CS:GO

Kolumne: Die Zukunft der Schweizer CS:GO-Szene

CS:GO ist seit Jahren Teil der internationalen eSports-Szene. So auch Mathieu „Maniac“ Quiquerez, der in seiner ersten Kolumne die Schweizer Szene unter die Lupe nimmt.

Am 12. April präsentierte die Swiss Esports League ihre brandneue Turnierserie, die Blick eSports Masters, mit fünfzehn Turnieren, online und offline, verteilt auf drei Spiele: Smash Bros. Ultimate, Apex Legends und CS:GO. Für das CS:GO-Turnier werden zunächst vier Online-Qualifikationscups organisiert. Jeder Cup bietet dem Gewinner nur einen Platz für die letzte Etappe des Wettbewerbs. Die vier qualifizierten Teams treffen sich am 17. August im Finale in Biberist. Mit einem Gesamtwert von CHF 10’000 allein für CS:GO positioniert sich dieser Wettbewerb direkt als der grösste des Jahres in der Schweiz.

Als mir von dieser Veranstaltung erzählt wurde, wurde mir unter anderem die Frage gestellt, ob solche Wettbewerbe das wären, was die Schweizer CS:GO-Szene entwickeln müsste. Können die eSports Masters ein Entwicklungsinkubator für unsere Community sein? Ja, tausend Mal ja! Ich werde noch weiter gehen: Solche Wettbewerbe sind aus vielen Gründen eine Notwendigkeit, die mehr als ein Entwicklungsinstrument ist.

Erstens haben die Präsenz und Größe der nationalen Turniere einen großen Einfluss auf die Motivation der Teams, zu trainieren. Wie die Karotte, die das Pferd vorwärts bewegt, stellen auch Offline-Veranstaltungen konkrete Ziele dar, für die jeder Teilnehmer so viel wie möglich, individuell und im Team, trainieren will, um seine Leistung zu steigern. Dies erhöht natürlich das Gesamtniveau der nationalen Wettbewerbsszene. Arbeit ist die Grundlage für jedes Ergebnis in CS:GO, wie überall sonst auch, und es ist nie einfacher die Aufgabe zu erfüllen, als wenn man ein großes Ziel hat, das einen motiviert.

Darüber hinaus treibt ein enger Zeitplan ein Team oft dazu, langfristig zu planen, in „Saisons“ oder gar „Jahren“ zu denken und damit seine Teamkonstellation zu stabilisieren. Der grösste Feind jeder sich entwickelnden Szene – wie der unseren in der Schweiz – bleibt das ständige Kommen und Gehen der Spieler von einem Team zum anderen. Wie können wir uns verbessern, entwickeln, Leistung erbringen, wenn sich kein Team wirklich die Zeit nimmt sein Spiel aufzubauen, zusammen zu spielen und aus den unvermeidlichen Niederlagen zu lernen? Nach meiner Erfahrung führt der Mangel an Wettbewerben, sowohl qualitativ als auch quantitativ, leider dazu, dass die Schweizer Spieler viel zu kurzfristig denken und zu plötzlich auf Enttäuschungen reagieren – nach einer „ergebnisorientierten“ Logik: „Wenn wir diesen Wettbewerb nicht gewonnen haben, sollten wir die Spieler wechseln“. Je mehr Turniere es gibt, desto einfacher wird es für die Teilnehmer sein, jeden Wettbewerb als Chance zur Verbesserung und Vorbereitung auf den nächsten zu betrachten und Enttäuschungen zu relativieren. So denken auch die internationalen CS:GO-Profis.

Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass der Grund für jeden Wettbewerb der Wunsch ist, „besser zu sein als….“. Jedes Turnier stimuliert die Rivalität zwischen den Mannschaften, was im innerstaatlichen Kontext noch akuter ist. Von meinem 14. bis 17. Geburtstag habe ich viel Energie dafür aufgebracht, „der Beste der Schweiz“ zu werden oder mein Team „die Besten des Landes“ zu machen. Ich spreche von Rivalität, aber ich möchte hinzufügen, dass es sich um eine „positive Rivalität“ handelt, eine Nachahmung, insofern dass jeder Fortschritt, den ein Team macht, seine Konkurrenten dazu treibt, sie einzuholen, härter zu arbeiten, sie zu übertreffen. Dies ist meiner Meinung nach das Phänomen, das in Schweden, Dänemark oder sogar Frankreich aufgetreten ist, Länder, die nacheinander die Counter Strike-Szene dominiert haben. Die Tatsache, dass diese Länder sehr hochrangige Teams gebildet haben, ist vor allem eine Folge aktiver nationaler Szenen, die voller Wettbewerbe sind und die das globale Niveau vorantreiben.

Motivation, Stabilität, Nachahmung – es gibt viele Möglichkeiten, wie ein Wettbewerb wie die eSports Masters zur Entwicklung der nationalen Szene beitragen. Je größer der Wettbewerb, desto größer ist seine Wirkung. Und je mehr Wettbewerbe es gibt, desto mehr wird unsere Szene wachsen.

mm

Mathieu "Maniac" Quiquerez

Chroniqueur

Mathieu "Maniac" Quiquerez ist einer der Experten in der internationalen CS:GO-Szene. Er war mehrere Jahre lang professioneller Spieler, insbesondere bei LDLC und Titan, ebenfalls ehemaliger Coach von EnVyUs, und arbeitet heute als Analyst/Experte für die renommiertesten Wettbewerbe der Welt.

Mehr von Mathieu "Maniac" Quiquerez
News melden
Follow Us
Stay in the game!

Abonniere jetzt unseren Newsletter

Follow Us
eSports.ch