Strike: Meine persönlichen Game-Highlights 2020

Seien wir ehrlich: Ohne Gaming wäre das Jahr 2020 noch viel mieser gewesen. Wir haben das Glück, dass unser aller Lieblingshobby für uns da war und einige echt gute Titel hervorgebracht hat. Im Folgenden präsentiere ich Euch meine persönlichen Faves und begründe meine Wahl. Am Ende folgt dann noch eine honorable mention.

2020 war ein Scheissjahr. Es begann eigentlich ganz gut, endete aber in der wohl beschissensten Sonnenumrundung, welche die Welt im 21. Jahrhundert bislang vollzogen hat: Corona, im Februar noch für eine rein lokale Gefahr im chinesischen Wuhan abgetan, verbreitete sich rasend schnell über den gesamten Erdball und hielt die Menschheit in Atem — wortwörtlich. Viele von uns mussten unser gesamtes Leben umstellen, gerade wohlstandsverwöhnte westliche Länder erhielten eine kleine Kostprobe davon, wie es ist, wenn Instabilität das Leben beherrscht und einen Tag später alles komplett anders sein kann. Billie Eilish nahm heuer zum vierten Mal in Folge ihr immergleiches Interview am jeweiligen 18. Oktober des Jahres mit Vanity Fair auf und gab eine treffende Antwort auf die Frage, wovor sie sich am meisten fürchtete: «Noch letztes Jahr sagte ich ‹dass jemand, den ich sehr liebhabe, stirbt›. Aber damals war das eine eher irrationale, abstrakte, generelle Angst. Heute, nur ein Jahr später, ist diese Angst real und direkt geworden.» Damit kurz als Aufruf dazwischen: Tragt Eure verdammten Masken, bleibt zuhause wenn irgend möglich, schützt Eure vorerkrankten und/oder älteren Familienmitglieder, denn auch Ihr könntet Spreader sein, ohne dass Ihr es wisst. Danke.

Des Menschen mentale Abhilfe

Vielen schlugen intensiviertes Homeoffice und mehr Zeit zuhause irgendwann auf die Gemüter. Gamer allerdings kannten bereits eine hilfreiche Gegenmassnahme, die sie eh grösstenteils aus den eigenen vier Wänden praktizieren: Gaming, gerade auch die sozial(er)e Multiplayer-Variante, stellte eine wahre Rettung für unser Sozialleben dar und tut es immer noch. So titelt Quarz.com, dass die Pandemie aus jedem/r eine/n Gamer/in gemacht habe und die Videogame-Verkaufszahlen weltweit zunahmen.

In diesem Artikel möchte ich meine persönlichen (!!!) Gaming-Highlights des Jahres 2020 vorstellen und kurz beschreiben, warum diese Spiele mein Jahr 2020 definitiv verbessert haben. Und nur damit es nochmals klipp und klar gesagt ist: Es handelt sich hier um auf meinem persönlichen Geschmack beruhende Entscheidungen, die in keiner besonderen Reihenfolge stehen. Man muss sie nicht diskutieren oder hinterfragen — einfach lesen und geniessen.

VALORANT

VALORANT mauserte sich bei mir von «Ugh, eine CS-Kopie mit Overwatch-Fähigkeiten, yikes» zum wohl meistgespielten MP-Titel des Jahres. (uhdpaper.com)

Wie ein waschechter Boomer ging ich dem Beta-Launch von VALORANT entgegen… Aber von Anfang an: Kennengelernt habe ich es hauptsächlich, weil Riot Games eine recht smarte Marketingstrategie verfolgten. Sie machten Deals mit einigen High-Level-Twitch-Streamern und aktivierten die so genannten Drops, wenn das Spiel live gespielt wurde. Nur wegen Drops bringt man keine hunderttausende Zuschauer in die Streams. Der Clou war aber, dass man nur einen Beta-Zugangskey zum Spiel bekam, wenn man auch fleissig bei einem dieser Streamer im Chat war. Dabei konnte man schon nach einer Stunde Viewtime so einen Key abholen, teils auch erst nach fünf — manche behaupteten, sie hätten Streams 48 Stunden lang offengelassen ohne je einen Key abgegriffen zu haben. So tröpfelt der Beta-Zugang von den grossen Influencern runter zu den kleineren und von da — so wohl die Hoffnung Riots — in die Herzen aller Shooterfans.

