Friends vs Friends: Das Problem mit dem Trailer

Zwischen den ganz grossen Blockbustern der gamescom gab es einige Perlen zu entdecken. Eine davon ist Friends vs Friends.

Während der gamescom Opening Night Live Show wurden eine Menge Games zum ersten Mal gezeigt. Zwischen all den grossen, pompösen Trailern blieb mir vor allem ein kleiner Trailer im Kopf: Friends vs Friends.

„Und nun ist es Zeit ein weiteres Spiel zu zeigen, das einen richtigen Ohrwurm im Trailer hat“ – damit kündigte Moderator Geoff Keighley das Spiel an. Es folgten 50 Sekunden wunderschön animierte Cartoon-Action…

Anschliessend 8 Sekunden Gameplay.

 

Hä?

Was geht da ab?

Wieso sind die 8 Sekunden Gameplay dermassen anders als der Trailer?

Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.

Shooterspass mit Kartenzauberei

Entsprechend suchte ich am Mittwoch sofort den Stand von Publisher Raw Fury auf in der gamescom Business Area. Dort hatten Presse- und Fachbesucher die Möglichkeit mit Entwicklern und Publishern direkt zu sprechen, und deren Neuerscheinungen bestenfalls anzutesten.

Da ich gleich am Mittwochmorgen vorbeischaute, hatte man beim Publisher tatsächlich noch Slots frei für mich. Ein Tag später durfte ich vorbeischauen.

Nur wenige Stunden später stolperten wir auf dem Show-Floor – also der „echten Messe“ – über den Raw Fury-Stand, an dem wir Friends vs Friends auch anspielen konnten.

Was ein geiles Spiel.

In einem 2v2-Modus treten die Spieler in einer Arena gegeneinander an in einer Mischung aus Versteckis, Shooter und Card Game.

Vor jeder Runde ziehen die Spieler ein paar Karten, die während des Gefechts eingesetzt werden können. Diese manipulieren entweder Gegenspieler oder Nutzer selbst. So können kurzzeitig die Köpfe der Gegner grösser gemacht werden – was natürlich Headshots vereinfacht – oder man verwandelt sich selbst in einen Riesen und hat somit die ganze Arena im Überblick, sowie ein gutes Stück mehr Leben. Werden die Karten verbraucht, sind sie weg für den Rest des Matches. Auch Waffen werden via Karten ausgerüstet. Standardmässig startet man mit einer Pistole in die Runde, kann dies aber auch je nach Charakter oder Karte beeinflussen.

Charaktere spielen ebenfalls eine Rolle: Aus einer bunten Truppe an Tieren könnt ihr eure Lieblingsfigur auswählen. Jedes Tier startet automatisch mit einer anderen Karte in die Runde. So hat der Elch zum Beispiel immer einen Doppelsprung oder der Vogel etwas mehr Präzision.

Gespielt werden die Matches immer als First-to-Three Wins. Auf der gamescom spielte man zwar 1v1, im finalen Spiel wird der Standardmodus dann 2v2 sein.

Die Optik des Games ist eine liebevolle Mischung aus Pixel Art und 3D-Rendering. Ein Grafikgemisch, das Friends vs Friends zwar einen einzigartigen Charakter verleiht, sich aber stark vom Nouveau-Cartoon-Stil des Trailers unterscheidet.

Das wurde für die Entwickler zum Problem.

Dieses Internet

Als wir bei Raw Fury antraben, erwarten uns zwei junge Herren aus Spanien – die Entwickler von Friends vs Friends. Zusammen mit ihren Mitarbeitern sind sie die „Brainwash Gang“, die schon ein starkes Portfolio an Spielen vorweisen können. Ihr neuster Streich nun also Friends vs Friends.

Tatsächlich gibt es das Spiel selbst schon ein wenig länger, jedoch war es bis anhin noch als „Friends Killing Friends“ auf der Plattform itch.io zu finden. Durch den Deal mit Publisher Raw Fury wurde das „Killing“ durch das massenfreundlichere „Vs“ ersetzt.

In einer kleinen Kabine hatten wir nun also die Möglichkeit mit den Entwicklern selbst zu sprechen und mit ihnen das Spiel nochmals ausgiebig zu anzutesten.

„Mit Friends vs Friends wollen wir ein Shooter bieten für Leute, die eigentlich schlecht in Shootern sind. Die Kartenfähigkeiten können dieses Manko ausgleichen und allen eine faire Chance geben“, erzählt uns die Brainwash Gang.

„Wie gefällt es euch?“ werden wir gefragt. Ohne zu lügen können wir behaupten, dass wir bereits jetzt sehr viel Spass mit FvF hatten. Das Gameplay spielt sich flüssig, die Kartenmechanik bringt einen spannenden Twist in die Duelle und Matches sind jeweils kurzweilig. Eigentlich ein Spiel mit eSports-Potential, oder? „Klar, wir haben es von Grund auf als kompetitives Spiel konzipiert. Jetzt aber von Anfang an grosse eSports-Pläne zu machen wäre aber der absolut falsche Ansatz. Wenn die Community von sich selbst aus etwas aufbauen möchten, sind wir aber voll an Bord.“

Dann erzähle ich davon, wie ich durch den super ONL-Trailer auf FvF aufmerksam wurde und es mir unbedingt ansehen musste.

Damit hatte ich einen wunden Punkt getroffen.

„Gefällt dir das Spiel denn genauso gut wie der Trailer?“

Schwierige Frage. Trailer und Spiel sind in keinster Weise zu vergleichen, beide haben grundsätzlich verschiedene Ästhetiken. Klar, ich war kurz überrascht als das Gameplay am Ende des Trailers eingeblendet wurde, als ich dann aber selbst spielen konnte, war ich komplett überzeugt.

Ich frage zurück: „Gab es denn negative Reaktionen?“ – „Ja. Es war nicht sehr gut den Trailer so zu veröffentlichen, ohne parallel Gameplay bieten zu können. In den nächsten Wochen müssen wir wirklich viel Gameplay veröffentlichen, um unser Spiel auch richtig vorstellen zu können.“

Natürlich habe man auch viel positives Feedback erhalten, erzählen die Jungs weiter.

„Dann habt ihr euch aber zu lange auf Reddit rumgetrieben, oder?“

„Ja. Und die negativen Kommentare bleiben halt leider stärker haften.“

Hands-On überzeugt

Wer die Möglichkeit hat, FvF zu spielen, ist aber jeweils schnell gepackt. Auf dem Show-Floor frage ich nochmals bei einigen nach, die FvF angezockt haben. Die Reaktionen durchwegs positiv, sowohl beim Publikum, als auch bei Branchenkollegen.

Während der Messe konnte Friends vs Friends sich einen kleinen Fanclub aufbauen, die Schlange jeweils länger.

Bei Brainwash Gang erhofft man sich, das Spiel nächstes Jahr veröffentlichen zu können. Wie genau wissen sie noch nicht. „Wir überlegen uns Steam Early Access, aber wissen nicht ob das der richtige Weg wäre. Wir wollen den Spielern die ganze Experience bieten können und nicht ein halbfertiges Spiel.“

Nach dem Release sollen auch jeweils Expansions erscheinen, die den Cardpool erweitern und neue Charaktere ins Spiel bringen. Pay-to-Win soll es nie sein. „No microtransactions for progression. EVER.“ schreiben sie deshalb auch im Press Release.

Wenn Friends vs Friends dann da ist, werde ich es sicher spielen. Denn ich bin Fan.

Und ich hoffe ihr bald auch. Nicht nur wegen des Trailers.

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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