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Valorant

Moskau und der Bosporus: Die Gewinner und Verlierer der EMEA-Playoffs

Die EMEA Challenger Playoffs haben VALORANT Connoisseuren wahrlich verwöhnt und gleichzeitig die europäischen Fans in eine Dystopie geworfen. Wir stellen euch die Reise des Gewinners, Gambit Esports, ein wenig genauer vor.

Der letzte regionale VALORANT-Zirkus des Jahres hat vergangene Woche sein Ende gefunden und so manchen Fan überrascht. Im Vergleich zum vorherigen Zusammentreffen der Regionen Europa, CIS und Türkei, als die Rollen klar verteilt schienen, kam es dieses Mal zu einem Zusammenstoß verschiedenster Spielstile und Ansätze.

Für alle VALORANT-Fans, welche aber das eSport-System irritierender finden als Stochastik II, hier kurz eine Zusammenfassung. Die VALORANT Champions Tour ist in verschiedenste Regionen eingeteilt. Der eurasische Kontinent ist eingeteilt in Europa, die CIS-Region und die Türkei. 

In jeweils zwei Challengers-Turnieren pro Region werden die Teams für die EMEA Stage 3 Challengers Playoffs, eines der wenigen Turniere wo sich diese drei Regionen zusammenfinden. Für dieses Turnier konnten sich 12 Teams, 6 aus Europa, 3 aus CIS und 3 aus Türkei, qualifizieren:

Erst belächelt, dann triumphierend

Den Namen Gambit könnte so mancher Zuschauer bereits kennen. In CS:GO sind sie aus der Top 3 nicht mehr wegzudenken, in VALORANT hingegen noch hungrig auf der Suche nach einem größeren Sieg ausserhalb ihres Wohnzimmers. Bereits seit Januar existiert die Konstellation der fünf Jungen Russen, welche in der CIS-Region sich seither gegen jedes Team behaupten konnten. So war es kein Wunder, dass die Herrschaften sich während der Stage 3 CIS Challengers 1 keinen Ausrutscher leisteten und vollkommen ungeschlagen durch das Turnier rasten. 

Im April fand das letzte Zusammentreffen der drei Regionen statt und bereits damals überraschte das russische Team, als sie (die damaligen) Giganten von FunPlus Phoenix zu Fall brachten. Gereicht hat es für die Teilnahme an den Masters Reykjavik nicht. 

Drei Monate später, am 13.August, begann die Reise in den EMEA Stage 3 Challengers Playoffs mit einem holprigen Sieg gegen die Schweden von Guild Esports. Doch folgend ging es gegen den europäischen Titan namens “Acend”, welcher auf 2 von 3 Maps relativ kurzen Prozess mit Gambit betrieb. So schien es, als könnte sich die osteuropäische Einheit kaum der Elite aus der EU-Region entziehen, doch so ein Turnier ist ein Marathon und kein Sprint. 

Keine Zeit wie EMEA-Staffage zu wirken, doch der aufmerksame Zuschauer stellte schnell fest, dass bei Gambit so manches Mal das Momentum die Mannschaft als Geisel nimmt. Das Ross namens “Team Liquid” stand auf dem Programm, also die Mannschaft, welche es bereits im vornherein schaffte, sich für ein Masters-Turnier durchzusetzen. So nahmen die Dinge Ihren Lauf und das Spiel gegen Liquid startete auf Split. Nicht häufig sieht man das Team rund um Igor “Redgar” Vlasov auf der Map, doch die Mannschaft versteht genug davon. Mit 5-7 ging es für Gambit in die Verteidiger-Hälfte, wo sich Gambit eher benachteiligt fühlt. Doch noch einmal stellte Ayaz “naTs” Akhmetshin klar, dass er wohl einer der besten Sentinels der Welt ist und holte sich als Defender einen Clutch nach dem anderen. 

Trotzdem reichte es nicht für Gambit sich Split zu sichern, doch jener Rückstand wurde schnell gedreht. Ein dominantes 13-3 auf Bind brachte das Team ein weiteres Mal auf Icebox. Die mentale Stärke des Teams stand nun auf dem Prüfstand. Das Ergebnis der Prüfung sah erstmal äusserst dominant aus. Zur Halbzeit konnte sich Gambit 9 Runden als Verteidiger sichern, sogar in Runde 16 mit 11-5 in Führung gehen. Man könnte behaupten, alles in trockenen Tüchern, doch Gambit und ihr Kryptonit namens Icebox waren wieder zur Stelle. Aus einer 11-5 Führung wurde schnell ein Matchpunkt für Team Liquid, denn das europäische Team sicherte sich ganze 7 Runden in Folge und brachte Gambit mächtig ins Schwitzen. Doch ein letztes Mal zogen die Russen an. Mit ganzen 4 Kills rettete nAts zusammen mit Redgar die Runde und hechtete in die Overtime. Dort ging das Chaos weiter mit knapp verfehlten Shockdarts und fragwürdigen Afterplants zeigte sich kein Team von der besten Seite, doch in Runde 30 schlug Gambit ein letztes Mal zu und sicherte sich mit einer zügigeren B-Attack den Einzug in Masters Berlin! 

Folgend hätte Gambit ein wenig vom Gas gehen können, doch keineswegs war es Zeit für das Team die Sache gelassen anzugehen. G2 räumte man vergleichsweise einfach aus dem Weg, auch wenn ein weiteres Mal Icebox ihnen nicht gelang, doch folgend stellten sich Acend und SuperMassive Blaze in den Weg. Zunächst ging es an den europäischen Mix mit dem violetten Logo namens Acend, doch ein weiteres Mal bewies Gambit eine einzigartige Konstanz. Im Best of 5 musste man gerade mal Breeze mit 9-13 abgeben, sonst blieb die Dominanz von Gambit mit einem 3-1 Sieg erhalten.

