Sony Microsoft Kauf

Kommentar: Microsofts und Sonys Shoppingtour ist noch nicht vorbei

Sony kauft Bungie, Microsoft kauft Activision Blizzard – der Konsolenkrieg hat eine neue Stufe erreicht. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein.

Das neue Jahr hat für die Videospielindustrie mit einem Knall begonnen: Microsoft hat Activision Blizzard für rund 70 Milliarden Dollar gekauft. Zuvor hatte Take Two den Mobile-Games-Entwickler Zynga für 12.7 Milliarden gekauft. Und diese Woche nun die nächste Schlagzeile: Sony kauft Bungie für „nur“ 3.6 Milliarden. Es herrscht Kauflaune in der Game-Industrie. Alleine im Januar wurde gleich viel Geld für solche Deals ausgeben wie während des gesamten letzten Jahres, wie Analyst Daniel Ahmad bemerkt:

Sony will Live Service Games

Wer Sonys Kauf von Bungie nun als Antwort an Microsoft versteht, liegt aber falsch. Solche Milliardendeals entstehen nicht über Nacht, sondern werden monate- oder sogar jahrelang verhandelt. Sony ist aus mehreren Gründen an Bungie interessiert: Einerseits fehlte Playstation schon immer ein eigener Ego-Shooter. Killzone war zwar Playstations Versuch, einen Halo-Killer zu erschaffen, aber die Reihe konnte trotz grossem Erfolg nie mit Microsofts Shooter mithalten. Wen gibt es also Besseres, um einen Halo-Konkurrenten zu entwickeln, als die Erschaffer von Halo selbst? Zusätzlich will Sony vermehrt auf Live Service Games setzen. Ganze zehn solcher Games sollen bis März 2026 veröffentlicht werden.

Bungie haben mit Destiny ihre Expertise in diesem Bereich bereits bewiesen, denn das Game besitzt immer noch eine treue Community. Auch zum jetzigen Zeitpunkt – gegen Ende Season und kurz vor Expansionlaunch – sind täglich noch fast 1 Mio. Spieler online.

Destinys nächstes DLC wurde schon eine Million Mal vorbestellt, wie Bungie diese Woche bekannt gab. Dieses Wissen will Sony nun für sich selbst nutzen. Ausserdem will Playstation auch im eSport weiter ausbauen – ein eigener Shooter würde dabei sicher helfen.

Bungie wird aber nicht der letzte solche Kauf sein. Die nächsten Deals sind schon in der Pipeline, wie Game-Awards-Gründer Geoff Keighley auf Twitter schon bestätigte:

Ein neuer Konsolenkrieg?

Doch was heisst das alles für die Gamer und Gamerinnen? Fallen wir wieder in die Konsolenkriege der 90er-Jahre zurück? Wird man alle Konsolen besitzen müssen, um alle grossen Titel spielen zu können? Wahrscheinlich nicht.

Denn die Konsolen verlieren immer mehr an Bedeutung. Crossplay ist inzwischen bei den meisten Games angekommen. Sowohl Microsoft wie auch Sony experimentieren mit Cloudgaming. Und während Microsoft schon länger seine Games auch auf PC released, ist inzwischen auch Sony auf den Geschmack gekommen, wie die PC-Versionen von God of War und Uncharted zeigen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass Konsolen ein Verlustgeschäft sind: Die Hardware wird für weniger Geld verkauft, als sie eigentlich wert ist. Für Videospielhersteller wird es deshalb immer interessanter, Games überall zu verkaufen – nicht nur auf Konsolen. Game Pass zeigt bereits, wie die Zukunft aussehen könnte: Abomodelle, in denen Games enthalten sind, die man irgendwo spielen kann – egal ob auf einer Konsole, einem PC oder einem Smartphone.

Um einen solchen Service aber liefern zu können, braucht es Games – nun ist man gut daran, sich diese zu besorgen. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Gründe. Die steigende Inflation zwingt grosse Unternehmen, ihr herumliegendes Geld zu investieren, damit es nicht an Wert verliert. Dass sie dabei aber auch ihre Spielebibliothek auffüllen können, ist ein schöner Nebeneffekt.

Mehr Freiheit

Deshalb: Ja, wir werden noch mehr Käufe sehen. Aber es muss nicht zwingend heissen, dass alle Titel nur exklusiv auf einer Konsole erscheinen werden. Vielmehr wird es neue Abo-Angebote geben. Der Konsolenkrieg verändert sich. Während die Konsolen wohl in den Hintergrund rücken werden, werden die Abos mit der besten Spielauswahl die Nase vorn haben.

Exklusivtitel werden dabei immer noch eine wichtige Rolle einnehmen – worauf man diese Titel letztendlich spielt, wird in Zukunft wohl aber eher zweitrangig sein. Das bringt Vorteile für Gamer und Gamerinnen, da sie mehr Freiheit haben, wie und wo sie spielen wollen. Der Nachteil: Es könnte uns eine Übersättigung an Angeboten bevorstehen, wie wir sie schon bei Streaming-Diensten sehen.

Federico Gagliano

Online- Redaktor

Es war ein Nintendo 64 unter dem Weihnachtsbaum, der seine lebenslange Liebe zu Videospielen entfachte. Seitdem beschäftigt sich Federico mit allem, was mit Games zu tun hat. Nur die gelegentliche Jagd nach Playstation-Trophies lenkt ihn dabei ab.

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