Kommentar: Fantasy Basel – The Swiss Comic Con?

Nach zwei Jahren Pause kehrte die Fantasy Basel für die bereits 6. Ausgabe zurück in die Messe Basel. 45’000 Besucher pilgerten an die Convention, die unter speziellen Auflagen durchgeführt wurde. Viel verändert hat sich in der Zwangspause aber nicht.

Die Fantasy Basel wurde nach zwei Jahren Zwangspause wieder durchgeführt und lockte gleich wieder 45’000 Besucher über drei Tage an. Das liegt unter dem bisherigen Rekord von 54’000 Teilnehmern, trotzdem zeigen sich die Veranstalter zufrieden: „Wir haben den Beweis erbracht, dass es wieder möglich ist, Publikum für einen grossen Messeevent begeistern zu können und dass eine sichere Messe möglich ist, an der sich die Besuchenden wohl fühlen“, lässt sich Veranstalter Martin Schorno in einer Medienmitteilung zitieren. Schorno weiter: „Ausserdem geht es uns generell nicht darum, neue Rekorde aufzustellen, sondern einen Event zu gestalten, der für jede Besucherin und jeden Besucher – ob gross oder klein, ob alt oder jung – ein fröhliches Erlebnis bietet und eine einzigartig gute Stimmung verbreitet.“

Die Fantasy Basel ist inzwischen einer der wichtigsten Events der verschiedenen Schweizer „Nerd-Communitys“. Und grösste. Wird die Fantasy dieser Position im 2021 aber noch gerecht?

Grossraum statt Themenbereiche

70’000 Quadratmeter, auf denen die Fantasy Basel 2021 stattfand, sind eine Menge Platz. Diese wollen auch entsprechend mit Inhalten und Attraktionen gefüllt werden. Im Gegensatz zur letzten „richtigen“ Fantasy Basel, fand die diesjährige exklusiv im Herzog & de Meuronsche Messe-Neubau Basels statt. Bis anhin war das Angebot über verschiedene Hallen verteilt, wobei der Hauptteil im alten, kreisförmigen Gebäude angesiedelt.

Diese Verlegung brachte einige Änderungen mit sich: Die Fantasy Basel 2021 war ziemlich weitläufig und es war entsprechend schwieriger die Orientierung zu haben, in welchem „Themenbereich“ man sich gerade befand. Die zwei grossen Hallen waren gespickt mit verschiedenen Ständen, die nahtlos von Food in Gaming, Cosplay, Kunst, Mittelalter, Tattoo, etc. überging. Das alte Bauwerk bot da durch das kreisförmige Layout eine gewisse Abgrenzung zwischen den Themenblocks.

Die Geräuschkulisse hingegen zog sich verstärkt durch den ganzen Komplex. Begleitet wurde von einem Potpurri aus Essensgeruch und die Abgase der Street-Artists, die mit Spraydosen wundervolle Werke auf die Leinwände zauberten. Wer sich aber zu lange in der Nähe des künstlerischen Schaffens aufhielt, hatte danach einen ziemlich leichten Kopf.

Vorteil des neuen Layouts war definitiv die einfachere Möglichkeit, ununterbrochen durch das Angebot zu schlendern und so über Neuentdeckungen zu stolpern. Gleich blieb der Status der Main-Stage, die auch dieses Jahr in einer seperaten Halle aufgebaut wurde, die man gezielt ansteuern musste

„Ach, die auch wieder hier“

Nach inzwischen sechs Ausgaben, hat die Fantasy Basel gewisse „Staple“-Aussteller, die man jährlich antreffen kann. Diese teilt sie sich zu einem grossen Teil mit der Zurich Game Show, die vom selben Veranstalter durchgeführt wird. Da sind die Waffenstände, die jegliche Fantasyschwerter verschiedener Franchises anbieten, dort die Retro-Gamestations, an denen die Nostalgie nochmals hochgepusht werden kann, und hier die Stände der Filmindustrie, die Werbung für aktuelle Filme machen, die in den nächsten Wochen in die Kinos kommen. 

Der „Billig Jakob“ der Animefiguren preiste seine neusten Statuen an, Schweizer Nerdshops haben ihr Inventar nach Basel gezogen, um dort mit 10% Convention-Rabatt aufzutrumpfen, und Gamepublisher zeigen… stimmt, die haben dieses Jahr gefehlt.

The Swiss Comic-Con?

Die Fantasy Basel hat grossen Spass gemacht. Den Grossteil machen die Besucher und Communitys aus, die sich in den Basler Messehallen treffen. Damit sich die Fantasy Basel effekti als „The Swiss Comic Con“ positionieren kann, fehlen zwei wichtige Aspekte einer Comic-Con, die uns neidisch nach Übersee blicken lassen: Exklusivitäten und Ankündigungen.

Ja, es gibt „exklusive“ Gäste wie „Schaupspiel-Stars [sic!] wie Anna Shaffer, Dean Cain oder Torrance Coombs“, bei denen man aber zuerst mal googeln muss, welche Rollen die nochmals in ihren Filmen und Serien spielten. Diese waren für Talks und Autogrammstunden an der Messe. Grosse Anstürme bei den Foto- und Autogrammbooths blieben aber aus.