Leichtsinn führt zu Fehlern

Es wurde somit Zeit für das große Finale. Gambit durfte nun an das wohl beste Team der Türkei ran, die einen absolut fehlerfreien Lauf bisher hatten. Dieses fehlerfreie Spiel wurde zum Problem von Gambit, denn ihr Gegner SuperMassive Blaze (kurz SMB) startete hervorragend auf Map Nr.1, Ascent. Wenn man die Zahlen betrachtet, so sieht man schnell, dass genau diese Map eine Art Heimspiel für Gambit ist, doch die Blamage kam rasch. Leichtsinn und fehlende Map-Control, sowie natürlich ein unglaublich starkes SuperMassive Blaze, sorgten für eine 0-12 Halbzeit für Gambit. Als Angreifer gelang es dem Team keineswegs irgendeinen Erfolg zu feiern, da half nach dem Seitenwechsel auch nicht die eine Ehrenrunde um zumindest das Endergebnis auf 1-13 zu beschönigen. 

Nach diesem verheerenden Start gab es natürlich berechtigte Zweifel an der Stärke von Gambit, jedoch war das Spiel scheinbar einfach ein Ausrutscher. In typischer Manier der russischen Mannschaft musste es mal wieder eng werden, jedoch wurde der langsame Ansatz, meist als Angreifer über die Mitte und Ropes spielend, belohnt. So war der Ausgleich gesichert und mit einem 13-11 Sieg ging es auf Map Nr.3.

Bind gab nun beiden Teams die Möglichkeit die Führung und den Matchpoint für das große Finale an sich zu reißen! Die Gemeinsamkeit der beiden, sie musste jeweils eine Niederlage auf genau dieser Map gegen Acend einstecken. Der Unterschied jedoch, Gambit hat sich bei ihrem Rematch gegen Acend mit neuer Kraft und einem besonders erstarkten Jett-Spieler namens Nikita “d3ffo” Sudakov zeigen können. Diese Kraft und das erlangte Wissen half Ihnen bei einem weiteren Sieg. Im Gegensatz zu Split und Ascent brachte die dritte Map Gambit in ihren bekannten unerschütterlichen Modus zurück. Dank einer nahezu makellosen Attacker-Side und einem herausragenden Support-Fragger in Form von Bogdan “sheydos” Naumov brachte sich Gambit mit einem 13-5 Sieg zurück.

Finale auf unbekannter Map

Die Erfolge von Bind und Split haben so manchen das eigenartige Ascent vergessen lassen, doch nun kam es zu einer absurden Vorstellung. Haven war somit die Möglichkeit für Gambit sich als bestes Team der EMEA-Region krönen zu lassen. Ein einzigartiger Erfolg der viele aufwecken würde. Das Schlachtfeld war jedoch eigenartig für Gambit, denn Haven war bisher der Perma-Ban des Teams. In einem persönlichen Gespräch mit Redgar erzählte er, dass Haven einfach zu viel Zeit kostet und das Perfektionieren der Map es nicht wert sei. So lässt man diese lieber aussen vor. Doch das Ärgerliche an einem Best of 5: Gambit muss trotzdem auf der Map spielen. Jedoch gab es einen Lichtblick am Ende des Tunnels, denn am Vortag spielte Gambit diese Map gegen Acend und war erfolgreich. Zwar war der ein oder andere Retake extrem chaotisch und die Agent Composition fragwürdig, aber der Erfolg gegen Acend war ein gutes Omen gegen SuperMassive Blaze.

Zu Anfangs war es bereits schon irritierend. IGL und meist Supporter Redgar spielte zum zweiten Mal in einem Turnier-Spiel einen Duelisten, diesmal Jett. Der ungewöhnliche Pick schmälerte aber nicht die Leistung von Gambit, denn ihr Start auf der Verteidiger-Seite war grandios. Mit 5-0 gelang dem Team die Führung, doch SMB schaffte es mit einem schnellen A-Push die Verteidigung von Gambit zu brechen. Doch für die türkische Mannschaft gab es nicht besonders viel zu gewinnen, denn ihr gegenüber war einfach zu stark als Verteidiger. 9-3 war der Halbzeitstand für Gambit auf ihrer sonst gebannten Map, ein ungewöhnlicher Anblick. Die anfängliche Stärke behielt Gambit bei und brachte das Momentum gleich in die zweite Hälfte mit. So hatte Gambit zwar anfangs gleich zwei Spieler in ihrer Pistol-Round verloren, doch wieder einmal rettete sheydos mit vier Kills die Runde und gab seinem Team nochmals den richtigen Schub. Gambit erlaubte sich keine weiteren Fehler mehr und beendete das Chaos namens “Haven” endgültig mit 13-3.

Belächelt und unterschätzt – so begann die Reise von Gambit. Die CIS-Region ist für Zuschauer und Enthusiasten nicht immer die durchsichtigste, doch genau dort entsteht Talent. Manchmal erlebt man auch eine märchenhafte Geschichte. So beginnt am 10. September ein neues Kapitel für Gambit, denn die Masters Berlin mit den 16 besten Teams des gesamten Globus stehen vor der Tür. Eine weitere Herausforderung für Redgar und sein Team und eine Gelegenheit, sich wieder zu beweisen. 

mm

Vincent "Zescht" Talmon-Gros

Freelancer

Mittlerweile häng ich schon seit so 5 Jahren im eSport rum. Ab und zu durch die Gegend gereist und kommentiere dann auch mal CS:GO oder VALORANT. Nachdem mein Journalismus-Studium auch irgendwie Moneten bringen soll, schreib ich gerne.

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