Fantasy Basel: Was macht das Schweizer Militär hier?

Die Schweizer Armee hatte einen Stand an der diesjährigen Fantasy Basel. Aber weshalb? Wir haben nachgefragt.

Uns hat die „Swiss Comic Con“ zwar nicht komplett überzeugt, trotzdem hinterlässt der Anlass viele zufriedene Fans – rund 45’000 Besucher waren es dieses Jahr. Eine Frage stellten sich aber viele Besucherinnen und Besucher – was macht die Schweizer Armee hier?

Das Militär war nämlich mit einem Stand an der Messe vertreten, prominent gleich am Anfang der Messe platziert. Der Stand bestand aus einigen Plakaten, einem Piranha-Panzer für die obligaten Selfies, sowie einigen Vertretern der Armee, die Schoggi und Guetzli verteilten.

Die Präsenz von militärischen Institutionen an solchen Messen ist keine Seltenheit – die US-Army ist schon seit langer Zeit an der E3 in Los Angeles vertreten, genauso wie die Bundeswehr an der gamescom in Köln. Das unausgesprochene Ziel ist immer dasselbe: Die schrumpfenden Truppenzahlen aufzustocken. Rund 2000 Rekruten fehlen jährlich, schrieb die NZZ vor zwei Jahren. Deshalb versucht man schon seit Längerem, die Armee attraktiver zu gestalten – und auch Rekrutinnen anzulocken. Das geschieht mit Massnahmen innerhalb der Armee, sowie mittels Aufklärung der Bevölkerung – genau wie an der Fantasy.

Parallelen zwischen den Welten

Speziell ist aber, dass die Armee nicht bei der Fantasy anklopfte, sondern umgekehrt. Auf Anfrage sagt die Medienstelle der Fantasy Basel: „In einem zufälligen Gespräch an einer anderen Messe, an der die Armee präsent war, ist die Idee einer Teilnahme an der Fantasy Basel aufgekommen.“ Über die Gründe angesprochen, betont die Fantasy die Nähe der Armee zu einigen Themen, die auch Nerds begeistern: „Wenn Figuren/Charaktere mit Bezug zu Waffen und Armeen aus Filmen und Games an Game-Events allgemein akzeptiert sind, gibt es keinen Grund, die neutrale Schweizer Armee nicht zu zeigen.  Im Gegenteil, es ist wichtig, über den Unterschied zwischen virtuellen Kriegsspielen und realer  Landesverteidigung zu sprechen.“

Die Fantasy sieht noch weitere Parallelen, nämlich im Kampf gegen digitale Bedrohungen. Der Bereich Cyber Defence sei dem SciFi-Themenkreis besonders nahe, heisst es: „Es macht Sinn, der Präsenz von Armeen in Games und Filmen unsere – notabene nicht kriegsführende – Armee entgegenzustellen und deren vielfältigen Aufgaben und Dienste vorzustellen. Letztlich sind alle – auch armeekritische Personen – froh, wenn bei Naturkatastrophen oder anderen Ereignissen eine Organisation da ist, die sofort helfen kann. Auch viele Veranstaltungen könnten ohne Unterstützung der Armee nicht stattfinden.“ Weiterhin sei es für viele auch gut zu erleben, dass hinter dem Begriff «Armee» ganz normale Menschen stünden, die die gleichen Fragen und Zweifel haben wie der Rest der Bevölkerung.

«Wertvolle Diskussion»

Die Fantasy betont, dass man über das Thema offener sprechen soll: „Die Armee wird und soll gerade bei jüngeren Leuten kontrovers diskutiert werden; im Kontext zu Shooter-Games und Filmen ist eine Diskussion über Waffen, Kriege und die Armee für alle wertvoll. Ein «Mehrwert» ist somit auf vielfältige Weise gegeben.“ Das Feedback der Besucher sei sehr gut gewesen, auch wenn es ebenfalls kritische Personen gegeben habe, die sich über den Stand wunderten. Die Möglichkeit, direkt Fragen zu stellen, sei aber von vielen geschätzt worden.

Und was meint die Armee selbst? Der Auftritt sei positiv angekommen, heisst auf Anfrage: „Der Auftritt der Schweizer Armee hat für ein sehr gutes Feedback gesorgt. Viele Besucherinnen und Besucher haben sich bei den Milizkadern für ihre Anwesenheit bedankt. Die Präsenz der Armee mit den verschiedenen Fahrzeugen wurde positiv aufgenommen.“ Ziel sei es vor allem gewesen, die Wahrnehmung der Gesellschaft positiv zu verstärken und Information weiterzuvermitteln.

Rückkehr an der Fantasy Basel noch offen

Eine junge Armeeangehörige, die selbst die Messe besuchte und den Stand mehrmals passierte, war ebenfalls zufrieden mit dem Auftritt der Schweizer Armee. Die Möglichkeit, im Kostüm mit den gepanzerten Fahrzeugen Fotos zu machen und sich dabei vor Ort über die Armee zu informieren, sei rege genutzt worden. Und auch Schoggi und Guetzlis seien heiss begehrt gewesen, bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen. Insbesondere die VR-Brillen mit den 360-Grad-Videos seien ein Renner gewesen. Insgesamt also ein Erfolg für die Armee.

Ob man an der nächsten Messe wieder dabei sei, ist aber noch offen. Die Teilnahme werde zurzeit noch analysiert und ausgewertet. Erst dann werde man entscheiden, wie es weitergeht. Die Fantasy wäre dafür offen: Es gäbe keinen Grund, Shooter-Games und Kriegsfilme zu zeigen, aber die Armee auszuschliessen, hiess es. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftritts ist gross – schliesslich sei das Zielpublikum der Messe und der Schweizer Armee fast deckungsgleich.

Federico Gagliano

Online- Redaktor

Es war ein Nintendo 64 unter dem Weihnachtsbaum, der seine lebenslange Liebe zu Videospielen entfachte. Seitdem beschäftigt sich Federico mit allem, was mit Games zu tun hat. Nur die gelegentliche Jagd nach Playstation-Trophies lenkt ihn dabei ab.

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