WoW: Shadowlands – Wer macht das Mythic Race unterm Weihnachtsbaum?

Am 24. November 2020 erscheint endlich die lang erwartete, aktuelle World of Warcraft Erweiterung Shadowlands. Der späte Termin des ursprünglich für Ende Oktober geplanten Launches ließ nicht nur die Spannung der zahlreichen Vorbesteller und Fans steigen, sondern stellt auch die Top-Raidgilden beim Rennen um die World Firsts vor eine besondere Herausforderung: Die Feiertage.

Als Blizzard das neue Launchdatum von Shadowlands bekannt gab, waren viele überrascht. Die meisten Spieler rechneten entweder eine Woche früher mit dem Release oder sogar erst zum 30. Dezember. Die Veröffentlichung des ersten Schlachtzugs fällt in den Schwierigkeitsgraden Normal und Heroisch auf den 9. Dezember 2020 (EU), was den Release des mythischen Raids mit dem 16. Dezember “gefährlich” nah an die Feiertage schiebt. Für viele Veteranen wurden Erinnerungen an den ersten Raid in WoW: Cataclysm geweckt, dessen Release ins gleiche Zeitfenster fiel.

EU Raid Zeitplan zum Shadowlands-Launch (Schloss Nathria)

  • Dezember 2020 – Schwierigkeitsgrade Normal und Heroisch
  • Dezember 2020 – Schwierigkeitsgrad Mythisch

Über den ersten Raid von Shadowlands “Schloss Nathria”  in Revendreth – der Heimat des Venthyr Paktes – gibt es schon einige Informationen im Internet zu finden, wir möchten euch hier aber natürlich nicht spoilern. Je nach Schwierigkeitsgrad der verschiedenen Bosse kann ein Clear voraussichtlich bis zu mehr als einer Woche dauern. Traditionell war der erste Raid einer neuen Erweiterung vergleichsweise etwas einfacher – so bleibt Luft nach oben für spätere Schlachtzüge in derselben Erweiterung. Es bleibt abzuwarten, wie es bei Shadowlands aussieht.

Was ist das Race to World First?

Das Rennen um den Titel des World First – also wer einen Schlachtzug als erstes erfolgreich abschliesst – hat in WoW (und anderen MMOs) lange Tradition und stellt einen hochgradig kompetitiven Aspekt und die Spitze des PvE Contents dar. Im Gegensatz zu den von Activision kontrollierten und mit Preisgeldern dotierten eSports-Formaten Arena World Championship im PvP und dem Mythic Dungeon International im PvE,  wird das Race to World First (RWF) unter den Top Gilden der Community geführt – ohne direkte Organisation von Seiten Blizzard.

Die Gilden, die bei jedem Release eines neuen mythischen Schlachtzugs um die Titel der ersten Kills kämpfen, stecken viel Zeit, Geld und Leidenschaft in die Vorbereitung. Sie stützen sich dabei nicht zuletzt auch auf die Community, die Gold unter anderem für Crafting Materialien vorschiesst und auf Spieler, die bei heroischen Split Runs mitlaufen und ihren Loot an die Raider abgeben. Ohne diesen Support wäre die Vorbereitung kaum zu schaffen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Mitglieder der Top-Gilden von Server zu Server ziehen um die Auktionshäuser nach BoE (Bind-on-Equip) Items zu durchforsten, mit denen die Spieler auch noch den letzten fehlenden Statpunkt aus ihrer Ausrüstung herauskitzeln können, um ihre Spielweise so aufs nächste Level zu heben. Denn beim Raiden auf dieser Schwierigkeitsstufe gilt es jedes kleine bisschen im Spiel zu optimieren, um das Rennen am Ende für sich zu entscheiden.

Um wirklich oben mitmischen zu können, müssen sich Spieler der Profi-Gilden in der Regel mindestens zwei Wochen Urlaub nehmen, um sich ganz auf ihr Spiel konzentrieren zu können. Da kann die Unterstützung durch eine professionelle eSports-Organisation ungemein helfen, die nicht nur finanziell, sondern auch in der Vergangenheit bei der Austragung des Rennens vor Ort unterstützt haben, damit die Spieler sich auf genau eine Sache konzentrieren können: das Spiel.

