Lost Ark, how ya hangin’? – So geht’s dem MMO

Seit dem Launch von Lost Ark im Westen sind mittlerweile knapp vier Monate vergangen, wie steht es eigentlich um den MMO-Hit von Smilegate RPG und Amazon, das einen Rekord-Start hinlegte und zum Launch über eine Million gleichzeitige Spieler anzog? Sind die Server noch voll? Gibt es regelmässige interessante Content-Updates und was macht die Langzeitmotivation? Wir bringen euch auf den aktuellen Stand.

Gross gehypte MMOs von Amazon, das lag vielen zum Launch von Lost Ark noch schwer im Magen mit den noch allzu frischen Erinnerungen an New World. Viel gehyped, ewige Warteschlangen, Bugs, Grind und dünnes Endgame. Zwar kämpfte Lost Ark zum Launch auch mit einigen ähnlichen Problemen, doch insbesondere mangelnden Content kann man Smilegate RPGs MMO nun wirklich nicht vorwerfen. Direkt von Anfang an war die Spielmotivation hoch, auch wenn sich Neulinge im Bereich asiatischer MMOs sicher erst einmal an den puren Overload an Interfaces, Aufgaben und Spielsystemen gewöhnen mussten. 

Die Lernkurve von Lost Ark ist am Anfang recht flach gestaltet, Quests erklären die jeweils neuen Funktionen des Spiels, sobald man sie freigeschaltet bekommt. Man wütet wie ein Badass mit fantastisch animierten Skills durch die Startgebiete und fühlt sich wie ein Berserker im Porzellanladen. Wobei das Porzellan in diesem Fall Unmengen an Mobs sind, die wir aus dem Weg schubsen und niederschnetzeln.

Doch relativ bald zieht die Kurve an, eine Flut an neuen Systemen werden vorgestellt und man muss sich entscheiden, was man vielleicht vorerst links liegen lässt, was direkter Aufmerksamheit bedarf und was für einen ganz anderen Playstyle interessant ist. Welche Glyphen brauche ich für meinen Charakter, ab wann muss ich mein Equipment upgraden, was für Ressourcen sollte ich lieber aufheben und welche Kampfitems kann ich auch in kleinen Instanzen verheizen? Hier wird der Anspruch schon knackiger, und was den Spezialisten und MinMaxer in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt, schreckt den einen oder anderen Casual Player schon ab. 

Wie ist der aktuelle Stand auf den Servern und was sind die aktuellen Stärken und auch Probleme von Lost Ark?

Bots, Bots everywhere!

Aktuell verzeichnet Lost Ark laut SteamDB um die 800.000 gleichzeitige Spieler auf Steam, was auf den ersten Blick eine stattliche Zahl ist. Diese Nummer birgt aber gleich eines der grössten Probleme, mit denen Lost Ark Spieler derzeit zu kämpfen haben: Die unzähligen Bots! Wieviele legitime Spieler und Spielerinnen Lost Ark derzeit wirklich aufweist, ist schwer zu sagen. Trotz grosser Anstrengungen seitens Entwickler ist das Botproblem alles andere als behoben und ingame sehr spürbar. Amazon hat seit Launch kontinuerlich grosse Bannwellen gestartet und die Funktionen, die Goldseller und Bots ausnutzen, eingeschränkt und angepasst. Das Problem besteht jedoch leider weiterhin, bisher ist es nicht gelungen, hier effektive Massnahmen zu setzen. 

Die Bots nerven gleich auf mehreren Ebenenen: Mal davon abgesehen, dass die Goldschwemme durch illegitime Verkäufe die Spielwirtschaft negativ beeinflusst und verzerrt, läuft man, wenn man in bestimmten Zonen questet, nur einer unendlichen Reihe an Bots hinterher, die mit ihren Kriegern die Quest-NPCs ablaufen. Der Loot aus Chaosdungeons wurde kadergebunden gepatcht, was zwar eine der Haupteinnahmequellen der Bots eliminiert, aber auch für Spieler, die mit dem Verkauf von Mats im Auktionshaus Gold erwirtschaftet haben, betrifft. Der lokale Chat wurde immerhin dahingehend angepasst, dass es neuen Accounts nicht mehr so einfach möglich ist, Textwände an illegaler Gold-Werbung zu spammen. Von Seiten der Entwickler heisst es, dass weiter mit Hochdruck an der Problematik gearbeitet wird.

