Abbildung von Heiri Weingartner als Titelbild zur Kolumne

Kolumne: Star Wars Wars

Unser Kolumnist spürt eine Erschütterung der Macht. Und er hat eine neue Hoffnung.

Vor nicht allzu langer Zeit, in unserer Galaxie. Es tobt ein unerbittlicher Kampf zwischen dem Imperium der Korporationen und der Star-Wars-Community. Seitdem George Lucas der dunklen Seite des Merchandising verfallen ist, hat er Dollarzeichen auf seinen Augäpfeln und treibt als Darth Lucas sein Unwesen auf den Leinwänden dieses Universums. 1999 startet er mit Jar Jar Binks in «The Phantom Menace» einen fiesen Angriff auf seine ehemaligen Verbündeten, die Star-Wars-Community. Die Kinder jedoch lieben Jar Jar Binks und Darth Lucas meint: «Was diese sogenannten Fans nicht verstehen, ist, dass die Star-Wars-Filme für Kinder sind.» Als Strafe für das Aufbegehren der Fan-Community gibt Lucas seinem nächsten Angriff den Arbeitstitel «Episode II: Jar Jar’s Great Adventure».

Die Star-Wars-Community formiert sich zu einer Rebellion und schneidet George Lucas‘ Angriffe nach ihrem Gusto. Sie veröffentlicht diese Fan-Cuts in der immer schneller und grösser werdenden Internet-Galaxie. So öffnet sie den Weg in den Communitism, in dem mithilfe der sozialen Medien eine Demokratisierung von ehemals profitorientierten Strukturen geschaffen wird. Was die Rebellion nicht weiss, ist, dass sie auf diese Weise dem Lucas-Imperium noch mehr Aufmerksamkeit und Macht schenkt. Zehn Jahre später verkauft Darth Lucas sein Imperium zwei noch böseren und machtgierigeren Unternehmen: Electronic Arts und Disney. Mit ihrer ultimativen Waffe, Geld, schaffen sie es, zwei bildhübsche, aber inhaltsleere Star-Wars-Produkte zu schaffen: Die Sequel-Trilogie und zwei Battlefront-Games. Die hinterlistige EA-Disney-Achse baut in die Filme Merchandising-Werbung und in die Videospiele In-Game-Käufe, die spassiges Spielen verunmöglichen. Die Star-Wars-Community wünscht sich Darth Lucas zurück.

In der grossen Twitter- und Redditschlacht von 2017 passiert ein Wunder: Die Rebellion schafft es, EA dazu zu bewegen, In-Game-Käufe aus Battlefront 2 zu entfernen. Mit dem most downgevoteten EA-Kommentar auf Reddit schafft es die Rebellion ins Guinness-Buch der Rekorde. 2019 ist Star Wars: Battlefront 2 spielbar und (immer noch) wunderhübsch. eSport-Propheten handeln das Spiel sogar als nächsten eSports-Knaller. Und tatsächlich: Man kann sich vorstellen, dass Battlefront-Matches sogar von Videospiel-unberührten Bewohnerinnen und Bewohnern der Galaxie verfolgt werden würden. Aus einer Godmode-Perspektive wären solche Battlefront-Matches spannender und Star-Wars-getreuer als die Verhunzung auf der Leinwand. Was lehrt uns diese Geschichte? Habt keine Furcht vor grossen Unternehmen. Denn Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid. Es möge die Macht mit Euch sein.

mm

Heiri Weingartner

Kolumnist

Heiri ist studierter Philosoph und ihn fasziniert die «achte Kunst» der Videospiele genauso wie Gedankenexperimente von Immanuel Kant. Seine Kolumne untersucht das Kulturphänomen eSports kritisch und hintersinnig. In seiner Freizeit klaut Heinrich Autos und wirft mit Bananenschalen um sich, in «GTA V» und «Mario Kart 64». Oder er guckt Let’s-Plays von «Vanossgaming».

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