GREEN SLNT

SLNT Green: Von League of Legends zu Counter Strike?

Nikola „Green“ Dimovic gehört lange Zeit zu den besten League of Legends Spielern der Schweiz. Er war Teil des Experiments „Postfinance Helix“. Nach zehn Jahren League of Legends wechselt er die Disziplin: Er spielt jetzt Counter Strike: Global Offensive bei SLNT. Wir fragen ihn wie man in jedem Spiel gut werden kann und warum er überhaupt das Spiel gewechselt hat. Thumbnail-Foto Credit: Roman Schläpfer, Nhat Ha Dao.

eSports.ch: Hey Green. Wir kennen dich vor allem vom Projekt Postfinance Helix. Böse Zungen sprachen von einem “gescheiterten Experiment”. Siehst du das auch so?

Green / Nikola Dimovic: Wir haben in der Schweiz alles gewonnen ausser der SwitzerLAN. Deswegen würde ich definitiv nicht von einem gescheiterten Experiment sprechen. Gegen deutsche Teams hat es nicht ganz gereicht, das war aber auch nie der Anspruch. Die deutschen Teams waren auch alle Full-Time und hatten internationale Talente im Roster. Es war keine Schande, gegen sie zu verlieren.

 

Also hast du nicht aus Frust zu Counter Strike: Global Offensive gewechselt?

Nein. Ich habe auch nach dem Postfinance Experiment weiter League gespielt. Ich bin dann zurück zu mYinsanity und wir sind in der ersten Season der Pro Division der Prime League angetreten. Die Season war aber ein Disaster. Wir landeten auf dem 9. Platz.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann auch schon seit fast zehn Jahren League gespielt und ein wenig die Motivation verloren. Ich war nicht gut genug für die LEC und musste entscheiden, ob ich noch eine Season spielen will. mYinsanity hat mir eine Vertragsverlängerung angeboten, da kommt aber das klassische Schweizer Problem ins Spiel: Die Lebenskosten in der Schweiz sind zu hoch. Mit einem eSport-Vertrag kommst du nicht durch den Monat. In Deutschland würde das Geld vielleicht reichen, hier ganz sicher nicht.

Ich war an einem Scheidepunkt in meinem Leben: Soll ich noch eine Season riskieren, mit der Hoffnung irgendwann mal in die LEC zu kommen, oder soll ich mich für den sicheren Weg im “normalen” Berufsleben entscheiden. Ich habe mich dann für den sicheren Weg entschieden und bereue es nicht.

 

Wie lange spielst du jetzt schon CS:GO?

Seit April 2020. Ich habe von Anfang an unglaublich viel Faceit gespielt, da das reguläre Matchmaking in CS:GO eine weniger angenehme Experience war. Nach nur vier Wochen habe ich dort bereits Level 8 erreicht, nach einigen Monaten war ich Level 10, der höchste Rang in Faceit.

 

Wieso CS:GO, wenn doch als League-Spieler Valorant mehr Sinn machen würde?

Ich bin kein grosser Fan von Valorant. Das Spiel ist langsamer als CS:GO und ich finde die Abilities mühsam. Ausserdem war ich schon lange CS:GO-Fan und finde, dass es der beste Spectator-eSport ist. Ich bin aber froh, dass es einen Konkurrenten für CS gibt. Das übt ein wenig Druck auf Valve aus. Denn im Vergleich zu League of Legends ist CS:GO ziemlich statisch, es hat sich sehr wenig verändert, seit das Spiel existiert.

 

Gibt es Skills die du in League of Legends und CS:GO gebrauchen kannst?

Die beiden Spiele unterscheiden sich sehr stark. In League of Legends siehst du zum Beispiel alles, was deine Teamkollegen sehen. In CS:GO ist das nicht der Fall. In CS:GO muss deswegen auch viel mehr und genauer kommuniziert werden, damit alle Informationen bei allen Spielern ankommen. Und im Gegensatz zu League spielt auch der Sound eine extrem wichtige Rolle. Das fällt mir am schwersten: Ich muss lernen, wann ich nicht reden darf, damit meine Teammates alles hören können, was sie hören müssen.

Ein Konzept welches in League und in CS:GO existiert ist das Tracken von Gegnern. Oft siehst du die Gegner nicht. Dann musst du dir überlegen, was der beste Move für deine Gegner ist und dich dementsprechend positionieren und dir überlegen wie du handeln willst. Das Gleiche ist beim Tracken des gegnerischen Junglers der Fall.

 

Kannst du uns verraten wie man gut wird in Games? Du hast bestimmt ein Geheimrezept.

Ich glaube es ist am wichtigsten, dass man einfach das Spiel so oft wie möglich spielt. 

Man sollte aber niemals sinnlos drauflos spielen. Dies kann kontraproduktiv sein.

In jedem Game sollte man versuchen, sich in mindestens einer Sache zu verbessern. Falls man nicht weiss, woran man arbeiten sollte, empfehle ich dass man sich die eigenen Replays anschaut oder eine Drittperson befragt. Ich persönlich finde, dass das „Solo-Queuen“ effektiv sein kann. Wenn man alleine spielt, ist man in der Lage viel mehr Games pro Tag zu spielen, da man nicht immer auf die Mitspieler warten muss. Dies kann aber schnell mal frustrierend werden.

 

Du spielst jetzt CS:GO für das “neue” Team SLNT. SLNT soll vor allem Stories und Content liefern, habt ihr aber auch sportliche Ziele?

Wir trainieren dreimal pro Woche und spielen natürlich auch noch ausserhalb der Trainingszeiten zusammen. Unsere erste Season wird sicher eine grosse Learning Experience, wir sind noch ein eher junges Team mit weniger erfahrenen Spielern. Trotzdem wäre es möglich die Top drei im ESL National Championship zu erreichen wenn alles super läuft. Rang vier oder fünf muss Minimum drin liegen. Die Konkurrenz ist aber nicht ohne. Lausanne-Sport Esports, Babos Gaming und auch mYinsanity sehen unglaublich stark aus.

 

 

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem Projekt SLNT und dem Postfinance Experiment?

Ähnlich ist es, dass es eine Story hinter dem Team gibt und wir viel Content produzieren werden. Wir sind bei SLNT aber viel selbstständiger als damals bei Postfinance Helix. Es gibt keinerlei Vorschriften von der Organisation oder den Sponsoren. Sie stellen uns eine Bootcamp-Location zur Verfügung und kommen für die LAN-Eintritte auf, aber stellen keine leistungsmässigen Anforderungen an uns. Bei Postfinance war das schon viel geführter. Ausserdem war das bei Postfinance ein Schweizer All-Star Team, jetzt sind wir eher ein Underdog-Team mit jungen, hungrigen Spielern.

 

Die Performance von Green und dem Team SLNT.ProCloud könnt ihr bei der ESL National Championship live mitverfolgen.

mm

Severin Stillhard

Online-Redaktor

Angefangen hat die Gamer-Karriere mit Pokémon Rubin. Mittlerweile hat er wohl jeden relevanten kompetitiven Titel ausprobiert aber leider nur mässig Erfolg gehabt. Ist jetzt auch nicht mehr so wichtig, da er nun auf eSports.ch seine Begeisterung für Games mit Menschen teilen kann und man dabei nur gewinnen kann.

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