EVO 2019 hautnah!

Roman „Crash“ Aeschlimann ist einer der besten Super Smash Bros. Spielern der Schweiz und ist Mitglied der Organisation Babos Gaming.  Vor kurzem war an der EVO 2019. Was er dort erlebt hat, erzählt er uns direkt selber in seinem (ausführlichen) Community-Blogpost!

Wie schon bereits seit rund 20 Jahren fanden auch dieses Jahr Anfangs August in Las Vegas die Turniere der Evolution Championship Series (kurz: EVO) statt. Die EVO ist das prestigeträchtigste und grösste Fighting Game Turnier und bietet jedes Jahr mehrere Turniere für die bekanntesten Spiele in diesem Genre an. Durch die Grösse des Turniers gilt die EVO bei den Kampfspielen als Weltmeisterschaft.

Dieses Jahr war neben Klassikern wie Street Fighter, Tekken und Mortal Kombat auch das neuste Spiel aus der Super Smash Bros. Franchise, welches letzten Dezember erschienen ist, im Roster dabei. Insgesamt mehr als 9’000 Spieler nahmen an den 9 verschiedenen Disziplinen teil. Mit über 3’500 Teilnehmer war Super Smash Bros. Ultimate das beliebteste der Spiele und setzte einen neuen Rekord als das grösste Super Smash Bros. Turnier aller Zeiten. Ich durfte dieses Jahr Teil von diesem Spektakel sein und würde gerne meine Erfahrungen mit euch teilen.

Da ich selbst in Europa nicht viel für Turniere reise, war es auch nicht mein Ziel oder Wunsch, unbedingt an einem grossen, amerikanischen Event teilnehmen zu können. Weil ich im November jedoch Vater werde, war es für mich die letzte Chance für lange Zeit, ein Major-Turnier in dieser Grösse zu erleben und welches Event wäre dafür besser geeignet als die EVO?

Am Dienstag, dem 30. Juli, begab ich mich also um die Mittagsstunde zum Flughafen. Durch die Zeitverschiebung war ich bereits am selben Tag in Las Vegas. Bereits im Voraus habe ich mich über allfällige, kleinere Turniere unter der Woche informiert. Auch am Dienstag war eines in der Nähe meines Hotels angesetzt. Durch die Verspätung meines Fluges konnte ich daran leider nicht mehr teilnehmen. Trotzdem wollte ich die Möglichkeit, gegen bessere, amerikanische Smasher zu spielen, nicht auslassen. Schnellstmöglich begab ich mich also mit dem Taxi zur Turnierlocation und konnte so doch noch ein paar wenige Spiele mit einigen Spielern aus Las Vegas machen.

Jedes Jahr vor der EVO findet am Mittwoch jeweils ein Pre-EVO Turnier statt, an dem bereits schon einige Top-Spieler teilnehmen. Das Turnier fand in der HyperX Esports Arena im Luxor Hotel statt, in dem ich während meiner Zeit in der USA nächtigte. Insgesamt 112 Spieler nahmen teil. Ich war letztendlich mit meinem erreichten 17. Platz sehr zufrieden. Verloren habe ich gegen einen sehr guten, lokalen Pikachu-Spieler namens «Z» (das Set wurde sogar gestreamt, ca. 2:04:30) und gegen den australischen Wario-Spieler «DD».

Der Donnerstag war eher unspektakulär. Im Convention Center im benachbarten Hotel, wo dann auch die EVO stattfand, konnte ich bereits schon meinen Badge, mit dem ich ab dem nächsten Tag Zutritt zum Turnier-Areal erhielt, abholen. Am Abend kam dann Mischa «CrzyShroom» Steiner, ein weiterer schweizer Smash-Spieler, bei mir im Hotel an. Wir teilten uns ab diesem Tag ein Hotelzimmer und konnten uns so vor dem Schlafengehen noch gemeinsam ein wenig auf den nächsten Tag vorbereiten.

Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Bereits schon um 10:00 Uhr morgens musste ich meine ersten beiden Matches spielen. Durch mein ziemlich hohes Seeding (ich bekam Seed 240) musste ich noch gegen eher unbekannte Spieler antreten. 