Der Termin sorgt bei einigen für Unmut

Ein riesiger Aufwand ist das alles, kein Wunder also, dass sich nicht alle darauf freuen, ihre Feiertage dafür umzuplanen. Durch die Corona-Pandemie dürften weniger Spieler in Erklärungsnot kommen, da die Familienfeier dieses Jahr vielleicht gar nicht stattfinden kann. Aber wer will schon dem Grosi erklären, warum man am Heiligabend möglichst ununterbrochen am PC sitzen muss, und das eben nicht für den Weihnachts-Zoom-Call mit der ganzen Familie zum Feiern und Singen, sondern um World of Warcraft zu zocken. Was nicht vergessen werden sollte ist, dass Spieler aus dem asiatischen Raum schon daran gewöhnt waren, am Chinesischen Neujahr zu raiden. Für diese Region ist der Releasetermin also potentiell diesmal von Vorteil.

Der zweite Kritikpunkt der Profi-Gilden ist folgender: Beim Race to World First ergeben sich oft noch Bugs bei den Raidbossen, die durch die Qualitätssicherung gerutscht sind und erst durch das Testen auf Herz und Nieren durch die Raidgilden auffallen. Hier hat Blizzard in der Vergangenheit – oft durch direkte Kommunikation zu den Gilden – sehr schnell durch Hotfixes nachbessern können. Bleibt zu hoffen, dass entweder das Rennen schnell entschieden ist (Where’s the fun in that?), oder dass die Devs ebenfalls aufs Weihnachtsessen verzichten.

Raider.io hat einige Mitglieder der kompetitiven Gilden um ihre Meinung zum Releasetermin gebeten. Der Konsens ist, dass man hofft, vor dem 24. Dezember – also innerhalb einer Woche – mit dem Schlachtzug durch zu sein. Ob ein Clear in der Zeit schaffbar ist, wird sehr unterschiedlich eingeschätzt. Viele setzen darauf, dass Blizzard den Raid trotzdem nicht zu einfach macht, um ihn quasi vor den Feiertagen “abzuhaken”. Siory von Complexity-Limit (US) erinnert daran, dass beim ersten Raid von Cataclysm das Entwicklerteam Bugs erst im neuen Jahr gefixt hat, nachdem sie ins Büro zurückgekehrt waren. Die Hoffnung ist, dass die durch die Pandemie gefestigten Strukturen für Remote-Arbeit helfen werden, diesmal Fehler schnell beheben zu können, auch wenn das Office noch geschlossen ist. Glade von BDGG (US) sieht im Termin sogar ein Anzeichen dafür, dass Blizzard zuversichtlich ist, die Raids bereits genug poliert zu haben, damit niemand über die Feiertage arbeiten muss. Laut Zzr von JTH (Asia) und Erxi von Alpha (Asia) hat das Scheduling diesmal quasi keine Auswirkungen für sie.

Das sagt Blizzard

WoW Game Director Ion Hazzikostas hat zu den kritischen Stimmen zum Releasetermin auf Twitter bereits Stellung genommen: So versuche man wenn möglich solche Terminkonflikte zu vermeiden – idealerweise wäre die Erweiterung pünktlich im Oktober erschienen. Da das nun nicht möglich war, ist dies der unter den Umständen bestmögliche Zeitplan. Würde man den Start der mythischen Raids auf nach den Feiertagen verzögern, würde dies das Pacing der Erweiterung ruinieren, Spieler müssten nach Erreichen von Level 60 und dem Durchspielen von Shadowlands wochenlang auf den Raidcontent warten. Den Release der ganzen Erweiterung noch weiter nach hinten zu verschieben, um die Feiertage zu vermeiden, würde all den Fans, die trotz der Verzögerung so geduldig gewartet hätten, nicht gerecht werden.

Die Top-Progress-Gilden im Kurzüberblick

Auf dem Platz an der World First Fame-Sonne hat sich jahrelang fast ausschliesslich eine Gilde breitgemacht: Method (EU). Ihre Streams ermöglichten es seit 2018 hunderttausenden von Zuschauern, beim RWF hautnah dabei zu sein. Vorher gab es diesen langwierigen Prozess mit hunderten Versuchen quasi nie für Aussenstehende zu sehen. Veröffentlicht wurde nur das Killvideo, bei dem der Boss dann lag. Immer mehr Gilden lassen sich nun in die Karten schauen und organisieren das Race to World First als Stream-Event mit Moderatoren und Analysen, was ihren Channels und World of Warcraft zum Raid-Release Rekordzahlen auf Twitch beschert.

