Kommentar: Brime, DLive, Trovo oder doch Twitch?

In den letzten Tagen kochten die Gerüchteküchen auf Hochtouren. Meist bestelltes Gericht? Grosse Streamer und ihre Plattformen. Über beiden begehrten nun Stream-Junggesellen Ninja und Shroud und auch über den neu auf Twitch gebannten Dr. Disrespect gab es eimerweise Meldungen, Mitteilungen, Vermutungen und Ansagen. Wie viele davon bestätigt wurden? Jap, richtig geraten.

Alles fing mit der Hiobsbotschaft am 23. Juni an: Mixer schliesst seine Pforten und ‚übergibt sich‘ an Facebook Gaming. An dieser Stelle interessant finde ich, dass Facebook Gaming innerhalb der hart gesottenen Gaming-Community auf eine Art dieselbe Antipathie zu spüren bekommt (schon immer ein bisschen bekommen hat) wie Mixer zu damals. Für die ‚echten‘ Gamer scheint es momentan nur Twitch und Youtube zu geben, alles andere wird belächelt oder gar verhöhnt.

Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!

Die brodelnde Suppe nochmals kräftig nachgewürzt hat ein weiteres Happening auf Twitch: Der Ban von Dr. Disrespect, seines Zeichens einer der grössten Streamer der Plattform. Doch Twitch hat nicht nur seinen Account gesperrt: Mehrere Doc-Abonennten haben gemeldet, dass ihre Dr. Disrespect-Subscription annuliert und zurückerstattet worden sei und die Doc-Emotes von der gesamten Plattform entfernt wurden. Offensichtlich mehr als nur ein einfacher Ban, aufgrund eines Nippelblitzers oder dem Doc-typischen, ausgeprägten Fluchen. Wir haben euch an dieser Stelle seine letzten Momente auf der violetten Plattform angehängt. Wir sind uns ziemlich sicher: Wir sind nicht die Einzigen, die beim Schauen dieser Sequenz etwas verspüren.

Und an dem Punkt wird die gesamte Geschichte erst richtig interessant. Ihr erinnert euch an Ninja und Shroud? Die beiden Herren, die von Twitch zu Mixer gewechselt waren und nun wieder ‚heimatlos‘ dastehen. Wie es in solchen Kreisen üblich ist, pflegen Doc und Shroud ein sehr gutes, kollegiales sowie geschäftliches Verhältnis und auch Ninja hat bereits mit Shroud und Doc zu tun gehabt.

Gehen die 3 zusammen in Urlaub?

Kein Wunder also wurde das Internet mit Vermutungen und wirren Theorien geflutet, als den Leuten bewusst wurde, dass 3 der grössten Ex-Namen auf Twitch momentan ohne feste Bleibe unterwegs sind. Die genannten Herren waren die letzten Wochen auch fleissig am streamen und sind zurzeit auf dem Zenit ihres Hypes; die Vermutung, dass sie mit dem Streaming aufhören würden, liegt mir daher eher fern.

Vielmehr erhärtet sich in den letzten Tagen der Verdacht, dass die 3 Streamer-Musketiere vielleicht ein eigenes Projekt planen. Und an dieser Stelle kommen BRIME, DLIVE, TROVO und wie sie alle heissen ins Spiel. Ein paar dieser Plattformen haben bereits prominente Namen hinter sich stehen (bei Trovo zum Beispiel Tencent) und die anderen schauen zu, dass sie bei Möglichkeit mit dem Streaming-Triforce Ninja-Doc-Shroud zusammenspannen können.

Aber auch da: Alles Gerüchte.

Unabhängig davon: Warum ist es gut, wenn mehrere Streaming-Dienste existieren?

Ein Monopol? Nein Danke.

Es ist eigentlich nicht kompliziert: Je mehr Streaming-Anbieter existieren, umso besser werden die Konditionen. Sowohl für den Streamer, als auch für den Konsumenten. Ich vergleiche das Streaming-Ökosystem und seine Plattformen gerne mit einer Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage regieren absolut, Konkurrenz schürt Innovation. Wenn plötzlich mehrere Plattformen um Zuschauer und grosse Namen buhlen, kann dies eigentlich nur Gutes für uns und unsere Streamer heissen.

Bleiben wir noch kurz bei Konkurrenz und Innovation. Stellt euch vor, in der Schweiz gäbe es nur einen einzigen Telekomanbieter. Das heisst, in der gesamten Schweiz bestimmt nun einzig und allein dieser Marktführer, wann, wo, wie teuer was gesendet wird, in Extremfällen noch zu welcher Uhrzeit und im schlimmsten Fall nur noch von Gruppen mit einer gewissen politischen oder sexuellen Orientierung. Sobald ein Mitbewerber im Spiel ist, ist es vorbei mit  Knebelverträgen und Monopol. Achtung: Bewusst stark ausgedrückt.

Ok und jetzt?

Und so ähnlich verhält es sich mit dem Streaming. Schon Mixer war ein grosser Schritt in die richtige Richtung und zwang Twitch dazu, viele Verträge und Richtlinien anzupassen. Versteht mich nicht falsch: Ich finde Twitch keine schlechte Sache, ich streame selber auf TTV. Aber ich finde es extrem sinnvoll, über mehrere Plattformen und Anbieter verfügen zu können, sowohl als Streamer, als auch als Konsument.

Und da kommen die New Kids on the Block ins Spiel. Egal ob BRIME, STING, TROVO oder DLIVE. Andere Streaming Plattformen bringen frischen Wind in die Szene und sorgen dafür, dass sich alle auf dem Markt immer wieder dezent neu erfinden müssen. Und da müssen auch keine grossen Namen dahinter stehen – ein aständiges Budget und eine gute Idee reichen schon.

Falls ich also wiedermal ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen will, kann ich zukünftig hoffentlich für ein paar Tage auf BRIME oder TROVO ausweichen. Nur für den Fall, dass mir Twitch seinen Support gegenüber ‚Katzenwerfern‘ ein wenig zu offensichtlich darlegt.

 

Reto out.

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Reto Canova

Moderator & Content Marketing

Reto berichtet passioniert und stets gut gelaunt - sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch - über aktuelle Geschehnisse in der Schweizer eSports-Szene. Als Gaming-Enthusiast der ersten Stunde und selbst kompetitiver Spieler befragt er eSports-Persönlichkeiten zu Strategien, analysiert Spielzüge oder bekämpft andere Tryhards online. In letzter Zeit trifft man ihn des Öfteren auch auf Twitch an.

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