Twitch und das DMCA-Debakel – eSports.ch #StoryoftheWeek

    Twitch hat sich mit dem DMCA-Debakel in den letzten paar Wochen keine Freunde unter den Streamern gemacht. Kritisiert wird in erster Linie die Art der Kommunikation.

    Was auf YouTube seit vielen Jahren klar geregelt ist, wurde auf Twitch bisher grosszügig übersehen. Denn jeder Content Creator weiss, dass er auf YouTube keine Videos veröffentlichen sollte, in denen er Material verwendet, das er nicht selbst produziert oder für das er keine Lizenz hat. Tut er es doch, kann er es im besten Fall nicht monetarisieren. Der Urheber des Materials hat aber das Recht, selbst Werbung auf dem Video zu schalten und erhält dadurch sämtliche Einnahmen. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Video einfach gesperrt wird. Im schlimmsten Fall jedoch erhält der YouTuber zusätzlich einen Strike. Bei drei Strikes ist Schluss, der Account des YouTubers wird gelöscht.

    YouTube ist da sehr streng. Doch immerhin weiss der Content Creator immer ganz genau, was los ist. Bei Twitch hingegen herrschte bisher stets eine Laisser-Faire-Politik. Man hat die Streamer halt mal machen lassen.

    Dadurch hat es sich eingebürgert, dass Streamer im Hintergrund Musik laufen lassen. Allerdings meist keine copyrightfreie Musik, sondern Songs von bekannten Künstlern, Charts, beliebte Playlists von Spotify und so weiter. Auch Song Requests, eine Funktion während des live Streamens, bei der die Zuschauer sich Songs wünschen konnten, waren sehr beliebt. Kontrolliert wurden diese Songs nie.

    Keine Konsequenzen – bis jetzt

    Bis jetzt hatte das keine Konsequenzen für die Streamer. Verwendete ein Streamer urheberrechtlich geschützte Musik, schaltete Twitch das Video des Streams im Nachhinein an einigen Stellen einfach stumm. Das ist aber weiter nicht tragisch.

    Vor wenigen Wochen kam allerdings die Musikindustrie, genauer gesagt der Digital Millennium Copyright Act (DMCA), ein Gesetz für den Schutz des Urheberrechts in den Vereinigten Staaten, Twitch auf die Schliche. Plötzlich hagelte es Copyright-Beschwerden. Die etwa 50 Beschwerden pro Jahr wuchsen auf tausende pro Woche an.

    Man könnte sagen, Twitch sei hier selbst vom DMCA auf falschem Fuss erwischt worden. Doch ein so grosser Konzern – und Twitch gehört immerhin dem Multimilliarden-Unternehmen Amazon an – sollte es besser wissen.

    3 Tage, um die eigene Legacy zu löschen

    Twitch jedoch schien masslos überfordert. Man stellte den Streamern eine Deadline von lächerlichen drei Tagen, um ihre Videos und Clips auf Urheberrechtsverstösse zu durchforsten. Bei Streamern, die seit mehreren Jahren hauptberuflich auf Twitch streamen, ist das eine unüberschaubare Menge an Material. Das einzige Tool, das Twitch zur Verfügung stellte: Massenlöschung. Filter-Optionen gab es keine.

    Aus Panik, auf Twitch permanent gebannt zu werden und dadurch ihre Haupteinnahmequelle zu verlieren, löschten viele Streamer daraufhin all ihre Videos und Clips.

    Das Prekäre: Diese Videos waren nach wie vor auf den Servern von Twitch gespeichert und lösten beim DMCA eine Beschwerde aus, obwohl der Streamer sie eigentlich gelöscht hatte.

    Die Streamer waren also machtlos. Der Frust über die Unfähigkeit von Twitch, seine Streamer bezüglich dieses DMCA-Debakels zu unterstützen, wuchs.

    Sogar Wind-Sound ist problematisch

    Streamer fingen darauf an, ohne externe Musik zu streamen. Doch nicht einmal der Ingame-Sound ist bei einigen Spielen lizenzfrei. EA reagierte immerhin schnell genug und baute eine Option in FIFA 21 ein, wo die Musik ausgestellt werden kann. GTA V Streamer müssen darauf achten, das Ingame-Radio auszuschalten. Kingdom Hearts, Life is Strange und viele weitere Spiele aber verwenden storyrelevante Musik, die nicht einfach ausgeschalten werden kann.

    Die Lizenzierung von Musik und Sounds führt so weit, dass sogar ein Wind-Sound aus World of Warcraft Classic eine Copyright-Beschwerde auslöste.

    Die Meinungen innerhalb der Community ist allerdings gespalten: Einige sind der Meinung, dass das Urheberrecht nun mal berücksichtigt werden müsse. Andere hingegen fühlen sich von Twitch im Stich gelassen. Das Problem dabei: Nicht einmal Twitch kann wirklich sagen, wie der DMCA gehandhabt werden soll.

    mm

    Stefanie Holenweg

    Moderatorin & Social Media Managerin

    Als Stefanie Holenweg zu ihrem 10. Geburtstag eine N64 mit dem Spiel Zelda – Ocarina of Time geschenkt bekam, besiegelte dies ihr Schicksal in der Welt des Gaming. Ihre beiden Leidenschaften, Bloggen und Zocken vereint sie nun seit Anfang 2017 in ihrem Job als Moderatorin bei esports.ch.

    Mehr von Stefanie Holenweg
    News melden
    Follow Us
    Stay in the game!

    Abonniere jetzt unseren Newsletter

    Follow Us
    eSports.ch