Neuankündigungen suchte man Vergebens. Die präsentierten Filme und Trailer boten nichts Neues. Venom 2 wird schon in zwei Wochen in unseren Kinos erscheinen, Ghostbusters: Afterlife kommt ebenfalls noch vor Weihnachten in die Filmtheater. Was fehlte sind Teaser und Präsentationen bekannter Filmvertreiber, exklusive Giveaways, die es nur an der Fantasy Basel gibt.

Denn das sind doch die Programmpunkte, die Nerds aus aller Welt ins Portemonnaie greifen lassen, um sich einen Ausflug nach zum Beispiel San Diego zu leisten. Dort läuft man mit leeren Säcken in die Convention rein und kommt mit unzähligen Goodies und Exklusivmerchandise Abends wieder nach Hause.

An der Fantasy Basel öffnen Besucher vor Ort regelmässig ihr Portemonnaie, um etwas zu ergattern, das es eigentlich auch im Online-Shop des Standbetreibers geben würde.

Gaming und eSports

Natürlich besuchten wir die Fantasy Basel aufgrund unseres redaktionellen Auftrags vor allem mit der Gaming- und eSports-Brille. Da die Zurich Game Show dieses Jahr ausfiel, gab die Fantasy im Vorfeld bekannt, dass die Gamingmesse ein Gastspiel haben wird in Basel. Entsprechend höher war also die Erwartungshaltung, dass da mehr an Gaming geboten wird.

Babos Gaming hatte als einzige Schweizer Organisation einen Stand, an dem sie sich präsentierten. Ein paar Nintendo Switches waren aufgestellt, auf denen man Smash spielen konnte. Das war der eSports-Teil. Wenn man will, kann man noch die Gaming-Area dazuzählen, in der Joule Performance rund 100 Top-PCs zur Verfügung stellte. Darauf konnte man zocken. 

VR-Gaming wurde ebenfalls in verschiedenen Facetten präsentiert, Giant Games – Entwickler des Landwirtschaftssimulators – war mit einem kleinen Stand vertreten. Sie entschieden sich dafür, dieses Jahr an der OLMA, die gleichzeitig stattfand, mit ihrem Grossaufgebot vertreten zu sein.

Fast vergessen hätten wir den Stand der Simracing-Liga Racing Unleashed, der – komischerweise – nicht bei den restlichen Gaming-Ständen zu finden war, sondern zwischen Museen und Community-Ständen.

Dafür konnte man am Swiss Games-Booth coole Neuigkeiten und Previews anspielen. Hobocat ist zurzeit der Überraschungshit in Schweizer Kreisen, die dort vertreten waren. Oder „Wandering Village“, der neuste Streich aus dem Hause Stray Fawn Studios konnte man mal anzocken. Die Entwickler selbst waren vor Ort und gaben Insights über ihre Werke – alles in allem ein sehr gelungener Stand.

Die grossen Publisher waren nicht vor Ort. Dafür kommt ja dann die Zurich Game Show im 2022.

Und sonst?

Natürlich musste die Fantasy Basel aufgrund der Sicherheitsauflagen ein wenig anders operieren. Beim Einlass wurde das notwendige Zertifikat kontrolliert, was sehr geschmeidig vonstatten ging. Wer noch kein Zertifikat hatte, konnte sich gleich vor Ort testen lassen. Das stellte sich allerdings als komplizierter heraus, als gedacht. Getestete mussten bis zu drei Stunden (!) auf ihr Resultat warten, bevor sie die Messe überhaupt betreten konnten. Da reagierte die Fantasy schnell und bot den Wartenden entweder eine Rückerstattung oder ein Upgrade vom Tagespass zum Silver Ticket an. Gut gelöst.

Wir waren als Medien akkreditiert und konnten die Messe daher gratis besuchen. Ein Tagesticket kostete die Besucher rund 40 Franken. Wer nur ein Tagesticket hatte, durfte das Messeareal nicht verlassen, denn ein Wiedereintritt war nicht möglich.

Ich weiss nicht, ob ich als Besucher zufrieden gewesen wäre. Und das sage ich als grosser Nerd und Fan jeglicher Themen, die an der Fantasy präsentiert werden. Das sage ich vor allem als „Stammgast“. Nach der sechsten Ausgabe der Fantasy Basel frage ich mich, ob mich die Messe nächstes Jahr nochmals anlocken kann, wenn nicht mehr Neues geboten wird. Denn ein siebtes Mal muss ich dasselbe Programm nicht nochmals sehen.

Dabei will ich doch, dass die Fantasy Basel sich als „The Swiss Comic Con“ etablieren kann. Dafür muss man aber auch wie eine Comic Con agieren und sich präsentieren. Irgendwann sind auch Schweizer Nerds nicht mehr nur „dankbar“, dass ein solcher Event existiert. Hoffentlich.

 

Nathan Leuenberger

Projektleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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