Neuer Content, schlechtes Timing

Eines der grössten Content-Updates für Lost Ark bisher war der Argos Abyss Raid im März. Die Freude über den vielversprechenden 8er Raid wurde für viele schnell durch den hohen notwendigen Gearscore getrübt, den auch viele Intensivspieler zum Zeitpunkt des Patches noch nicht erreicht hatten. Das Update kam also für die meisten verfrüht und der initiale Hype verwandelte sich zwischenzeitlich in Grind-Frust, um den neuen Content überhaupt spielen zu können. Amazon versprach Besserung im Timing und in der Kommunikation. Im Mai kam dann mit Valtan der erste Legion Raid, einer neuen anspruchsvolleren Raid-Art in Lost Ark bei dem man gegen einen der grossen Dämonen aus der Story kämpft. Seit Launch wurden mit der Lanzenträgerin und dem Zerstörer zwei neue Klassen released, im Juli folgt mit der Arkanistin die Nummer drei.

Am 1. Juni 2022 wurde die (für Mai versprochene) neue Roadmap veröffentlicht, die neben Informationen über konkrete Inhalte für die nächsten zwei Monate auch anteasert, mit was für Neuerungen Spieler:innen dieses Jahr noch alles rechnen können. Es wird nicht nur alle zwei Monate eine neue Klasse geben, sondern auch neue Dungeons, weitere Legion Raids und vieles mehr. Um mit den neuen Klassen aufholen zu können, wird es um die Updates immer Fortschritt-Events und Powerpasses geben.

Für diesen Monat ist bereits der zweite Legion Raid angekündigt: Es gilt Vykas zu schlagen. Viele hatten gehofft, dass der neue Inhalt bereits am 9.6.2022 freigeschaltet würde, wurden aber durch einen klitzekleinen Patch enttäuscht. Es gilt sich noch etwas zu gedulden. Die Legion Raids sind definitiv einer der – wenn nicht der – spannendste Teil des Lost Ark Endgames, an denen man sich genüsslich die Zähne ausbeissen und sein Gameplay perfektionieren kann.

Kleiner Käfer, grosser Frust

Was Bugs betrifft haben die Entwickler von Lost Ark im Westen einen entscheidenden Vorteil und einen entscheidenden Nachteil: Das Spiel läuft in Korea bereits seit Jahren, im Westen werden primär die bereits gepatchten Inhalte und gebalanceten Klassen veröffentlicht. Auf der anderen Seite gilt es die vorhandenen Inhalte mit den laut Entwickler recht andersartigen Systemen zu verschmelzen, was neue Fehler verursachen kann. Aktuell gibt es besonders einen gamebreaking Fehler im Spiel, der trotz diverser Updates seit seinem ersten Auftreten immer noch nicht behoben ist: Der Mauszeiger-Bug, bei dem ein Teil des Interface einfach an der Maus hängen bleibt, und man somit nicht mehr laufen kann. Dies scheint ein komplexeres Problem zu sein, das nicht so einfach zu beheben ist. Auf jeden Fall ist dies aktuell einer der grössten Frustfaktoren im Spiel, von dem eine Menge Spieler betroffen sind. 

Ein MMO um zu bleiben

Auch wenn Lost Ark mit diversen Problemen zu kämpfen hat und die Spielerzahl seit Launch (wie meistens bei so gehypten Releases) gesunken ist, ist es definitiv ein MMO mit Tiefe und  und kein Strohfeuer. Mit täglichen und wöchentlichen Inhalten wie Chaosdungeons, Wächterraids, Abyss- und Legion-Raids, Fieldbossen, Geisterschiffen, Unas Aufgaben und den Sammelsystemen gehen einem sicher so schnell die Aufgaben nicht aus. Natürlich kann so eine Flut an Aufgaben auch eine gewisse FOMO auslösen, die auf die Motivation drückt. Lost Ark ist definitiv ein Spiel, bei dem der Casual Player Mut zur Lücke beweisen muss, um langfristig Spass zu haben. 

Als Spiel mit Free-to-Play-Modell stehen diese Art von MMOs immer etwas unter Generalverdacht, Pay-to-Win zu sein. Hier schlägt sich Lost Ark bisher ganz gut, auch wenn neueste Updates mit lootboxartigen Inhalten für legendäre Skins, die eben nicht nur optisch etwas hermachen, sondern auch die Stats beeinflussen, die Spielerschaft haben aufhorchen lassen. Hier gilt es ein Auge drauf zu haben. 

Spielt ihr (noch Lost Ark)? Schreibt uns eure Erfahrungen und Meinung in die Kommentare.

mm

Ronja Antesberger

Freie Redakteurin

Ronja spielt, seit sie sich ihren ersten eigenen PC leisten konnte. Besonders MMOs, RPGs und Echtzeitstrategie sind ihr virtueller Lebensraum, ebenso wie spannende Indies mit interessanten Spielkonzepten. Als überaus kommunikationsbedürftige Zockerin streamt Ronja neben dem Freelancen und Schreiben auch auf Twitch und lässt sich in Podcasts regelmässig zu allem rund ums Gamen aus.

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