Noonchi goes mental: Mental Coaches im eSport – das noch schlummernde Potential?

Den Begriff «mental Coach» hat bestimmt jede Person schon gehört. Wie wichtig ein gesunder Geist in unserem Alltag ist, ist unumstritten. Wie sieht es jedoch bei eSportlern aus? Welches noch ungenutzte Potential könnte man in Verbindung mit dem Geist und damit verbundenen Fähigkeiten noch ausschöpfen? Dies und in ein bisschen mehr werden wir eintauchen – let’s go mental!

Mental Health wird vor allem in Zeiten der COVID Krise grossgeschrieben. Es ist wichtig, dass man in der Isolation trotzdem noch genug zu sich und seinem mentalen Wohlergehen schaut. Zahllose Studien und Tipps und Tricks werden täglich über dieses Thema veröffentlicht. Dass ein gesunder Geist jedoch nicht nur den Alltag, sondern auch im professionellen Umfeld sehr präzise Höchstleistungen herbeiführen kann, scheint noch nicht ganz kristallisiert zu sein.

Im Schweizer eSport gibt es nach und nach Organisationen, die Wert auf mental Coaches legen. Das jüngste Beispiel bietet mYinsanity mit dem mYindset Projekt, welches sich aus Ernährungsberatung, Performance- und Mental Coaching zusammensetzt. Babos Gaming hat einen Mentor, der nach Bedarf Gespräche mit Einzelpersonen, oder Teams führt, um sie so gestützt auf persönlicher Erfahrung und unter Einbezug von Mentoring-Methoden weiter zu bringen.

Als ich mich über den Schweizer eSports hinaus noch mit mehr Artikeln und Studien befasst habe, bin ich auf ein paar Punkte aufmerksam geworden:

  • Die Aufgaben von mental Coaches variieren von Organisation zu Organisation sehr stark
  • Mental Coaches scheinen oft nur auf Ebenen des Wohlbefindens zu agieren, kognitive Verbesserungen nicht wirklich, oder nur indirekt
  • Es gibt keine konkrete Messbarkeit der Resultate
  • Es besteht ein immenses Potenzial, das mental Coaching auf das Spiel gerichtete Verbesserungen zu fokussieren, was noch nicht benutzt zu werden scheint

Mit Tools in die Zukunft

Während das Wort «mental» sofort mit psychologischem Wohlbefinden in Verbindung gebracht wird, fehlt mir persönlich der Zusammenhang im eSport mit mentalen Prozessen wie Reaktionszeit, Fokus und Fähigkeit unter Stress Entscheidungen zu treffen. Der Begriff und die Tätigkeiten eines mental Coaches sind noch extrem vage, was wiederum die Pläne und individuellen Verbesserungen schwer festzuhalten macht. Dies führt dazu, dass die Verbesserungen nur gemäss Rückmeldungen der Spieler erkennbar sind. 

Tools, wie zum Beispiel Fitnesstracker, welche nebst anderen Funktionen den Puls und die Schlafqualität messen können, werden bis jetzt nicht verwendet. Ein Interesse an diesen sogenannten Gadgets besteht durchaus, aber wie auch ein genauer “Stellenbeschrieb” des mental Coaches, ist auch das noch nicht ganz definiert.

Solche Tools – auch wenn noch nicht komplett ausgereift – können den mental Coaches unter die Arme greifen und somit müssten diese sich nicht nur auf Fragebögen verlassen, sondern hätten konkrete Daten zur Auswertung der Gesundheit des Spielers. Natürlich sind Fragebögen auch wichtig, um das Wohlbefinden allgemein festzuhalten und das eine soll das andere nicht ersetzen. Mental Coaches könnten mit der Einführung das Wohlbefinden mit messbaren Mitteln ergänzen und die Verbindung zum Spiel herstellen.

Doping oder notwendige Unterstützung?

Ein Artikel von Aaron und George Mathew Koshy geht mit der Behauptung der Effektivität und Präzision der Tools so weit, dass sie in der nahen Zukunft die Rollenbesetzung aufgrund der objektiv messbaren Daten von Spielern sehen. Zum Beispiel also aufgrund des messbaren Fokus, der Reaktionsgeschwindigkeit und der Belastbarkeit eines Spielers könnte man dann sagen, dass der Spieler am ehesten für diese oder jene Rolle geeignet, oder nicht geeignet ist.

Im Alltag eines Spielers in einem Team könnte der Fokus gemessen werden und aufgrund dessen die Anzahl zu spielenden Spielen definiert, oder ein individueller Trainingsplan entworfen werden. Diese Verbesserungen wären dann wiederum messbar und die Erfassung sehr exakter Ziele machbar. Es ist auch bekannt, dass kleine elektrische Schocks, die dem Gehirn zugefügt werden, die Merkfähigkeit immens steigern. Klingt beinahe wie Cheats, oder? Sind solche Mittel das Doping der Zukunft? 

Spieler, die schon mit mental Coaches zu tun hatten, wie Mahdi „Pride“ Nasserzadeh und Michael „xCruel“ Frank erwähnten den Wunsch für mehr Individualität in den Trainingsplänen der mental Coaches. Beide sehen aber eindeutig die Notwendigkeit eines solchen Coaches im eSport, auch ohne spezielle Messgeräte. 

„Anfangs dachte ich tatsächlich, dass alle unsere neuen Routinen sich als Hindernisse darstellen würden, da wir weniger Zeit fürs Training hatten. Mittlerweile weiss ich, dass es mir extrem geholfen hat, mich langfristig zu verbessern nicht nur als Spieler, sondern auch als Person.“ – Mahdi „Pride“ Nasserzadeh 

Persönlich würde ich gerne mehr Entwicklung in die Richtung der objektiven Messungen sehen und wie viel diese in der Verbesserung der Performance beisteuern. Das diese Implementation sicher auch aufgrund eines fehlenden Budgets scheitert, kann ich mir leider vorstellen. 

Das sind die Themen, die mir an den Kopf geflogen sind und mich mental gehen liessen. 

Wird es noch mehr von solchen Themen geben? Falls ja, gilt es dann – Noonchi goes mental und ihr werdet davon lesen. 

Wie siehts mit euch aus? Kennt ihr bereits solche Methoden? Was haltet ihr von mental Coaches? Sind Geräte und Tracker unnötig und werden keine Verbesserung bringen, oder sind sie das Tüpfchen auf dem i, das in der individuellen Leistungsverbesserung des eSports noch fehlt? 

mm

Julia "Noonchi" Ruprecht

Freie Redakteurin

Bereits mit jungen Jahren fand Julia ihre Begeisterung in magischen RPGs auf ihrem Gameboy und Gamecube. Mittlerweile ist sie in die Tiefen des PC-Gamings gefallen und hat sich in der Salzmine des Spiels League of Legends wiedergefunden. Ein starker competitor wurde nun aber das battle royal Warzone. Wenn sie also nicht damit beschäftig ist, an sämtlichen Hindernissen festzustecken, findet man sie für sich ein RPG geniessen, oder mitfiebern an jeglichen Schweizer eSport Events. Als Ausgleich zum Spielen investiert sie viel Zeit in den Content von E-Sport Organisationen, ihr Business Psychology Studium und ihr Sales und Marketing Internship.

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