Experiment gescheitert? Was jetzt mit PostFinance Helix passiert

PostFinance Helix wird es nächstes Jahr nicht mehr geben. Das kündigte PostFinance Anfangs Oktober an. Wie es zu diesem Entscheid kam und wie es jetzt weitergeht.

Der gelbe Finanzdienstleister rechnete schon von Anfang an damit, dass das eSports-Team nicht auf ewig existieren wird. So war bei der Lancierung immer die Rede vom «PostFinance Esports Experiment». Man wollte einen Versuch starten, beweisen, dass es auch in der Schweiz möglich ist Vollzeit als eSports-Athlet arbeiten zu können. Dafür wurden fünf Schweizer League of Legends Spieler verpflichtet und ein international bekannter Coach an Bord geholt.

Die Erwartungen und der Hype rund um das erste Schweizer Profiteam waren entsprechend gross. Jede Niederlage wurde schwerer gewichtet als ein Sieg, denn die jungen Spieler würden ja den ganzen Tag nichts anderes machen, als ihre Helden durch das Summoner’s Rift zu jagen.

Kein internationaler Erfolg

Die Hero League konnten sie für sich entscheiden, genauso das LoL-Turnier an der PolyLAN. International konnte das Team nicht überzeugen.

Man schaffte es in die grösste Liga der DACH-Region – die Summoner’s INN League -, mehr als ein Gastauftritt wurde daraus jedoch nicht. Bereits nach einer Saison musste man sich wieder aus der höchsten Division verabschieden und den Platz für routiniertere Teams freiräumen. Auch die Teilnahme an der Premier Tour blieb Helix verwehrt.

Von null auf hundert sollte Helix das leisten können, was traditionelle Sportvereine nach jahrelanger Aufbauarbeit leisteten. Nach 12 Monaten ist jetzt Schluss mit dem Experiment, die PostFinance trennt sich von ihrem Team.

Die Bilanz: Von 48’300, die man theoretisch hätte gewinnen können, spülten die Turniersiege gerade mal 7’600 Schweizer Franken in die Teamkasse. (Stand 15.10.19)
Auf der anderen Seite beliefen sich die Lohnkosten des Teams (Spieler, Coach, Personal Trainer) auf rund 250’000 Franken. Zu allen weiteren Ausgaben mache man keine Aussagen.

Viel mehr Ressourcen nötig

Und jetzt bleibt die Frage: Wie ist das einzuordnen? Man hatte ja bisher noch keinen Vergleichsfall in der Schweiz. Helix mit anderen, international erfolgreichen Teams zu vergleichen ist nicht fair. Denn diese spielen entweder schon seit Jahren mit denselben Teamkollegen, oder solchen, die sich den Vollzeitjob «eSportler» schon gewöhnt sind. Einziger Mann mit Erfahrung im Helix-Boot war Trainer NicothePico.

So zieht man bei der PostFinance eine grundsätzlich positive Bilanz: «Wir haben mit PostFinance Helix in dieser Zeit in den nationalen Wettbewerben alle unsere sportlichen Ziele erreicht», so Projektleiterin Ladina von Allmen. Zudem: «Wir haben uns diesen Entscheid nicht leicht gemacht, sind jedoch zur Einsicht gekommen, dass für die Weiterführung unseres Teams eine noch stärkere Professionalisierung und eine internationale Ausrichtung ein Muss wären.» Die dazu nötigen personellen und finanziellen Ressourcen seien jedoch in der aktuellen Situation des Dienstleisters schwierig und würde auch nicht auf die Positionierung als national tätige Bank einzahlen.

Der internationale Erfolg wäre dabei also ein schönes Sahnehäubchen gewesen, für die PostFinance marketingtechnisch allerdings irrelevant.

Weiterhin im eSports aktiv

Ende September wurde das Team über den Entscheid informiert, dass auf Ende Jahr Schluss ist. «Der Entscheid wurde positiv aufgenommen. Die Verträge waren von Anfang an auf ein Jahr befristet. In dieser Zeit konnten sich die Spieler in vielen Bereichen stark verbessern und sind bereit für den nächsten Schritt», so von Allmen. Um das Projekt sauber abzuschliessen bleibt Helix nun noch drei Monate. Denn eines der gesteckten Ziele war, dass die Spieler künftig bei grossen eSports-Teams untergebracht werden können. Machbar, wie die jüngste Entwicklung rund um «Bando» zeigt, der nun bei «Fnatic Rising» ein Zuhause gefunden hat.

Obwohl das eigene eSports-Team ab 2020 für PostFinance Geschichte ist, will man sich nicht aus dem eSports zurückziehen. Den «Schwung von PostFinance Helix» will man noch in den kommenden Jahren nutzen. Wie genau, liess Ladina von Allmen noch offen.

Alle weiteren Mitarbeiter des Esports Experiments müssen sich übrigens keine Sorgen um ihre Stelle machen. Sie würden auch künftig im eSports engagiert sein. Und dann ist da ja noch die Training Facility. Das «Büro» der eSports-Athleten wird künftig nicht mehr als solches verwendet: «Der PostParc hat uns die Trainings Facility in einer Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Wir werden sie Anfang 2020 zurückgeben.»

 

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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