„Killen“ Killerspiele?

GTA & Counter-Strike – Die Killerspiel-Debatte ist fast so alt wie das Gaming selbst. Bei jedem tragischen Ereignis wird sie wieder von neuem aufgewärmt.

Columbine, Winneden oder Emsdetten, allesamt unbegreifliche Tragödien, welche jeweils die Welt erschütterten und anstatt, dass sich die Öffentlichkeit um wichtige Themen wie Mobbing an Schulen oder Präventivmassnahmen unterhält folgte immer der Fingerzeig auf Videospiele. Nach dem schrecklichen Amoklauf in Parkland, Florida scheint die Politik sich erneut in Reaktionismus zu verlieren. Aspa widmet sich dieser Diskussion nun seit Jahren, ob Trumps Videogame-Meeting im Weissen Haus etwas bewirken wird erfahrt ihr in der heutigen Sendung.

Die Fakten

Allen Diskussionen zum Trotz ist sich die Wissenschaft bisher seit Jahren einig: Es besteht keine Kausalität zwischen dem Konsum von gewaltbeinhaltenden Medien und einem erhöhten Gewaltpotential. Gerade Januar dieses Jahres veröffentlichte die Universität von New York eine neue Studie mit über 3’000 Probanden, welche zum selben Ergebniss kam.

Der Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation ist hierbei extrem wichtig. Ja, es ist z.B. korrekt, dass gewaltbereite Personen eher zu gewaltbeinhaltenden Medien tendieren, aber hier ist der Medienkonsum nicht Auslöser sondern Symptom. Für alle diejenige, die sich dem Thema gerne mehr widmen würden kann ich die Auflistung von Procon.org dazu als Startpunkt empfehlen. Diese verleiht eine gute Übersicht über die Thematik und verweist auf zahlreiche weiterführende Quellen.

Realität und Fiktion

Ein weiteres Argument, dass oft innerhalb dieser Diskussion fällt, ist das verschwimmen von Videospiel-Inhalten mit der Realität, wenn man zu viel gewaltätige Spiele konsumieren würde. Viele der Vorwürfe sind dabei selbst jenseits jeglicher Realität.

Gewaltätige Spiele schulen Jugendliche zu Meisterschützen!

Genauso wenig wie ein Autorennspiel jemandem zum Führerschein verhilft, eine Wirtschaftsimulation jemandem zum erfolgreichen Geschäftsinhaber macht oder ein virtueller Flug im Raumschiff irgendjemandem zum Astronauten gemacht hat bildet ein Shooter jemandem zum Supersoldaten aus.

Videospiele stumpfen unsere Kinder ab!

Bisher konnte nur nachgewiesen werden, dass der Konsum von gewaltbeinhaltenden Medien einen Abstumpfungseffekt auf gewaltbeinhaltende Medien hat. Sprich, jemand der ständig Gore- & Splatterfilme wie “Saw” oder “Texas Chainsaw Massacre” konsumiert wird tendenziell weniger stark auf weitere solche Filme reagieren. Selbiges gilt für Shooter. Wer bereits sämtliche Half-Lifes, Dead Spaces oder Call of Dutys gespielt hat, wird halt nicht mehr wirklich auf virtuelle Schiessereien schockiert reagieren.

Dies lässt sich aber nicht auf Darstellung realer Gewalt übertragen. Ihr könnt dies, bei euch selbst beobachten. Youtube Videos von Unfällen, Nachrichten mit Videomaterial aus Kriegsgebieten, eine echte Operation auf dem Fernsehbildschirm – bei wie vielen solcher Darstellungen habt ihr ein flaues Gefühl im Magen oder wendet ihr euren Blick davon ab obwohl ihr andererseits in Overwatch oder Counter-Strike stapelweise Gegner zur Strecke bringt?

The easy way out

Der wirkliche Grund warum die Politik und diverse Organisationen immer wieder zu der gleichen Kurzschluss-Handlung, Videospiele zu beschuldigen, neigen ist, dass es gegenüber der Öffentlichkeit so verkauft werden kann, als würde man sich wirklich einsetzen und unglaublich viel dabei Bewegen.

Auch wenn es wohl besser wäre dieser eigentlich abgeschlossenen Diskussion nicht jedesmal auf’s Neue so viel Aufmerksamkeit zu schenken, ist es dennoch wichtig, dass zwischen all dem Reaktionismus die Fakten nicht komplett vergessen werden.

mm

Rafael Kink

Kolumnist

Rafael ist ein langjähriger Kenner der eSports-Szene und unterstützt unser Team mit seinem reichhaltigen Know-How. Aufgrund seiner Erfahrungen in fast allen Arbeitsbereichen des eSports sowie mit einem Grossteil der eSports-Titel, gibt es kein Thema, zu dem er seinen Senf nicht dazugeben kann. Alle 2 Wochen könnt ihr Rafael während der Tea Time in Action erleben.

Mehr von Rafael Kink
News melden
Follow Us
Stay in the game!

Abonniere jetzt unseren Newsletter

Follow Us
eSports.ch