Die Raids der letzten Erweiterung Battle for Azeroth waren bis kurz vor Schluss von Method dominiert und auch davor waren die World Firsts fest in europäischer Hand, trotz des zeitlichen Vorteils, den US-Gilden jeweils zum Release haben, da der Patch dort bei der Serverwartung um Stunden früher aufgespielt wird. Den letzten Raid von BFA, den Boss N’Zoth im Schlachtzug Ny’alotha, schnappten die Amerikaner von Complexity-Limit Method allerdings knapp vor der Nase weg und konnten somit den ersten World First Kill eines Raid-Endbosses seit 2012 für die USA holen.

Method befanden sich zwischenzeitlich in de-facto Auflösung, nachdem sie sich mit einem ausgewachsenen Skandal um Vorwürfe von sexuellen Übergriffen (u.A. gegenüber Minderjährigen) durch zwei Mitglieder und der Vermutung, dass die Organisationsleitung davon Kenntnis hatte, konfrontiert sahen. Zwar sieht es laut offizieller Website so aus, als solle Method unter bisherig Leitung bis zum Ende von Shadowlands wieder aufgebaut werden, der Grossteil des ehemaligen Raid-Squads wird jedoch unter neuer Flagge und neuem Management als neue Gilde Echo in Shadowlands zum Rennen um die World Firsts antreten – erste Sponsoren konnten schon an Land gezogen werden.

Complexity-Limit, die Bezwinger von N’Zoth, sind seit 2019 Teil der eSports-Organisation Complexity Gaming. Die Gilde gibt dieser Partnerschaft viel Credit an ihrem N’Zoth World First Kill Anfang diesen Jahres, da sich die Spieler einfach nur auf das Spiel konzentrieren konnten, da ihnen die Org finanziell und auch organisatorisch vor Ort den Rücken frei hielt. Complexity-Limit sind einer der klaren Favoriten für das kommende Rennen.

Weitere Gilden im Top-Ranking der World First Kills sind die russische Gilde Exorsus und Pieces (EU). Sehr gut im Rennen um die BFA First Kills waren auch die beiden chinesischen Gilden JTH und Alpha.

Zu beobachten gilt es die Big Dumb Golden Guardians (vorher Big Dumb Guild), die im Juni 2020 ihre Partnerschaft mit dem eSports Brand Golden Guardians der NBA Golden State Warriors bekannt gaben. Man darf gespannt sein, was die Unterstützung einer Organisation für eine Gilde, die bisher nicht zu den Top 5 gehörte, ausmachen kann.

Qualifiziert sich das World First Rennen als eSport?

Viele Spieler wünschen sich, dass Blizzard das Race to World First offiziell zum eSport erhebt, nachdem sie hier sowohl bei anderen Titeln, als auch bei World of Warcraft selbst mit den aktuellen Ausgaben der Arena World Championship im PvP und dem Mythic Dungeon International (MDI) im PvE bereits kräftig mitmischen. Die Chancen, dass Blizzard hier selbst die Zügel in die Hand nimmt, sind allerdings derzeit laut WoW-Chef Ion Hazzikostas gering. Der Raidcontent gilt als die Spitze des Ausrüstens und der Meisterschaft der eigenen Charaktere, was unter speziellen Turnierbedingungen in den Hintergrund geraten würde.

Das Streaming des Rennens durch die Gilden legt einen neuen Fokus auf diesen hochkompetitiven PvE-Aspekt von World of Warcraft und macht ihn viel zugänglicher. Das steigende Interesse und Involvement von eSports-Organisationen gibt den Gilden die Möglichkeit, ihr Spiel weiter zu professionalisieren. Wir können es kaum erwarten und freuen uns auf ein spannendes Rennen ab dem 9. Dezember 2020!

Was ist eure Meinung, wer ist euer Favorit und wird er das Rennen noch vor den Weihnachts- und Neujahrsfeiertage machen? Werdet ihr über die Ferien raiden? Interessiert euch kompetitives PvE, sollen wir mehr zu dem Thema bringen?

mm

Ronja Antesberger

Freie Redakteurin

Ronja spielt, seit sie sich ihren ersten eigenen PC leisten konnte. Besonders MMOs, RPGs und Echtzeitstrategie sind ihr virtueller Lebensraum, ebenso wie spannende Indies mit interessanten Spielkonzepten. Als überaus kommunikationsbedürftige Zockerin streamt Ronja neben dem Freelancen und Schreiben auch auf Twitch und lässt sich in Podcasts regelmässig zu allem rund ums Gamen aus.

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