Hearthstone: Von Noob zu Legend in 30 Tagen

Mit dem letzten grossen Update wollte Hearthstone neue Spieler anlocken – und alte wieder zurückholen. Federico hat den Selbstversuch gewagt – und sich die Leiter hinaufgekämpft.

Es ist einige Jahre her, seit ich das letzte Mal Hearthstone gespielt hatte. Zwischendurch hatte ich immer wieder mal einen Blick reingeworfen. Fehlende Karten führten aber jedes Mal dazu, dass ich mich schnell wieder anderen Dingen widmete. Die Einführung des neuen Core-Sets machte mich aber neugierig – gleiche Startbedingungen für alle, wäre das endlich die Gelegenheit wieder einzusteigen? Ein Plan nahm Form an – es war Zeit, endlich im Standard Legend zu werden.

In der Praxis heisst das, dass ich den ganzen April nur mit Hearthstone verbracht habe. Was ich dabei gelernt habe, fasse ich nun hier zusammen. Pros wird dieser Artikel wohl nur zum Schmunzeln bringen. Wer aber schon lange auf den niederen Rängen feststeckt, kann vielleicht sein Spiel etwas verbessern.

Woche 0

Bereits vor dem Update konnte ich Vorbereitungen treffen. Der erste Schritt war klar: Um das gesamte Core-Set freizuschalten, muss man mindestens Level 10 mit allen Klassen erreichen. Seit meinen letzten Tagen in Hearthstone ist eine neue Klasse dazu gekommen, Demon Hunter. Den aufzuleveln, ist nicht weiter schwer, da er eine eigene Solokampagne besitzt.

Auch ein Vorteil: Auf meinem Account war noch ein kleines Lager an Dust und Gold übrig, den ich in neue Karten investieren konnte. Wichtig ist: Gebt Gold lieber für Arena- oder Duels-Runs aus. Die kosten zwar 50 Gold mehr, aber ein Boosterpack ist da bereits drin. Wenn ihr 2-3 Siege holt, seid ihr dank den zusätzlichen Belohnungen wieder im Plus. Bei Duels war ich etwas erfolgreicher, ich mag den Modus aber auch etwas mehr als Arena.

Wer sich nicht scheut, etwas Geld auszugeben, sollte besonders die Mini-Sets im Auge behalten, zum Beispiel das „Darkmoon Faire“-Mini-Set, welches euch gleich 66 Karten für (verhältnismässig) wenig Geld liefert. Wer strikt Free-to-Play (F2P) bleiben will, muss aber keine Angst haben: Hearthstone-Pro Trump hat zum Beispiel schon bewiesen, dass man auch ohne Geld ganz weit kommt:

Woche 1

Das Update ist da, die ersten Decks setzen sich durch. Ich orientiere mich an den Legendaries, die ich besitze, da diese meist die Schlüsselkarten jedes Decks sind. Für mich kommt nur eine Option in Frage: der «No Minion»-Mage, der schon nach wenigen Tagen zum Hassobjekt vieler Spieler werden wird. Mich bringt das Deck aber schnell nach vorne, von Bronze bis Gold benutze ich nur das.

Doch wo soll ich spielen? PC ist die beste Variante, obwohl ich da einige Abstürze erlebt habe, die mich Siege kosten. Auf dem Smartphone finde ich die Benutzeroberfläche sauberer als auf dem iPad – trotzdem entscheide ich mich für das Tablet. Und lerne dort: Vorsicht beim swipen, sonst endet ein Zauber schnell im eigenen Gesicht…

Woche 2

Die Sache wird schon zäher, die Winstreaks werden seltener. Nerfs verringern die Wirksamkeit meines Decks – obwohl ich selbst froh bin, dass mehr Abwechslung ins Spiel kommt. Es muss ein neues Deck her. Webseiten wie HSReplay oder Hearthstone Top Decks können nur begrenzt helfen, denn meistens treffe ich auf ganz andere Gegner, als dort aufgeführt. Es gilt, sich anzupassen. Ein Evergreen, den jeder in der Hinterhand haben sollte: Den Face-Hunter. Nebenbei bastle ich noch ein Secret-Paladin, bei dem mir aber einige Legendaries fehlen.

Bevor ihr aber Ressourcen investiert: schaut euch bei anderen Spielern an, wie die Decks funktionieren. Und folgt eurem Instinkt – lieber eine etwas tiefere Winrate, dafür ein Deck, das euch auch persönlich gefällt. Zum Beispiel: Einige schwören auf Control-Priest – mich schläfert das Deck nur ein.

Der Schlüssel ist Geduld: Lange Sessions sind meist weniger erfolgreich. Ich stelle mir folgende Regel auf: sobald ich verliere, ist für mindestens eine Stunde Schluss. Denn auf eine Niederlage folgt meist die nächste, die Konzentration geht flöten. Trotz Frust schlage ich mich bis zum Platin-Rang vor.

