eSports Nation Schweiz

Kommentar: Lage der eSports-Nation Schweiz

Events sind abgesagt, eine Pandemie wütet in der Welt und der Schweizer eSport entwickelt sich prächtig. Ok, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Ein Kommentar.

Die erste Hälfte 2020 ist bald vorbei – oder vielleicht wohl eher «geschafft». Mit einem derartigen Chaos hat an Silvester niemand gerechnet. Wir schmiedeten Pläne, legten uns Eventkalender zurecht, freuten uns auf unzählige Live-Momente. «Dank» einem gewissen Virus, welches an dieser Stelle nicht genannt wird, da es das einfach nicht verdient hat, durften wir diese Pläne alle wieder über den Haufen werfen und begraben.

Nichts war mit LAN-Partys, Conventions oder grosse Offline-Finalspiele. Schade. Und trotzdem: Der Schweizer eSport wächst, als könnte ihn nichts mehr aufhalten.

Wir sind international!

In den letzten Monaten durften wir über einige Erfolgsstorys berichten, die vor allem internationaler Natur waren. Klar, denn ohne grosse Offline-Events läuft in der Schweiz oberflächlich auch herzlich wenig.  Gerade jetzt würden wir uns in der Jahreszeit befinden, in der eine Veranstaltung die nächste jagt. Stattdessen wirkt auch der Schweizer eSport ein wenig entschleunigt. Nationale Ligen kommen und gehen, Überraschungen passieren, einfach alles online und via Stream.

Während die «realen» Grenzen noch geschlossen sind, setzt sich der Schweizer eSport über diese hinweg. League of Legends-Spieler Pride ist erfolgreich mit dem Fnatic Academy-Team in England unterwegs, sein Disziplin-Kollege Bando gewinnt mit dem französischen Team LDLC gleich die European Masters und mit BDS Esports hat sich eine internationale Organisation in der Schweiz niedergelassen, die von hier aus in den ganz grossen Ligen mitmischt.

Und während sich eSports-Kenner über solche Erfolgsgeschichten freuen, werden «Casuals» an das Thema herangeführt. Mit Events wie den Eishockey ePlayoffs, der digitalen Durchführung der Formel E und Formel 1, oder die Eishockey-Weltmeisterschaft auf dem digitalen Eis. Die Grenzen zwischen Sport und eSport sind gesprengt, die kompetitive Unterhaltung obsiegt.

mYinsanity treibt mich in den Wahnsinn

Innert kürzester Zeit wurde die Schweiz Teil von Ligen mit Bedeutung. Die League of Legends Prime League gehört fest zum Riot eSports-Universum, genauso die frisch lancierte Rainbow 6 GSA League – beides offizielle Ligen für den DACH-Raum, die im jeweiligen eSports-Kosmos fest verankert sind. Und welche Organisation ist bei beiden Ligen der einzige Schweizer Vertreter? Genau. mYinsanity.

So gern ich andere Schweizer Organisationen, die ebenfalls unglaublich hart arbeiten, öfters in den Vordergrund rücken möchte, ist es eben das blauweisse Team mit der Voodoo-Puppe, an dem zurzeit kein Weg dran vorbeiführt. Damit müssen leben.

Denn obwohl mYi unser einziger Schweizer Vertreter in den DACH-Ligen ist, heisst es nicht, dass sie mit Abstand die besten Spieler sind. Die Schweiz hat eine unglaublich grosse Talentdichte, die sich immer wieder gerne selbst ausbremst. Das Rainbow 6-Team von mYi ist stark, mit grossem Potenzial. In der Schweiz lauern aber bereits andere Teams, die ihm locker das Wasser reichen könnten. Die grösste Stärke der mYi-Jungs? Team-Konsistenz. Während bei anderen Organisationen Spieler ausgewechselt werden, Teams wegen Kleinigkeiten auseinanderbrechen, kann das mYi-Roster in dieser Hinsicht überzeugen. Auch nicht perfekt, aber es trägt sicherlich zu einer Konsistenz bei, die nun noch gefragter ist, als je zuvor.

Kill your Ego

Dass die Schweiz kleiner ist als unsere Nachbarn, muss uns hinsichtlich eSports nicht aufhalten. Man darf nicht Angst haben vor den «grossen deutschen Teams». Mit gesundem Selbstbewusstsein nach vorne treten, Leistung abliefern, überzeugen. Im Gegensatz zu vorhergehenden Jahren ist die Schweiz jetzt auf der Karte. Wir sind Teil von Regionalligen von Bedeutung, Teil des grossen eSports-Ökosystems. Darauf hat man doch gewartet, oder? Dafür wurden unzählige Stunden trainiert, Teams zusammengestellt und Pokale in die Luft gestemmt.

Jetzt ist die Zeit gekommen, um zu beweisen, dass die Schweiz eine eSports-Nation ist.

Teams, arbeitet an eurer Konsistenz!

Organisationen, gebt euren Spielern Social Media-Training und zeigt Mut!

Spieler, springt über euer Ego, jetzt ist Teamwork gefragt!

Was letztes Jahr noch ein unrealistischer Traum schien, könnte bis 2021 für viele Realität werden: Mit den ganz grossen Namen mitspielen – vielleicht sogar selbst ein bekannter Name über die Schweizer Grenze hinaus zu sein. eSports entwickelt sich stetig weiter. Entwickeln wir uns mit ihm.

Nathan Leuenberger

Projektleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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