Trotzdem war es nicht einfach und obwohl ich beide Runden gewinnen konnte, war ich mit meiner Leistung nicht sehr zufrieden. Für meine nächsten Matches, welche übrigens durch die hohe Teilnehmerzahl erst am nächsten Tag stattfanden, musste ich mich noch enorm steigern. Den Rest vom Tag verbrachte ich damit, «CrzyShroom» und einige andere bereits gemachten Freunde zu unterstützen.

Erst um 14:00 Uhr am Samstag ging es dann weiter für mich. Auch den Gegner aus Runde 3 war mir unbekannt. Nach einem 2:1 Sieg musste ich dann gegen «Kameme», die Weltnummer 19, antreten. Ich hatte nicht den Hauch einer Chance und war über den Skillunterschied verblüfft. Natürlich habe ich nicht mit einem Sieg gerechnet und nahm die Niederlage ohne grosse Enttäuschung hin. 

Nun ging es weiter im Losers Bracket. Eine weitere Niederlage und ich bin raus aus dem Turnier. Der 2:0 Sieg gegen «Espacio» beförderte mich dann aber bereits in die 3. Turnierphase, wo ich überraschenderweise sehr locker gegen «Haipe» gewann. Mein nächster Gegner war nun «8bitman», welcher am Anfang von Super Smash Bros. for Wii U weltweit zu den Top 50 gehörte. Auch gegen ihn hatte ich kaum eine Chance und beendete das Turnier mit einem hervorragenden 129. Platz.

Der Tag war aber natürlich noch lange nicht vorbei. Bis zur Top 8 wurden alle restlichen Spiele bereits schon am Samstag gespielt. Ich konnte mich also noch auf das Beobachten von richtig tollen Matches mit Top-Spielern aus aller Welt gefasst machen. Nur die wenigsten Spiele wurden auf einer Grossleinwand übertragen, wenn man ein anderes Spiel beobachten wollte, musste man meistens auf einen Stuhl stehen, damit man überhaupt über die Menschenmenge, die sich um die jeweiligen zwei Spieler gebildet hat, sehen konnte. Am Ende des Tages waren dann die besten acht Spieler herauskristallisiert.

Das Finale der Top 8 fand dann am Sonntagabend im Event Center vom Mandalay Bay Hotel statt. Neben 3 Japanern, 3 Amerikaner und einem Mexikaner hat sich auch der französische Spieler «Glutonny» für die Top 8 qualifiziert. Das europäische Talent platzierte sich letztendlich auf Platz 3. Um den Titel kämpften im Grand Finals zum einen der Amerikaner «Tweek» und zum anderen der Mexikaner «MkLeo». Da MkLeo vor der Top 8 bereits ein Match verloren hat, kommt er aus dem Losers Bracket und hat den Nachteil, dass er zwei Best of 5 Matches nacheinander gewinnen muss, um den Sieg an sich zu reissen. Tweek geht souverän 2:0 in Führung. Nur noch ein Game trennt ihn vom Titel. MkLeo holt sich das 3. Spiel und bleibt so im Rennen. Im 4. Game geht Tweek klar in Führung. Er hat immer noch alle drei Stocks (Leben), während MkLeo bereits schon zwei verloren hat. MkLeo schafft das erstaunliche Comeback und kann das Spiel noch drehen. Von da an ging es für Tweek nur noch bergab. MkLeo schafft den Bracket Reset und dominiert seinen Gegner im 2. Match. Mit einem deutlichen 3:0 gewinnt MkLeo und sichert sich so die Trophäe und das Preisgeld.

Mir hat das Erlebnis enorm viel Spass bereitet und hat mich als Spieler sehr weitergebracht. Ich konnte reichlich neue Bekanntschaften machen und konnte sogar neue Freundschaften schliessen. Gerne werde ich irgendwann, wenn es die Umstände zulassen, wieder in die USA reisen, um mich nochmal mit den Besten der Besten zu messen. Bis dahin versuche ich, die schweizer- und die europäische Smash-Szene aufzumischen.

mm

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