Und hier kommt der Boomer ins Spiel: Ich hörte von «Valo» und winkte zunächst mal ab. Overwatch hatte mich eh nie längerfristig gepackt, da ich mit den überrissenen Klassen und Perks und Fähigkeiten et cetera in Multiplayer-Games nichts mehr anfangen kann. Ich war und bin ein Fan der Counter-Strike-Reihe: Bis auf ein paar Ausnahmen stehen allen alle Waffen zur Verfügung; das Budget entscheidet, welche Rolle man in der nächsten Runde wahrnimmt, und nicht etwa vordefinierte Klassenfähigkeiten. Also hab’ ich auch nie länger als fünf Minuten lang einen VALORANT-Stream geschaut. Etwas gereizt hatte es mich schon, das gebe ich zu, aber nicht genug, um diesen Grind mitzumachen.

Kann Strike trotz stundenlangem Training in VALORANT wirklich gar nichts reissen? Schaltet am 29. Dezember um 13:00 Uhr auf twitch.tv/esportsch ein, wenn er wieder mal versucht, endlich auf Gold zu kommen!

Als ich dann zwei Wochen später dennoch einen Invite-Key im Postfach hatte, staunte ich nicht schlecht. Warum also nicht einfach testen? Ich installierte die Beta, startete das Spiel, schluckte meine Bedenken hinsichtlich der Kernel-Level-Fähigkeiten der integrierten Anti-Cheat-Software Vanguard herunter … und hatte mächtig viel Spass. VALORANT hatte ein für eine Beta ziemlich sauber balanciertes Gunplay, das sich jenem von CS ähnlicher anfühlte als alle anderen Spiele, die ich kannte. Die Waffen waren offensichtlich ebenfalls vom selben Spiel abgeschaut und sogar die Klassenfähigkeiten ergaben für mich Sinn. Ganz konservativ hielt ich mich zunächst an Sova, den man ja auch im Tutorial kennenlernte, und wurde in der Verwendung des Reveal-Dart auf allen Maps recht gut. Als meine Kampfeslust wuchs, wechselte ich auf Phoenix als Main, wo ich immer noch sitze. Manchmal sind sogar meine Plays ganz okay, auch wenn ich irgendwie nie über Silver 3 hinauskomme (Shoutout an meinen Twitch-Chat, der mich immer mit «Dein Skill ist schon eher Gold als Silver» tröstet, wenn ich mal wieder fast heule nach einem Loss). Eines Tages!

Icebox ist aber trotzdem scheisse. Can’t change my mind.

Resident Evil 3 Remake

«JETZT KOMMT DIESER PISSER WIEDER!» — Ich, alle 15 Minuten bei Resident Evil 3. (nme.com)

Zarte zehn Jahre alt war ich, als das originale Resident Evil auf der PS1 erschien. Meinen ersten Kontakt mit dem Phänomen hatte ich erst etwa vier Jahre später als ein Jugendfreund, dessen Eltern weniger genau auf  Videospiel-Altersbeschränkungen achteten als meine, mir das Spiel zeigte. Ich glaube jetzt noch, dass Resi eine Art masochistische Neigung in mir hervorgerufen hat — ich weiss noch, dass ich mir das Spiel mal ausgeliehen hatte, ganze zwei Stunden spielte und es dann vor lauter Schiss nicht mehr in die PlayStation einlegte. Dennoch gab es da immer diesen Drang, weiterzuspielen, wenn ich das Cover sah. Auf jeden Fall war Resident Evil mein Eintritt in die Welt der Horrorspiele. Ich mag Gruselgames immer noch, und ich bin immer noch ein Schisser.

Nachdem das GameCube-Remake von Resident Evil in meinen Augen absolut hervorragend herausgekommen war, hielt ich auch die Neuauflage von RE2 ganze 17 Jahre später für ein Remake aus dem Bilderbuch: Storymässig dem Original treu aber etwas verfeinert, grafisch mächtig aufpoliert, mit ein paar angepassten Gameplay-Aspekten die aber den Spielkern nicht verfälschen — Capcom schafften es echt, mit dem neuen Resident Evil 2 sowohl alte Resi-Hasen als auch Newcomer zu packen und zu begeistern. Ich liebte dieses Spiel. Deswegen freute ich mich auch so krass auf das 2020 folgende Remake von Resi 3. Und sagen wir’s so: Es war «ganz gut». Definitiv ein schlechteres Spiel als das 2019er Remake des zweiten Serientitels, aber dennoch ziemlich spassig. Ob das nun grösstenteils an der Nostalgie oder tatsächlich am Spiel selbst lag ist schwer zu beurteilen, aber ich bin nicht der Einzige, der nach dem Remake von 2 etwas enttäuscht war. Zu den besten Spielen von 2020 zähle ich es dennoch, denn es hat mich gut unterhalten, meinen Horrornerv getroffen und es ist halt ein Resi der alten Schule. Aber, dear Capcom: Nr. 4 braucht kein Remake, danke.

