Tipps für angehende eSportler – Noonchi goes mental | Part 2

Nina Zweifel gehört zu den bekanntesten Gesichtern im Schweizer eSport. Zusammen mit Julia gibt sie dir Tipps, wie du im eSports Fuss fasst.

Den ersten Teil des Interviews mit Nina habt ihr sicher schon gelesen. Der zweite Teil beinhaltet ein Kunterbunter Mix aus allen Topics, die ich mit ihr besprochen habe. Dies beinhaltet Facts, wie aber auch persönliche Meinungen und Präferenzen von Nina und mir. Bei anderen (oder auch denselben) Takes lasst uns doch in den Kommentaren darüber sprechen! Let’s get a bit mental…

Spieler der eSports Organisation mYinsanity am Herofest Bern

Pic credit: https://jetonshali.ch/

Frauen im eSport: Nina’s Erfahrungen im Allgemeinen und ihre Meinung zu Mixed Teams

«Als ich nach kurzer Zeit ins Management von mYinsanity aufgenommen wurde, gab es schon einige Gerüchte darüber, was ich für diese ‘Beförderung’ wohl getan habe, während man einen Mann in meiner Situation wohl nicht so hinterfragt hätte. Aber ansonsten habe ich selbst kaum Erfahrung mit Frauenfeindlichkeit oder Sexismus in dieser Szene gemacht. Ich erfahre jedoch immer wieder von ‘anonymen’ Trollaccounts auf Twitter, oder ‘geheimen’ Discord-Servern, die genutzt werden, um Personen – und oft spezifisch Frauen – aus der Szene zu bewerten oder über sie zu lästern. Für solche Dinge habe ich einfach kein Verständnis und finde es sehr traurig.»

Nina versucht nie gross Angriffsfläche zu zeigen und ist generell offen, ehrlich und steht zu ihrer Meinung. Dies scheint auch in der Community viel Respekt generiert zu haben. Im Allgemeinen kriegt sie aber von Kolleginnen schon mit, dass es mehrheitlich auch Probleme geben kann. Sie steht auch extrem hinter gegenseitigem Support und teilt auf ihren Social-Media-Kanälen regelmässig Geschichten von Harassment anderer.

Ein wichtiger Punkt: Unterstützen Frauen sich gegenseitig im eSport? Nina gibt sich viel Mühe, dass mYinsanity ein Ort sein kann, wo sich Frauen wohl fühlen, erzählt sie uns. Im eSports generell sei es aber noch schwankend, auch unter den Frauen selbst. Grundsätzlich sollte man sich gegenseitig unter die Arme greifen, was aber noch nicht immer der Fall zu sein scheint.

Sidenote Noonchi: Ich persönlich würde mir wünschen, dass, auch wenn es Uneinigkeiten gibt, alle im selben Boot sind und unsere Ziele für diese Community doch im Grundsatz dieselben sind: Wir alle möchten sehen wie der Schweizer eSports wächst, wir wollen unsere Lieblingsspiele spielen, unsere Freunde bei Turnieren anfeuern, oder uns selbst bewähren und dies als ein zweites Zuhause, wo wir uns willkommen fühlen, haben…

Auf die Frage, ob Nina sich Frauen in professionelleren Teams, beziehungsweise in Mixed Teams vorstellen kann, gab es keine konkrete Antwort. Dies ist auch sehr schwierig zu beantworten, da es noch kaum, oder keine Erfahrungen damit gibt. Generell sieht sie kein Problem damit und würde es sehr begrüssen, es müsse einfach aufgegleist und öfters gesehen werden. Beispiele für Mixed Teams gibt es in Games wie WoW, oder auch das Valorant-Team von Team Liquid. Das grösste Problem sieht Nina nur, wenn beide Seiten die Idee nicht vollkommen unterstützen. Männer also nur in Männerteams und Frauen nur in Frauenteams spielen.

Special Moments: Diese Dinge sind ihr als Performance Coach geblieben (und mir auch)

In ihrem Job als Performance Coach hat sie mittlerweile schon viele Erfahrungen gemacht. Etwas, was sie speziell bei mYinsanity machen, sind sogenannte Lagerfeuer. Dort kommt das ganze Team zusammen und startet eine Diskussion untereinander. Ab und zu muss noch nachgehakt werden, aber nach und nach öffnen sich die Spieler dann untereinander und sprechen auch offen über Probleme.

Es sei oft traurig zu sehen, wie Spieler Probleme lieber mit Witzen überdecken und sich fast nicht trauen, ernst darüber zu sprechen. Dieses Lagerfeuer schien dabei zu helfen. Persönlich hoffe ich, dass mehr Organisationen etwas in dieser Art einführen, da es nicht nur den Teamzusammenhalt stärken, sondern auch den einzelnen Personen mit ihren ganz eigenen Problemen weiterhelfen kann.

eSportler der Organisation mYinsanity im Frau Gerolds Garten

Pic credit: https://jetonshali.ch/

«Vielen Spielern scheinen diese Lagerfeuer am besten zu gefallen, was ich zwar super finde, aber im Vergleich zu dem Aufwand, den wir für die Durchführung von Workshops betreiben, ist das natürlich etwas lustig. Beim Lagerfeuer braucht es nicht so viel Vorbereitung wie bei den Workshops.» Das Wichtigste ist jedoch, dass sich die Spieler wohl fühlen, sich öffnen können und wissen, wo sie sich Hilfe holen können, wenn sie sie benötigen.

