr ihre sportlichen Aktivitäten aufgeben. Grund dafür waren nicht zuletzt fehlende Sponsoren und fehlende Manpower. Wir haben über das Ende von SILENT berichtet.

(Das war wie die eine Saison, als der FCZ in die Challenge League abstieg, nur kann SILENTGAMING nicht einfach wieder aufsteigen.)

Auf die Plätze…

Das Ausscheiden von SILENTGAMING im nationalen eSports-Wettbewerb hinterliess ein grosses Vakuum. Dank der Pandemie, die letztes Jahr mit voller Kraft wütete, konnte dieses auch nicht so schnell gefüllt werden. Es gibt keine Organisation, die so lange und erfolgreich im Schweizer eSport vertreten sind wie SILENT oder mYi. Die langjährige Aufbauarbeit, welche beide Organisationen geleistet haben, können nicht so schnell aufgeholt werden. Wir sind im Wilden Westen und alle ambitionierten Schweizer eSports-Teams wollen neben mYinsanity Platz nehmen, an der Spitze der hiesigen Szene.

Wovon die neuen Organisationen profitieren ist etwas, das sich die bisherigen Giganten durch Trial and Error erarbeiten mussten: Wissen.

Wie führt man eine erfolgreiche eSports-Organisation? Was ist die Aufgabe der Spieler? Und wie wichtig ist Branding? Denn nur durch sportliche Leistung kann man eine eSports-Organisation nicht am Leben halten. Das zeigt uns das Beispiel SILENTGAMING.

Lostik will los

Eine der Organisationen, die sich an der Spitze positionieren wollen, ist Lostik. Die relativ junge Organisation hat sich in kürzester Zeit in verschiedenen Wettbewerben breitgemacht. Der grösste Erfolg der letzten Monate war wohl der Sieg im League of Legends-Turnier der Hero League, nur wenige Stunden nachdem sie das Finale der SwitzerLAN für sich entscheiden konnten. Beide Spiele gegen mYinsanity.

Dass das etwas besonderes ist, weiss man auch bei Lostik: „Momentan haben wir mit mYinsanity eine klare #1 in der Schweiz was Ressourcen, Reichweite und auch Erfolg in den Wettkämpfen angeht“, so Brand Manager Jens Hoffmann. „Seit der Auflösung von SILENTGAMING gab es jedoch keine Organisation welche diese Position wirklich anfechten konnte. Diese Lücke versuchen wir mit Lostik zu füllen.“

Nebst League of Legends ist Lostik in den wichtigsten Spielen des Schweizers eSports vertreten. Mit ihrem Rocket League Team sind sie Teil der TCS eSports League, die Lostik-Smashspieler können sich regelmässig an Turnieren gut platzieren, bei Rainbow Six sind sie stabil in der SEL mit dabei und auch in CS:GO arbeitet man kräftig an der Zukunft. Momentan spielt das CS:GO-Team noch in der Open Division, bei der Hero League-Qualifikation schieden sie im Finale aus.

Bei Lostik ist man jedenfalls zuversichtlich, dass man in nächster Zeit noch viel von den Pandas hören wird: „Momentan dürfen wir in diversen Disziplinen mitverfolgen, wie unsere Athleten Top Leistungen zeigen und zusammen aufblühen, was uns natürlich sehr freut!“

Mit Content an Cash

Während mYinsanity inzwischen auf Unterstützung von Swisscom, Postfinance und Logitech zählen können, ist der Brand „Lostik“ noch frei von Sponsorenlogos. Heisst: Wie bei vielen Schweizer Vereinen sind auch bei Lostik die finanziellen Ressourcen begrenzt. Nach einer grösseren Umstrukturierung, setzt man bei den Pandabären verstärkt auf Content-Formate, auch ausserhalb der sportlichen Tätigkeiten. Gezielt, denn: „Unser Ziel für 2022 ist es Partnerschaften zu knüpfen, in welchen beide Parteien einen Mehrwert sehen und man sich gegenseitig unterstützen kann, die gesetzten Ziele zu erreichen.“

Damit möchte man es auch möglich machen, personell weiter auszubauen. Denn noch sei man laut Hoffmann ein relativ kleines Team hinter den Kulissen.

Finanzielle und personelle Schwierigkeiten – zwei Aspekte, die wie ein Mantra im Schweizer eSport rezitiert werden. Es ist auch kein neues Problem. Während weltweit Esports immer wieder für Schlagzeilen sorgt, steigt auch der Anspruch von Investoren an die hiesige Szene, die nicht so einfach befriedigt werden können.

Es braucht nebst sportlichem Erfolg auch Mut, Organisationsvermögen und frische Ideen, wie man sich als spannenden Geschäftspartner positioniert. Die Schweizer Organisation, die all das vereinen kann, wird auch das „Vakuum SILENTGAMING“ füllen können, wenn nicht sogar noch weiter gehen. Wird es Lostik sein?

Nathan Leuenberger

Projektleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

Mehr von Nathan Leuenberger
News melden
Follow Us
Stay in the game!

Abonniere jetzt unseren Newsletter

Follow Us
eSports.ch