DOOM Eternal

Das epische Spielzitat «Rip and tear until it is done» klingt auf Schweizerdeutsch übersetzt etwas wie die genervte Anweisung eines alten Lehrmeisters: «Etz rissisch und rupfsch bis fertig bisch, tamminamal!» (bethesda.net)

Neben Rap gehört Metal zu meinen Lieblingsmusikgenres. So ab 19 hatte ich meine absolute Metalphase, ausgelöst durch Slipknots IOWA, während der mein gesamter Kleiderschrank schwarz wurde (und es grösstenteils heute noch ist) und die Riffs und der Doublebass nicht brutal genug sein konnten. Das hat sich wieder etwas zugunsten von melodischerem und vor allem mit groovigen Drums durchsetztem Metal gelegt (yay, Lamb of God!), die herrlich übertriebene Ästhetik härterer Subgenres schätze ich aber immer noch sehr. Dazu gehörte auch das Remake von DOOM, schon im Original (ich bin so alt) eines meiner Lieblingsspiele — schnell, blutig, übertrieben böse und dramatisch, und der Soundtrack, DER SOUNDTRACK, LEUTE. Entsprechend freute ich mich auf DOOM: Eternal und hatte zunächst einen ähnlichen Effekt wie schon beim Übergang vom oben beschriebenen Resi 2 Remake: Ist ein grossartiges Spiel, macht Spass, kommt aber irgendwie nicht an das erste Remake von 2016 ran. Oder?

Nun, die Story war viel grösser und intensiver, was einerseits cool war, andererseits aber das Spiel gefühlt in die Länge zog. Nach etlichen Stunden sehr hektischer Feuergefechte rief es irgendwann nur noch Augenrollen hervor. NOCH ein böser Endgegner? NOCH ein Höllenpriester? Zusätzlich war die Lernkurve viel steiler als noch 2016 — all die neuen Fähigkeiten, Extrawaffen und ihre Erweiterungen, Perks … es dauerte nur schon Stunden, all das in den Kämpfen epischen Ausmasses mit übermächtigen Gegnern an der richtigen Stelle und rechtzeitig abzurufen. Da ich in der Erwartung eines schnellen, mehr Geschwindigkeit als Geschick erfordernden und schön heftigen Shooters in Eternal hineinging, war ich etwas enttäuscht. Dennoch: DOOM Eternal ist ein klares Highlight dieses Jahres für mich. Wäre es nicht so lange, würde ich es nochmal durchspielen, nur schon für den absolut genialen Endgegnerkampf …

… und der Soundtrack, LEUTE, DER SOUNDTRACK!

(Hey Mick Gordon und Bethesda, vergrabt endlich das Kriegsbeil und schmeisst den Shit auf Spotify!)

Honorable Mention: Among Us

Wie, er hat Among Us nicht in die Liste seiner Topspiele 2020 genommen? Pretty sus, ngl. (steampowered.com)

Über Among Us habe ich bereits hier ausführlich geschrieben. Es war für mich kein Highlight-Titel im klassischen Sinne, verdient aber dennoch eine honorable mention, denn: Kaum ein Spiel hat Gaming in diesem Schicksalsjahr über seine eigentlichen Demographiegrenzen hinausgebracht wie diese moderne Variante von Werwölfle. Und was noch viel wichtiger ist: Quarantäne, social distancing und andere Dinge, die uns massiv auf die mentale Gesundheit geschlagen haben, konnten dank Among Us für ein paar Stunden vergessen werden. Dieses lange unterschätzte Spiel brachte uns zusammen und ermöglichte uns intensive soziale Interaktion. Ich bin zwar des erfolgreichen «Impostorns» nicht fähig, war aber dennoch um einige Runden Among Us sehr froh. Ausser, ich spielte mit Detektiv-Naturtalenten …

Und damit: Bleibt gesund, tragt Masken, wascht Euch die Hände, bleibt zuhause, lasst Euch impfen! Ich wünsche Euch viel Glück, Erfolg, Geld, guten Sex und Gesundheit während der kommenden Sonnenumrundung. Und ein paar Games, die Euch stundenlangen Spass bringen. Wir lesen uns nächsten Monat!

mm

Thomas "Strike"

Freelancer / Streamer

Thomas oder «Strike» streamt seit 2016 leidenschaftlich gern auf Twitch und schreibt ebenso gerne, nur schon viel länger. Als erfahrungsmässig und biologisch alter Hase im Gamingbusiness hat er einige Trends — ob langlebig oder nicht — miterlebt und plaudert hier in Form von Hintergrundberichten und Meinungsartikeln aus dem Nähkästchen. Zu finden ist er meistens in Multiplayer-Lobbies von irgendwelchen Online-Shootern. Ansonsten zockt er auch mal das eine oder andere Adventure- oder Storygame. Oder «Die Sims».

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