Sev ist salty – Warum gibt es Overwatch 2?

Wir schreiben das Jahr 2016. Nach der Ankündigung von Overwatch an der BlizzCon 2014 erreicht der Hero-Shooter ein unglaubliches Level an Hype. Die Open Beta allein verzeichnet beinahe 10 Millionen Spieler. Nach drei Jahren steigt diese Zahl auf 50 Millionen an, ausserdem sahnt Overwatch eine schier absurde Zahl an Auszeichnungen ab. Fast forward ins Jahr 2022 und gefühlt interessiert sich fast keiner mehr für Overwatch. Was ist passiert?

Starten wir noch einmal ganz am Anfang. In 2014 wird bei Blizzard ein MMORPG mit dem Namen Titan gecancelt. Titan wollte an den Erfolg von team basierten Shooter Games wie Team Fortress 2 oder Arena Shooter Games wie Quake anknüpfen. Aus dem Konzept rund um Titan entsteht schlussendlich Overwatch. Noch im selben Jahr wird Overwatch an der BlizzCon angekündigt. Das Game ist am Event spielbar, es stehen 14 Charaktere zur Auswahl.

Blizzard trifft mit dem Game einen Nerv bei zahlreichen Menschen. Neben dem Gameplay sind dabei sicher auch die Cinematic Trailer und das kreative Storytelling rund um Overwatch über verschiedenste Medien ausschlaggebend. Animated Shorts, Fake Newsreports über die Helden oder übergrosse Figuren der Helden an verschiedenen Orten auf der Welt. Nach der Closed Beta folgt eine Open Beta (Start 5. Mai 2016). Dort verzeichnet Overwatch über 9.7 Millionen Spieler. Der offizielle Launch folgt am 24. Mai.

Playerbase Overwatch

Overwatch wird zum eSport

Blizzard behauptet, Overwatch wurde nicht mit dem Ziel entwickelt, ein eSport zu werden. Ex-Game Director Jeff Kaplan gibt aber zu, dass sie “Features eingebaut haben, um eine kompetitive Community zu unterstützen”. Der Fakt, dass Overwatch sich visuell und gameplaytechnisch von den existierenden grossen eSport-Titeln (CS:GO, Call of Duty) stark genug abhebt, war eine gute Grundvoraussetzung für den Erfolg als eSport-Titel. 

Auch für Zuschauer ist der Titel attraktiv: Das Tempo der Matches ist hoch, die Dauer ist eher kurz. Zu bemängeln ist aber das “visuelle Chaos” vieler Fähigkeiten in grossen Kämpfen.

Bereits wenige Monate nach Launch finden die ersten Turniere statt. ESL hosted im August 2016 das erste internationale Turnier “Overwatch Atlantic Showdown”. Im November veranstaltet Blizzard selbst den Overwatch World Cup. 

16 Länder nehmen am Turnier teil, die Spieler der Nationalteams konnten von der Community gewählt werden. Blizzard kündigt 2016 die Overwatch League an. Dort erhalten 12 Franchises einen fixen Platz in der Liga, ohne Relegation oder Promotion. Die Liga startet im Januar 2018 und läuft auch heute noch. Am 5. Mai startet die neue Season, gespielt wird diese auf Overwatch 2.

Auch in der Schweiz ist Overwatch als eSport erfolgreich: Im März 2017 startet Season 1 der No Mercy League. Das ist die erste Overwatch Liga der Schweiz. 27 Teams (162 Spieler!) nehmen daran teil. Die Liga existiert drei Saisons lang, im Februar 2018 ist Schluss. 

Im Jahr 2018 darf die Schweiz sogar ein Team an den Overwatch World Cup schicken! Nach und nach werden die Teams jedoch weniger und ab 2020 wird Overwatch bei fast allen LAN-Partys zum Sideevent degradiert. Was ist passiert?

Overwatch 2, volle Kraft voraus – Kein Content für Overwatch

Nach dem riesigen Erfolg von Overwatch kündigt Blizzard an der Blizzcon 2019 einen Knüller an: Overwatch 2. Der Game Director verspricht: Der kompetitive Aspekt von Overwatch steht auch in der zweiten Ausgabe des Spiels im Zentrum. Aber es soll Content dazu kommen, den die Community oft gefordert hat: PvE, eine kooperative Experience gegen computergesteuerte Gegner. Das ist eine grosse Chance die interessante Lore hinter Overwatch zu erleben. So weit so gut.

Was folgt ist aber eine Zeit der Dürre. Am 14. April 2020 erscheint Echo, Held Nummer 32. Und dann geht bei Overwatch gar nichts mehr. Die saisonalen Events wiederholen sich, Major Balance Patches bleiben aus. Die Erklärung: Blizzard will sich auf die Entwicklung von Overwatch 2 konzentrieren. Das Launch-Datum für das Sequel verschiebt sich immer wieder. Nach der Ankündigung wird ein Release in 2021 versprochen. Dann 2022. 

Aber auch das Release in 2022 ist nach einem weiteren Announcement von Blizzard alles andere als sicher. Immerhin wurde nun eine Closed Beta von Overwatch 2 Ende April bestätigt. Jedoch ist diese “frühe” Closed Beta nur möglich, weil sich Blizzard nun dazu entschieden hat, den PvE-Inhalt vom PvP-Inhalt zu trennen.

Für mich stellt sich die Frage: Warum hat man sich nicht von Anfang an für die Trennung von PvE und PvP Content entschieden? Durch die komplette Absenz von neuem Content in Overwatch gingen viele engagierte Spieler verloren. Und wenn man das PVP-Gameplay von Overwatch 2 sieht, sieht das nicht nach einem komplett neuen Spiel aus. Hätte man nicht mehr Hype behalten können, wenn man einfach kontinuierlich am “alten” Spiel weitergearbeitet hätte?

Die Vorfreude auf Overwatch 2 hält sich – zumindest in meiner Bubble – in Grenzen. Und das obwohl ich mit dem Release von Overwatch damals erst so richtig in die Welt des eSports eingetaucht bin. 

Die fehlende Kommunikation nach der Ankündigung von Overwatch 2 und das “Brachliegen lassen” hat mich irritiert. Und die wenigen Sachen, die ich bisher von Overwatch 2 gesehen habe rechtfertigen die lange Dürrezeit schlichtweg nicht. Ich habe mich aber trotzdem für die Closed Beta angemeldet und hoffe auf das Beste. 

Ich sehe aber nicht ein, warum es überhaupt ein Sequel gebraucht hat. Auch mit kontinuierlichen Updates wäre man in zwei Jahren zu einem ähnlichen Endprodukt gekommen. Was ist eure Meinung dazu?

mm

Severin Stillhard

Online-Redaktor

Angefangen hat die Gamer-Karriere mit Pokémon Rubin. Mittlerweile hat er wohl jeden relevanten kompetitiven Titel ausprobiert aber leider nur mässig Erfolg gehabt. Ist jetzt auch nicht mehr so wichtig, da er nun auf eSports.ch seine Begeisterung für Games mit Menschen teilen kann und man dabei nur gewinnen kann.

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