Kommentar: Gamer sind schon lange im Metaverse

Brauchen wir das Metaverse? Und NFT? Gamer nicht, da ist sich Redaktionsleiter Nathan einig. Denn wir kennen das alles schon.

Das Buzzword der Stunde ist „Metaverse“. Seit Mark Zuckerberg die Namensänderung seiner Firma von Facebook zu Meta angekündigt hat, springen Spezialisten und Consultants aus allen Löchern.

Plötzlich muss jedes Business und jeder Anbieter in einer Form im Metaverse vertreten sein. Die Welt soll nicht nur real existieren, sondern auch in einer Parallelwelt digital. Dies soll vor allem Firmen einen Auftritt in der Welt der jungen Generation versprechen.

Mit ihren Avataren entdecken diese digitale Geschäfte der Zukunft, kaufen sich virtuelle Kleidung, um damit anzugeben und entdecken Welten, die es nur im Internet zu finden gibt.

Moment Halt Stopp.

Das kommt mir doch bekannt vor?

Du bist zu langsam, Boomer

All diese Versprechen, die das Metaverse nun aufstellen will ist nichts anderes als ein MMORPG – einfach ohne den Spassfaktor. Für die Uneingeweihten: MMORPG steht für Massive Multiplayer Online Roleplaying Game.

Auch wenn man vielleicht nicht viel mit Games am Hut hat, dürfte man in den letzten Jahren sicher mal über „World of Warcraft“ gestolpert sein, das auch in verbreiteten Medien erwähnt wurde. World of Warcraft ist inzwischen bald 18 Jahre alt und es war nicht mal das erste Spiel seiner Art, sondern nur jenes, welches das Genre populär gemacht hat.

MMORPG sind schon viel älter, die ersten erschienen sogar noch vor den 90ern. Das ist 30 Jahre her!

Nun soll also mithilfe der Blockchain und Social Media dasselbe Konzept nochmals aufgegriffen und in unzähligen Metaversen abgebildet werden. Ohne wirklichen Mehrwert.

Als der Begriff Metaverse in den letzten Wochen zu trenden begann, verbreitete sich auf vielen Social Channels ein Clip des amerikanischen Detailhändlers Walmart, der die Shopping-Experience im Metaverse visualisierte.

Ja, jetzt der Knaller: Der Clip stammt auch schon wieder aus dem Jahr 2017.

Keine Verwendung für NFT

Zusammen mit dem Metaversum, plagen auch sogenannte NFT – Non-Fungible-Token – zurzeit das Internet. Das Versprechen dahinter ist, dass man digitales Gut erwerben kann, zum Beispiel ein virtuelles Bild. Für sein Geld erhält man ein Zertifikat, das aussagt, dass das digitale Gut der Person gehört. Damit kann man dann machen was man will, zum Beispiel löschen oder weiterverkaufen.

Damit erreicht man jedoch gar nichts, denn gerade digitale Bilder existieren in unendlicher Stückzahl in der virtuellen Welt. Alles was man hat ist ein Zertifikat, dass dem Eigentümer die Ware gehören soll.

Natürlich hat man auch versucht, diesen Digitaltrend bereits ins Gaming zu überführen, es gibt auch bereits Games, die komplett auf dem NFT-Konzept aufbauen. Eine grosse Anhängerschaft kann bis jetzt keines davon verzeichnen.

Wie jedes Jahr findet auch 2022 die Game Developers Conference statt, bei der sich Spieleentwickler aus allen Bereichen treffen, um über das Geschäft und Ideen zu sprechen. Im Vorfeld verschicken die Organisatoren jeweils einen kleinen Fragegbogen, den die Besucher ausfüllen.

Dieses Jahr finden sich darauf auch Fragen zum Metaverse und dem Potential für die Gaming-Industrie. Genauer gehen die Fragen auf NFT ein, die ebenso im weltweiten Gespräch sind.

Über 70% der Befragten sehen laut den Antworten keinen Mehrwert von NFT im Gaming.

Alle Konzepte der NFT gibt es bereits im Gaming. Auf jedem League of Legends Account besitzen Spieler verschiedene Skins und Champions, digitale Produkte, die den Kontoinhabern virtuell zugeschrieben wurden.

Ubisoft versuchte übrigens mit „Quartz“ bereits NFT in ihre Gaming-Metaverse einzubringen. Und sind kläglich gescheitert.

Die Welt von morgen, schon heute

Wer sich wirklich für die Technologie des Metaverse und den Möglichkeiten interessiert, sollte sich nicht bei frisch betitelten Consultants umsehen, sondern bei Gamern und Game Developern.

Diese haben das Konzept schon längst verstanden und leben es bereits. Microsoft Gaming-Boss Phil Spencer berichtete unlängst davon, wie er ein Meeting im Spiel Elder Scrolls Online abhielt. Mit seinem Avatar, traf er sich mit wichtigen Stakeholdern des Spiels In-Game, um über die Zukunft des Projekts zu sprechen.

Es braucht keine Mark Zuckerbergs, um das Metaverse von morgen zu erfinden. Es braucht die Entwickler von heute, die mit ihren Arbeiten fortfahren, die virtuelle Welt von heute stetig weiterzuentwickeln. Denn was ist Fortnite heutzutage, wenn nicht die grösste Marketing-Möglichkeit im Gaming-Metaverse?

Unter dem Strich sind weder das Metaverse, noch NFT eine wirkliche Innovation.

Denn über etwas habe ich bis jetzt noch gar nicht geschrieben: Second Life.

Nathan Leuenberger

Projektleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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