Transfrau Osa ist seit August 2021 spielbarer Operator in Rainbow Six. Sie wäre am August-Major wohl nicht gerne gesehen.

Rainbow Six-Community empört über August-Major

Im Zuge der Ankündigung zum 7. Jahr Rainbow Six: Siege veröffentlichte Ubisoft auch eine eSports-Roadmap. Der Austragungsort des August-Majors sorgt für Wut in der Community.

Auf der Website von Ubisoft finden sich mehrere Artikel darüber, wie sehr man im Unternehmen die LGBTQ+-Community schätzt und fördern möchte. Intern existiert die Mitarbeitergruppierung „Rainbow 6ix“, die sich für Gleichberechtigung, Repräsentation und Chancengleichheit in den Ubisoft-Studios einsetzt.

Und nun, fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung von Flores – dem ersten offiziell schwulen Operator von Rainbow Six: Siege -, hagelt es Kritik für den Rainbow-Entwickler.

Grund dafür: Das August-Major 2022 soll in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt werden. Ein Land, in dem jegliche sexuelle und romantische Beziehung ausserhalb des Heterosexuellen illegal ist.

Diese Entscheidung sorgt nicht nur für Empörung, sondern auch für Verwirrung. Denn nebst den oben genannten Beispielen beschäftigt Ubisoft auch vor der Kamera mehrere LGBTQ-Talents, die nicht mehr aus dem eSport wegzudenken sind. Transfrau Emi „CaptainFluke“ Donaldson zum Beispiel ist fester Bestandteil des Broadcasting-Teams, wie auch die lesbische Casterin Jessica „JessGOAT“ Bolden.

Jess äusserte sich während des Six Invitational noch nicht zu der Entscheidung. Fluke zumindest mit einem Meme, das eigentlich schon alles sagt.

Hauptsache Geld?

Mit der Entscheidung, das August-Major in den Vereinigten Arabischen Emiraten abzuhalten, ist Ubisoft natürlich nicht alleine. eSports-Veranstalter ESL und FACEIT gehören jetzt einer Firma, die von Saudi Arabien finanziert wurde, und 2019 wurde das Saudi Arabische Stadtprojekt „NEOM“ beinahe Hauptsponsor der europäischen League of Legends-Liga. Nach dem Announcement befand sich Riot Games in derselben Situation, in der nun Ubisoft ist. Als Reaktion kam es bei Riot zu Streiks, einem Aufruhr in der Community und schlussendlich wurde das Sponsoring wieder abgeblasen. Was blieb ist ein fahler Geschmack, der auch heute noch nicht ganz entfernt wurde.

Die Arabische Welt hat grosses Interesse am eSports. Bereits 2017 wurde die „Saudi Arabian Federation for Electronic and Intellectual Sport“ gegründet, deren Aufgabe es ist, eSports zu fördern. Bis 2030 will Saudi Arabien wirtschaftliche Alternativen zum Erdöl haben, eSports sei da zentraler Bestandteil. Doch wie auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist auch in Saudi Arabien Homosexualität strafbar, im Höchstmass mit der Todesstrafe.

Und mit Frauenrechten haben es die beiden Länder ja bekanntlich auch nicht so.

Aber wieso zieht es denn eine oberflächlich so progressive Industrie wie Gaming und eSports verstärkt in Regionen, in denen ein nicht zu missachtender Teil der Aushängeschilder und Community in keinster Weise willkommen sind? Die Antwort könnte komplex sein, ist es aber sehr wahrscheinlich nicht. Unter dem Strich geht es den Organisatoren um die Unsummen, welche die Arabische Welt für ein besseres Image momentan springen lässt.

Die Wrestling-Organisation WWE schloss 2018 einen 10-jährigen Deal mit Saudi Arabian ab, für jährlich zwei Shows vor Ort. Pro Show in Saudi Arabien macht WWE 50 Millionen Dollar Umsatz. Die 100 Millionen Dollar Umsatz entsprechen gleich zehn Prozent des WWE-Jahresumsatzes von 1 Milliarde Dollar.

Ja, auch im eSport wird mit der selben Kelle angerührt. Die Eventorganisatoren wurden zusammen für 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Das ist zwar noch kein Activision-Deal, für ein Unternehmen wie ESL, das selbst 2019 noch Tief in den roten Zahlen war, jedoch ein sehr angenehmes Sümmchen.

Und jetzt?

Wagt man nun in diesem „Auge des Shitstorms“ einen Blick in die Kristallkugel, wird es in den nächsten Tagen (Stunden?) so verlaufen:

  • Es kommt zu Protesten und Aufbegehren in der Community, sowie von einzelnen Key-Persönlichkeiten.
  • Eventuell sogar eine Meldung von Angestellten der Ubisoft-Studios.
  • Das August-Major wird an einen anderen Austragungsort verschoben.
  • Eine wichtige Person im Rainbow Six-Universum wird sich bei der Community entschuldigen und „Verständnis zeigen für den nachvollziehbaren Unmut“. Man habe nicht weit genug überlegt.
  • Das Vertrauen der Rainbow Six: Siege-Community in Ubisoft ist angekratzt.
  • Im Juni wird ein Blogeintrag auf der Website von Ubisoft erscheinen, der die firmeninterne LGBTQ+-Community beleuchtet und feiert.

Auf Twitter kursiert inzwischen eine Petition an Ubisoft, welche die Verlegung des Majors fordert.

Egal wie diese Geschichte nun ausgeht, in naher Zukunft dürften sich ähnliche Geschehnisse nochmals abspielen. Dann aber mit einer anderen Firma oder einem anderen Event als Hauptakteur.

Falls man bei Ubisoft allerdings am August-Major in den arabischen Emiraten festhält werden sich weitere Fragen auftun.

Lässt man die wichtigsten Talents des Broadcasting-Teams zu Hause? Würde der Rest dann überhaupt mitziehen oder aus Solidarität absagen?

Und auch In-Game wird es schwierig: Dürfen Osa und Flores überhaupt gespielt werden, oder müssen die Spieler dann mit Strafen rechnen?

Von offizieller Seite gibt es zur Kontroverse noch kein Statement.

Update vom 23.02.2022

Nun meldet sich Ubisoft zu Wort und reagiert auf die Kritik aus der Community. Sie kündigen an, dass der Six Major vom August in eine andere Region verlegt wird. Das komplette Statement findet ihr hier:

Nathan Leuenberger

Projektleiter & Redaktionsleiter

Schon mit dem ersten Gameboy, den er von seinem Vater "auslieh", begann Nathans Faszination für die Welt der Polygone, Bits und Pixel. Noch heute sind Games seine grösste Leidenschaft und haben mit der Entwicklung im Bereich eSports eine völlig neue Bedeutung bekommen.

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