Bild: Twitter/NicoThePico

NicoThePico: Wir wollen zu den besten LoL-Teams gehören

Der Norweger Nicholas «NicoThePico» Korsgård ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der League of Legends-Szene. Seit kurzem ist er Coach des ersten Schweizer Profiteams, dem Postfinance Esports Experiment. Wir haben ihn am Herofest zum Interview getroffen.

 

esports.ch: NicoThePico, danke dass du dir Zeit genommen hast mit uns zusammenzusitzen. Dieses Wochenende habt ihr nun endlich euer Roster enthüllt, mit bekannten Schweizer Spielern. Wie lange warst du schon Teil der Planung?

NicoThePico: Ich wurde vor 3-4 Monaten von einem alten Manager von mir angefragt, da er hat mich dem Projekt als Coach vorgeschlagen hat. Es klang sehr interessant, vor allem da Postfinance Teil davon ist. Denn ich glaube, damit eSports in der Schweiz weiter wachsen kann, braucht es grosse Investoren. Vor allem Banken, die noch nicht lange bei eSports dabei sind. Wenn ich helfen kann, dieses Projekt zu einem Erfolg zu machen, ist das glaube ich sehr wichtig für die ganze Szene, so dass weitere grosse Namen darauf aufmerksam werden.

Aufgrund deiner Erfahrungen und deinem Wissen über die Szene, wirst du ein wichtiger Teil des Teams sein – schon fast ein Aushängeschild der Schweizer Pro-Szene. Wo denkst du steht unsere Szene im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz und wie muss es für in der Schweiz weitergehen?

Ich glaube die Schweiz und mein Heimatland Norwegen sind sich sehr ähnlich. Die Lebenskosten sind sehr hoch und es ist schwierig für kompetitive Spieler sich voll dem eSport zu verschreiben, und die nötigen Schritte zu unternehmen um das auch Vollzeit zu machen. Und wenn du dann mit anderen Ländern konkurrierst, die schon lange den Job Vollzeit ausüben können, dann haben diese Länder schon einen grossen Vorsprung. Das führt dann auch dazu, dass wir nicht so viele Schweizer Profispieler auf dem internationalen Parkett sehen.

Und vielleicht hat es sogar mit der Kultur zu tun. In Norwegen ist es auch schwierig deine Eltern zu überzeugen, dass du Vollzeitgamer werden willst. Daher ist es wichtig, dass wir die Medien darauf aufmerksam machen können und auch zeigen können, dass eSports professionell ist und ein echter Sport, den wir ernst nehmen.

Ihr werdet mit dem Postfinance-Team erst 2019 richtig durchstarten können, zwei Spieler von eurem Roster stehen zurzeit noch bei Penta Sports unter Vertrag. Wie wird künftig der Alltag für dein Team aussehen?

Wir werden das ganze Unterfangen wirklich so angehen, als gehören wir schon jetzt zu den besten Teams der Welt. Von morgens bis abends. Dazu gehören Training, Teamaktivitäten, gesundes Essen und Workouts.

Es wird also eine grosse Umstellung für die Spieler, die bisher «Semiprofessionell» gespielt haben. Deine Spieler sind ja in der Schweiz doch schon ziemlich bekannte Namen. Wie schätzt du ihre Fähigkeiten im Vergleich zu anderen internationalen Teams ein?

Wenn du alle Teams in Europa auflisten würdest, wären wir vermutlich unter den Top 100. Das ist ziemlich schlecht. Du musst auch im Hinterkopf behalten, dass ich von Top-Teams komme und ein paar der besten europäischen Teams gecoacht habe (Anm. d. Red: NicoThePico coachte unter anderem Origen und Fnatic). Das ist das Level, wo ich das Team hinbringen will. Ich will, dass wir ein Team sind mit Spielern, die von den besten europäischen Teams, oder sogar weltweit, ins Roster aufgenommen werden wollen. Wenn auch nur einer von meinen Spielern die Möglichkeit hat diesen Pfad einzuschlagen, dann habe ich meinen Job richtig gemacht.

Wie gesagt, unser Team soll von Tag eins wie ein professionelles Team auftreten. Wir werden so tun, als gehörten wir zu den Besten, wir werden trainieren als wären wir die Besten. Du brauchst die richtige Einstellung um es überhaupt zu schaffen.

«Fake it till you make it», sozusagen. Zurzeit spielen ja die besten Teams der Welt gegeneinander in Südkorea, an den LoL-Worlds. Welches Team denkst du wird dieses Jahr gewinnen?

RNG wird es vermutlich gewinnen, sie sind schliesslich das beste Team aus China. Schaffen die es nicht, dann vermutlich der 1. oder 2. Seed aus Korea. Oder Fnatic, natürlich.

Fnatic sind gut ins Turnier gestartet, haben grosse Chancen aus den Groups herauszukommen – Denkst du es gibt heute noch einen grossen Unterschied zwischen den Regionen?

Definitiv, ja. Schon nur zwischen Amerika und Europa gibt es grosse Unterschiede. Amerika fokussiert sich inzwischen viel stärker aufs Branding und Franchising, während sich Europa weiterhin auf puren Skill fokussiert. Es wird interessant sein, wie das Franchise-System die europäische Szene verändern wird. Aber Europa hatte schon immer stärkere Spieler als Amerika. Und dann hast du die ganzen asiatischen Teams, die eine völlig andere Kultur haben als wir. Es gibt immer unglaublich interessante Matches wenn Worlds sind.

Danke dir vielmals, dass du dir Zeit für uns genommen hast und viel Erfolg mit dem Postfinance-Team.

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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