Nebenbei schaue ich mir das Grandmasters-Turnier an, um mir einige Taktiken von den Profis abzugucken. Und um ein paar Packs abzugreifen: Wer seinen Account verknüpft und vier Stunden schaut, bekommt zwei. Der wöchentliche Tavern Brawl bringt ein weiteres Pack. Und wer kein Sammler sein will, kann alle Goldkarten, die man in normaler Fassung hat, zu Dust verwerten.

Wir spielen um zu gewinnen – gut Aussehen bringt nichts.

Woche 3

Mir wird bewusst, dass StrikeReaper Recht hatte: Mit Dust ist Blizzard extrem geizig. Schnell habe ich meine Reserven aufgebracht. Der Aufstieg kommt praktisch zum Erliegen, ich komme nicht weiter. Die Control-Warlocks zerstören alle meine Versuche, weiterzukommen – ich muss ein neues Deck finden. Spannend ist der Rush-Warrior, doch dort fehlt mir die Hälfte des Decks. Verrückt ist Zananananans Miracle-Priest, den ich ehrlich gesagt immer noch nicht ganz beherrsche.

Ich merke, dass die Meta-Decks für Profis, die bereits Legend sind, zwar Sinn machen, für mich aber was anderes nötig ist. Auf MetaStats werde ich fündig: Ein Secret-Paladin mit einer Winrate von 60 Prozent. Doch mir fehlen zwei Karten. Da ich nur Standard spiele, gehe ich zu den alten Sets und vernichte schweren Herzens einige Legendaries, die ich hoffentlich später nicht vermissen werde.

Und siehe da: Das Deck wirkt. Ich steige in einem Tag zu Diamant auf, bis zum Weekend fehlen nur noch wenige Siege zu Legend.

Am Sonntagmorgen, mit einer ganzen Woche noch übrig, erreiche ich mein Ziel – I am Legend!

Fazit

Hearthstone Decks

Für viele kann sich Ranked anfühlen, als würde man sein Kopf gegen eine Wand schlagen. Mir kam es teilweise auch so vor – doch meist nützt es nichts, endlos weiterzuspielen. Wichtiger als die Zeit im Spiel war die Zeit ausserhalb: die aktuellen Decks müsst ihr in- und auswendig kennen, die eigene Spielweise immer wieder kritisch überprüfen.

Es lohnt sich deshalb, möglichst viel Hearthstone-Material zu konsumieren – wenn ihr genau wisst, was euer Gegner parat hat, könnt ihr vieles kontern. Kibler, Trump, Kripp – je mehr ihr schaut, desto besser werdet ihr spielen. Obwohl ich sechs Decks hatte, waren nicht mehr als zwei bis drei nötig, um die höchsten Ränge zu erreichen.

Ist eine Portion Glück auch dabei? Natürlich – und wie. Lasst euch deshalb von Niederlagen nicht unterkriegen, verlorene Sterne können in kurzer Zeit zurückgewonnen werden. Jede fünf Stufen seid ihr sicher und könnt nicht mehr absteigen – dort lohnt es sich, vielleicht kurz ein anderes Deck auszuprobieren.

Klar ist: Hearthstone hat das Game mit dem Core-Set definitiv attraktiver für Neulinge gemacht. Obwohl ich wieder als totaler Anfänger starten musste, hat es nicht lange gedauert, um mich wieder ins Spiel einzufühlen. Blizzard könnte aber mehr bemüht sein, die Infos zu liefern, die ich mir ausserhalb des Spiels geholt habe. Viele Pros spielen beispielsweise mit einer Mod, die die Karten im eigenen Deck anzeigt – eine Deck Tracker, der auch Ex-Gamedirektor Ben Brode legitim findet.

 

Solche Elemente könnten gleich Teil des Games werden. Ausserdem sind manche Klassen immer noch klar im Nachteil – da braucht es noch einige Tweaks. Eine Neuerung ist schon auf dem Weg: diese Woche haben die Entwickler angekündigt, dass von ihnen entworfene Decks bald fixfertig im Shop erhältlich sein werden.

Insgesamt: Das Update ist in meinen Augen geglückt – wer einsteigen will, hatte schon lange keine bessere Gelegenheit.

Federico Gagliano

Online- Redaktor

Es war ein Nintendo 64 unter dem Weihnachtsbaum, der seine lebenslange Liebe zu Videospielen entfachte. Seitdem beschäftigt sich Federico mit allem, was mit Games zu tun hat. Nur die gelegentliche Jagd nach Playstation-Trophies lenkt ihn dabei ab.

Mehr von Federico Gagliano
News melden
Follow Us
Stay in the game!

Abonniere jetzt unseren Newsletter

Follow Us
eSports.ch