Tipps für Neueinsteiger: Diese Charakterzüge sind wichtig als (LoL-) Spieler

Wenn du für eine Organisation spielen willst, ist etwas vom Wichtigsten: Sei nicht «Toxic». Nicht in der Soloqueue, nicht auf Twitter. Apropos Twitter: Ja, es ist einer der beliebtesten Kanäle im Schweizer eSports, aber halte dich zurück, wenn du kannst. Dein Twitter, wie auch dein gesamter Auftritt – online wie offline-, repräsentiert dich und schlussendlich auch eine Organisation. Würdest du eine Organisation aussuchen, die sich nie an Regeln hält? Genauso sucht sich eine Organisation generell auch keine Spieler, die eine Schädigung ihres Images darstellen könnten.

Aber wie schaffe ich das jetzt nicht Toxic zu sein? Viele Pro-Spieler greifen zur altbewährten Methode: Mute All. Heisst, dass sie keine Chatfunktion In-Game sehen. Wichtig zu bemerken ist aber, dass dies negative Emotionen nach einem anstrengenden Spiel nicht wegzaubert. Hier empfiehlt Nina Pausen einzulegen, ansonsten nimmst du diese negativen Emotionen mit ins nächste Spiel, was weder dir noch deiner Elo, oder deinem persönlichen Progress weiterhilft. Der Fokus auf den eigenen Fortschritt ist auch ein wichtiges Stichwort: Natürlich ist verlieren doof und man will am besten immer nur gewinnen, trotzdem solltest du versuchen dich stets an deinen eigenen Zielen und deiner Performance orientieren.

Apropos Gewinnen und Elo: Gemäss Nina ist Elo für den Hiring Process, also die Einladung zu den Tryouts, von Bedeutung, danach wird aber vermehrt darauf geschaut, ob du ins Team passt. Natürlich sind die Anzahl gespielter Spiele im Vergleich mit der Winrate und Zeit, die fürs Spielen investiert wird, auch von Bedeutung, damit es Sinn macht in einem Team zu spielen. Aber es ist eben auch wichtig, wie du kommunizierst, mit Misserfolg umgehst und wie gut du mit deinen Teammates harmonisierst.

Rainbow Six Siege Team der eSports-Organisation mYinsanity am Herofest

Diese Charakterzüge sind wichtig für Neueinsteiger als Helfer:

Mach was dir Spass macht: Im eSports gibt es unglaublich viele Bereiche, in denen du dich und deine Passion einbringen kannst. Dein Studium oder deine Ausbildung spielt dabei wirklich keine grosse Rolle. Beziehungen aufzubauen ist auch sehr wichtig, sei also nicht zu schüchtern an Events oder LANs auf Leute zuzugehen. Die Menschen im eSport haben alle eine grosse Passion, wodurch Offenheit der meisten auch gegeben ist.

Sei auch innovativ: Der Schweizer eSport ist noch in den Babyschuhen. Wenn du eine Möglichkeit siehst, wie du einen Mehrwert für eine Organisation geben kannst und dies auch mit Nachdruck durchsetzen willst, wirst du bestimmt deinen Platz im eSports finden.

Das wollte sie der eSports-Community schon immer sagen

«Esports wird oft einfach als ‘Toxic Environment’ angesehen und betitelt, ganz so, als wären es nicht wir, die Mitglieder dieser Community, die die Szene zu dem machen, was sie ist. Wir schaffen das Umfeld, indem wir uns bewegen, nicht umgekehrt.» «Klar ist der eSport ein Hobby für uns alle, aber ich denke ein Minimum an Respekt und Professionalität darf schon erwartet werden. Sei das jetzt der Umgang mit Mitspielern, Gegnern, oder Turnier Admins, oder schon nur das pünktliche Erscheinen und das Lesen des Reglements, all das sind meiner Meinung nach Basics. Der eSport in der Schweiz kann erst wachsen, wenn es die Personen darin auch tun.»

Als abschliessende Worte hat sie dann noch mit einem Lachen hinzugefügt «Ich wünschti mir alli Athlete wäred wie de Neox3005.» (Anm. d. Red.: Captain des mYinsanity Rainbow 6 Siege-Teams) Ihr wisst also was zu tun ist, Spieler! All diese Themen konnte ich in einem spannenden Interview mit Nina «Silverborn» Zweifel besprechen. Stimmst du zu? Denkst du, es ist kompletter Stuss? Teil es mir mit in den Kommentaren!

Gibt es Personen im Schweizer eSport oder, zu denen du gerne mehr erfahren möchtest? Lass es mich wissen!

mm

Julia "Noonchi" Ruprecht

Freie Redakteurin

Bereits mit jungen Jahren fand Julia ihre Begeisterung in magischen RPGs auf ihrem Gameboy und Gamecube. Mittlerweile ist sie in die Tiefen des PC-Gamings gefallen und hat sich in der Salzmine des Spiels League of Legends wiedergefunden. Ein starker competitor wurde nun aber das battle royal Warzone. Wenn sie also nicht damit beschäftig ist, an sämtlichen Hindernissen festzustecken, findet man sie für sich ein RPG geniessen, oder mitfiebern an jeglichen Schweizer eSport Events. Als Ausgleich zum Spielen investiert sie viel Zeit in den Content von E-Sport Organisationen, ihr Business Psychology Studium und ihr Sales und Marketing Internship.

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