Lootboxen – gekommen, um zu bleiben

Lootboxen und andere (neue) Geldquellen verschwinden nicht mehr aus Games. Schlimm ist das nicht. Aber es braucht gewisse Regeln. 

Der Missbrauch und überbordende Gebrauch von Lootboxen machen sie zu einem der kontroversesten Videospiel-“Features“ der letzten Jahre. Kann das Spiel bei Verzicht auf die Beutekisten nicht mehr in einem erträglichen Rahmen erfolgreich absolviert werden und fehlt die Möglichkeit, besonders starke Gegenstände auch über normales Gameplay zu erspielen, leidet der Spielspass.

Lootboxen bei Vollpreistiteln und Spielen ohne echten Multiplayer-Modus sind eine neuere Erscheinung und ein Zeichen, dass jeder Publisher etwas vom Mikrotransaktions-Kuchen abhaben möchte. Geht es nur um kosmetische Veränderungen, und sind die Inhalte nicht alle Box-exklusiv, so herrscht definitiv mehr Akzeptanz in der Community.

In-Game Käufe als neues Statussymbol

Es bleibt zu hoffen, dass die Publisher umdenken und merken, wie weit Lootboxen gehen können und wo Schluss sein muss. Ankündigungen auf der E3, wonach grosse zukünftige Titel wie Battlefield V ohne Lootboxen auf den Markt kommen werden lassen darauf hoffen. Spiele wie Epics rekordbrechender Battle Royal Titel Fortnite machen vor, wie Monetarisierung aussehen kann: Hier können Items mit Ingame-Cash direkt gekauft werden, ganz ohne Mysterium.

Obwohl nur kosmetisch, sorgen die Ingame-Angebote in Fortnite für Diskussionen. Bild: epicgames.com

Gerade in kompetitiven Onlinespielen ist es enorm wichtig, dass keine Spielvorteile erkauft werden können, und der Fokus auf kosmetischen Veränderungen liegt. Allerdings offenbart sich gerade hier – zumindest bei Fortnite – eine neue Herausforderung. In-Game Käufe in Form von Kostümen sind gerade unter Jugendlichen neues Statussymbol wie es früher vielleicht trendige Sneaker waren. Regeln sind also wichtig.

Lootboxen-Verbot in der Schweiz würde wenig bewirken

Beim Thema Lootboxen sind sich sowohl Spieler als auch Behörden dahingehend einig, dass man sagen muss „es kommt darauf an“. Während Holland und Belgien mit Verboten die Publisher ins Schwitzen bringen, wählt Frankreich derzeit noch einen abwartenden Ansatz. In der Schweiz ist die Thematik mittlerweile definitiv auf dem Radar der Behörden angekommen, man wartet aber auch noch ab. Würden mehr Länder Gesetze gegen Lootboxen verabschieden, so könnte das die Publisher zu einem globalen Umdenken zwingen.

Viele Länder, viele Handhabungen. Von einem globalen Umgang mit Lootboxen sind wir weite entfernt.

Sonderregelungen für einzelne Märkte sind immer mit zusätzlichen Entwicklungskosten verbunden, vor allem wenn die Änderungen nach Release aufgrund einer Änderung in der Gesetzeslage erfolgen müssen. Entscheiden sich grössere Länder mit genügend Marktpotenzial für ein Verbot, liegt die Überlegung nahe, statt Sonderregellungen neue Einnahmequellen zu schaffen, die global ausgerollt werden können. Wenn keine weiteren Länder mitziehen, wird ein Verbot in der Schweiz einen solchen Effekt voraussichtlich nicht bewirken können.

Lootboxen – hui oder pfui?

Wer weiss, hätte es EA mit Battlefront 2 nicht zu weit getrieben, so den Zorn der Spieler auf sich gezogen und damit grosses Medieninteresse geweckt, wäre die Glücksspielthematik in Videospielen vielleicht noch nicht auf dem Schirm der Behörden in Europa aufgetaucht. Immerhin sind Lootboxen per se keine neue Erfindung. Fest steht jedoch, dass Publisher neue Wege finden werden, ihre Spiele zu monetarisieren, um die steigenden Entwicklungskosten auszugleichen, denen ein tendenziell sinkender Verkaufspreis pro Titel gegenübersteht.

Wie ist deine Meinung zu Lootboxen? In welchem Game findet ihr sie in Ordnung, und in welchem gehen sie gar nicht

Die ganze Lootboxen-Serie im Überblick

Teil 1: Von der verpönten Mikrotransaktion zum milliardenschweren Lootboxen-Business

Teil 2: Lootboxen und ihr Weg in den Westen

Teil 3: Lootboxen in der Schweiz unter dem Radar

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Ronja Antesberger

Freie Redakteurin

Ronja spielt, seit sie sich ihren ersten eigenen PC leisten konnte. Besonders MMOs, RPGs und Echtzeitstrategie sind ihr virtueller Lebensraum, ebenso wie spannende Indies mit interessanten Spielkonzepten. Als überaus kommunikationsbedürftige Zockerin streamt Ronja neben dem Freelancen und Schreiben auch auf Twitch und lässt sich in Podcasts regelmässig zu allem rund ums Gamen aus.

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